{"id":626,"date":"2021-07-16T09:00:00","date_gmt":"2021-07-16T07:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/?p=626"},"modified":"2021-08-03T07:59:50","modified_gmt":"2021-08-03T05:59:50","slug":"entemotionalisierung-in-fussball-fanszenen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/entemotionalisierung-in-fussball-fanszenen\/","title":{"rendered":"Warten auf den goldenen Himmel"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Fu\u00dfball ohne Fans war in den letzten Monaten keine Seltenheit. Das scheint sich jetzt wieder zu \u00e4ndern. Nach und nach werden Zuschauer wieder in die Stadien gelassen. Viele werden sich dar\u00fcber freuen, doch was ist mit denjenigen, die vielleicht gar nicht mehr zur\u00fcckkehren? \u00dcber Menschen, die die Bindung zu ihrer Leidenschaft verloren haben.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote has-text-align-right is-style-large is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>At the end of a storm, there&#8217;s a golden sky.<\/p><cite>Liedzeile aus &#8222;You&#8217;ll never walk alone&#8220;<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eGoal probability: 6,6 Prozent\u201c. Die Torwahrscheinlichkeit, kurz eingeblendet in der oberen Ecke des Fernsehers, der Kommentator liest sie vor. Ein unwahrscheinliches Tor also. Aber was soll\u2019s, die Zahl ist so schnell vergessen, wie sie aufgetaucht war. Dennoch kann man sich ihr kaum entziehen. Wer ein Spiel der ersten oder zweiten Bundesliga im TV ansieht, wird regelrecht vom Zahlenwucher \u00fcberh\u00e4uft. Schnellster Spieler, Angriffszonen, Ballbesitz, Pressing-Momente. F\u00fcr jede Situation gibt es eine passende Statistik. Man k\u00f6nnte ein komplettes Spiel von der ersten bis zur letzten Minute nur in Zahlen wiedergeben. Dabei lie\u00dfen sich die meisten Spiele der vergangenen anderthalb Jahre zun\u00e4chst mit nur einer Zahl beschreiben: 0. Die Zuschauer im Stadion.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Natasha Schipke ist Teil dieser 0. Fr\u00fcher war sie Teil von 10.000 und aufw\u00e4rts. Sie sitzt, wie so viele in diesen Zeiten, nicht im Stadion, sondern vor ihrem Laptop und spricht in die Kamera. Sie erz\u00e4hlt davon, wie ihr Vater anfing, sie zu Spielen mitzunehmen. Wie schade sie es findet, sich nicht mehr genau an ihr erstes Spiel erinnern zu k\u00f6nnen. Davon, wie sie mit dem \u201eVirus\u201c &#8211; Fu\u00dfball, nicht Corona &#8211; infiziert wurde. Sie erz\u00e4hlt von ihren ersten Begegnungen mit der Ultra-Szene, wie sie mit 15 Jahren im Stadion \u00fcber Z\u00e4une kletterte, um zu ihnen in den Block zu kommen. Von Heimspielen und Ausw\u00e4rtsfahrten, von Trauer und Hoffnung und der Liebe zu ihrem Verein: Eintracht Braunschweig. Und sie erz\u00e4hlt, dass sie seit Beginn der Corona-Pandemie meistens nicht wusste, wann oder gegen wen eben dieser Verein eigentlich spielt oder gespielt hat. Ein Fu\u00dfballspiel ohne Fans war f\u00fcr sie bis dahin undenkbar. Im Fernsehen will sie die Spiele nicht gucken, schlie\u00dflich sei der Fu\u00dfball in erster Linie f\u00fcr die Menschen, die in die Stadien kommen. F\u00fcr Natasha beginnt eine Zeit, in der sie sich zunehmend von ihrer einstigen Leidenschaft entfremdet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anfang November 2020 gaben die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der zwei gr\u00f6\u00dften, deutschen Vereine, Karl-Heinz Rummenigge und Hans-Joachim Watzke, ein Interview in der Sport Bild, in dem sie erstmals die Sorge um eine m\u00f6gliche Entemotionalisierung \u00e4u\u00dferten. Nur wenige Tage sp\u00e4ter kam der Fanforscher Harald Lange von der Universit\u00e4t W\u00fcrzburg zu einem \u00e4hnlichen Schluss. Die Fans w\u00fcrden sich vom Fu\u00dfball abwenden, \u201eund das millionenfach\u201c, so Langes Prophezeiung.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:14px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Produkt Fu\u00dfball<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im M\u00e4rz 2020 f\u00e4hrt Natasha noch einmal in ihre alte Heimat, um die Eintracht spielen zu sehen. Zu diesem Zeitpunkt ist eine Unterbrechung der Saison noch nicht beschlossen. Doch das Spiel wird, wie alle anderen auch, kurzfristig abgesagt. Natashas Hoffnung auf ein Abr\u00fccken vom \u201emodernen Fu\u00dfball\u201c ist zu Beginn der Pandemie zun\u00e4chst gro\u00df. Die DFL gibt bekannt, dass alleine in der ersten und zweiten Bundesliga 13 der insgesamt 36 Vereinen die Insolvenz drohe, sollte die Saison komplett abgebrochen werden. Ein bisschen Schadenfreude mischt sich bei Natasha unter. Endlich w\u00fcrde man sehen, was da f\u00fcr eine Maschinerie hinter der Fu\u00dfball-Industrie steckt, sp\u00e4testens jetzt m\u00fcssten die Vereine umdenken, sich neu aufstellen. Man m\u00fcsse sich fragen, wie es sein kann, dass Unternehmen, die monatlich Millionen umsetzen, innerhalb von vier Wochen in ihrer Existenz bedroht sein k\u00f6nnen. Sp\u00e4testens mit Beginn der Geisterspiele zerschellen Natashas Hoffnungen jedoch am Sonderstatus des Fu\u00dfballs, wie sie es betitelt. Natasha selbst f\u00e4llt es schwer zu sagen, wann eine Entfremdung bei ihr eingesetzt hat, die negative Entwicklung begann ja nicht erst mit der Pandemie. Trotzdem hat Corona einen Einfluss auf sie: \u201eIch habe mich das erste Mal bewusst damit auseinandergesetzt, ob ich weiterhin Teil dieses Produktes sein will\u201c. Der Fu\u00dfball nicht als Sport, nicht als Hobby, nicht als Leidenschaft. Der Fu\u00dfball als Produkt.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns are-vertically-aligned-center is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-style-default\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"576\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/IMG_1585-576x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-670\" srcset=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/IMG_1585-576x1024.jpg 576w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/IMG_1585-169x300.jpg 169w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/IMG_1585.jpg 667w\" sizes=\"auto, (max-width: 576px) 100vw, 576px\" \/><figcaption>Volle Stadien wie hier waren in den letzten anderthalb Jahren eher selten.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:55%\">\n<p class=\"has-text-align-left wp-block-paragraph\">In den letzten Jahren h\u00f6rt man Dinge wie diese sehr oft aus der Anh\u00e4ngerschaft des Fu\u00dfballs und immer ist klar, worauf dabei abgezielt wird: die Kommerzialisierung. Ein Thema, so durchgekaut wie der Gummiknochen eines jungen Labradors. Und doch immer aktuell, weil fast t\u00e4glich neue Themen den Knochen zum erneuten Durchkauen freigeben. Steigende Rekordabl\u00f6sen f\u00fcr Spieler, der neue dubiose Sponsor auf dem Heimtrikot, TV-Gelder in Milliarden-H\u00f6he. Und weil das anscheinend noch nicht reicht: Wie w\u00e4re es eigentlich mit einer Super League? Bei alldem kann man sich eines sicher sein: Die Mehrheit der Fans ist dagegen. Und damit ist nicht nur die aktive Fanszene gemeint, um die es hier haupts\u00e4chlich geht. <\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei einer 2017 unter Fu\u00dfball-Fans durchgef\u00fchrten Studie stimmten 69 Prozent der \u00fcber 17.000 Befragten zu als sie gefragt wurden, ob die Grenze der Fu\u00dfball-Kommerzialisierung erreicht sei. Der Protest der Fans ist jedoch nur selten von Erfolg gekr\u00f6nt. Sowas f\u00fchre zwangsl\u00e4ufig zu einem erh\u00f6hten Frustrationspotenzial, meint Jonas Gabler. Gabler ist Leiter der \u201eKompetenzgruppe Fankulturen &amp; Sport bezogene soziale Arbeit\u201c, kurz KoFaS, einer Gruppe von Wissenschaftler:innen, die sich mit gesellschaftlichen Themen im und um den Sport auseinandersetzen. Gabler kennt sich aus im Fu\u00dfball. Vor allem, wenn es um die Fans geht. Die Corona-Pandemie habe deutlich gemacht, dass der Fu\u00dfball nun einmal prim\u00e4r eine Unterhaltungsindustrie ist. Jeglichen Hoffnungen auf ein pandemiebedingtes Umdenken bei Vereinen und Verb\u00e4nden wurde somit nach wenigen Wochen der Stecker gezogen. Wodurch zwangsl\u00e4ufig die Frage aufgeworfen wurde, was denn f\u00fcr eine Krise kommen muss, damit sich der Fu\u00dfball reformiert? Gabler beantwortet diese Frage so: \u201eWenn ich im Fu\u00dfball etwas ver\u00e4ndern will, ist die Gefahr der Entt\u00e4uschung gro\u00df\u201c. Soll hei\u00dfen: Eine solche Krise gibt es nicht, oder man kann sie sich noch nicht vorstellen. Letzteres kommt einem vielleicht bekannt vor.  <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dennoch engagieren sich viele Fans in Deutschland auch in Pandemie-Zeiten ehrenamtlich, um f\u00fcr ihre Interessen und Forderungen einzustehen. Auch Natasha z\u00e4hlt zu ihnen. Unter anderem ist sie bei \u201eUnsere Kurve\u201c aktiv, einem Zusammenschluss von Fanorganisationen verschiedener deutscher Vereine. Tats\u00e4chlich habe Corona dazu gef\u00fchrt, dass sich einige Fans noch st\u00e4rker engagieren, erz\u00e4hlt Thomas Kessen, Vorstandmitglied bei UK. Kessen geht es \u00e4hnlich wie Natasha. Er ist Fan vom VfL Osnabr\u00fcck, beim Gespr\u00e4ch Mitte Mai 2021 wei\u00df er nicht, wann seine Mannschaft das n\u00e4chste Mal spielt. Das Engagement der aktiven Fans leidet anscheinend kaum unter dieser zunehmenden Abkehr. Die Arbeit bei \u201eUnsere Kurve\u201c mache er wie so viele trotzdem weiter, erz\u00e4hlt Kessen. Weil es ihm Spa\u00df macht. Wobei das nicht logisch sei, wie er zugibt. Was ihm noch Hoffnung auf \u00c4nderungen und Reformen im Fu\u00dfball macht? Nichts. Mittlerweile gehe es nur noch darum, den Status Quo beizubehalten. Organisationen und Initiativen wie \u201eUnsere Kurve\u201c k\u00e4mpfen seit Jahren f\u00fcr einen st\u00e4rkeren Dialog zwischen Fans und Vereinen oder mehr M\u00f6glichkeiten der Mitbestimmung f\u00fcr Vereinsmitglieder. Hinzu kommen Diskussionen um die Integrit\u00e4t des Wettbewerbs. W\u00e4hrend der FC Bayern neunmal in Folge Meister wird, geht die Schere zwischen reichen und weniger reichen Clubs immer weiter auseinander. Hierzulande sorgt in diesem Zusammenhang die gerechtere Verteilung von Medienerl\u00f6sen regelm\u00e4\u00dfig f\u00fcr hitzige Diskussionen zwischen Fans und Verb\u00e4nden. Jedoch sind diese Vorst\u00f6\u00dfe so gut wie nie von Erfolg gepr\u00e4gt. Die dadurch entstandenen Ressentiments wurden durch die Pandemie nur verst\u00e4rkt. F\u00fcr viele Fans wirkte Corona wie ein Katalysator. <\/p>\n\n\n\n<div id=\"premium-accordion-bc4d8570-2868-46ae-858e-6eae17f1472a\" class=\"wp-block-premium-accordion premium-accordion\"><div id=\"premium-accordion__layer0\" class=\"premium-accordion__content_wrap\"><div class=\"premium-accordion__title_wrap premium-accordion__ltr premium-accordion__out\" style=\"border-style:none;border-width:1px;border-radius:0px\"><div class=\"premium-accordion__title\"><h4 class=\"premium-accordion__title_text\" style=\"font-size:undefinedpx;letter-spacing:undefinedpx;text-transform:none;font-weight:500;text-shadow:0px 0px 0px undefined;line-height:undefinedpx\">Profi-Fu\u00dfball und seine Fans w\u00e4hrend Corona. Ein Abriss.<\/h4><\/div><div class=\"premium-accordion__icon_wrap\"><svg class=\"premium-accordion__icon premium-accordion__closed\" role=\"img\" focusable=\"false\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" width=\"20\" height=\"20\" viewbox=\"0 0 20 20\" style=\"fill:#000000;padding:0px;border-radius:46px\"><polygon points=\"16.7,3.3 10,10 3.3,3.4 0,6.7 10,16.7 10,16.6 20,6.7 \"><\/polygon><\/svg><\/div><\/div><div class=\"premium-accordion__desc_wrap premium-accordion__desc_close\" style=\"text-align:left;border-style:solid;border-width:1px 1px 1px 2px;border-radius:0px;border-color:#000000;padding-top:5px;padding-right:10px;padding-bottom:5px;padding-left:10px\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Alles beginnt mit Geisterspielen<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 11. M\u00e4rz 2020 findet das erste Geisterspiel der Bundesliga-Geschichte statt. In einer Nachholpartie besiegt Borussia M\u00f6nchengladbach den 1. FC K\u00f6ln mit 2:1. Galdbachs Trainer Marco Rose betonte nach dem Spiel, man wisse jetzt noch besser als vorher, \u201ewie wichtig Fans f\u00fcr den Fu\u00dfball sind\u201c. Fanorganisationen fordern die sofortige Unterbrechung der Saison, solange bis Gro\u00dfveranstaltungen wieder m\u00f6glich seien und Fans ins Stadion d\u00fcrften. Am 16. M\u00e4rz wird die Saison vor\u00fcbergehend unterbrochen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Der Ball rollt wieder<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 16. Mai 2020 nimmt Deutschland als eines der ersten L\u00e4nder den Spielbetrieb wieder auf. Die Saison soll zuende gebracht werden. Grund ist vor allem die drohende Insolvenz mehrerer Clubs, welche durch die Zahlung weiterer Fernsehgelder zumindest vorl\u00e4ufig abgewandt werden k\u00f6nnte. Auch deswegen zeigen einige Fans Verst\u00e4ndnis. Gleichzeitig betonen sie aber, dass Fu\u00dfball ohne Fans nur eine vor\u00fcbergehende Ma\u00dfnahme sein k\u00f6nne, um die Existenz der Vereine zu sichern. Gleichzeitig m\u00fcsse es umgehend zu Reformen kommen, um den Profi-Fu\u00dfball nachhaltiger zu gestalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Die DFL geht auf Fans zu<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 16. September 2020 verk\u00fcndet die DFL in diesem Sinne die Gr\u00fcndung einer \u201eTaskforce Zukunft Profifu\u00dfball\u201c. Expertinnen und Experten aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen, unter ihnen auch Fanvertreter, sollen die Entwicklungen der letzten Jahre aufarbeiten und eventuell Reformentw\u00fcrfe verfassen. Fanorganisationen zeigen sich jedoch schnell vom angeblichen Reformwillen der DFL entt\u00e4uscht. Als kurze Zeit sp\u00e4ter der neue Schl\u00fcssel f\u00fcr die Verteilung der TV-Gelder ab der Saison 2021\/22 von der DFL bekanntgegeben wird, werden die Entscheidungen stark kritisiert. Der neue Schl\u00fcssel weiche kaum vom alten ab, die Schere zwischen gro\u00dfen und kleinen Vereinen werde sich so kaum ver\u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Supergau Super League<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein weiteres Ereignis droht diese Schere jedoch weitaus deutlicher zu vergr\u00f6\u00dfern. Am 18. April 2021 geben insgesamt 12 Vereine aus England, Spanien und Italien bekannt, eine Super League gr\u00fcnden zu wollen. Eine Investmentbank aus Amerika soll die Liga mit 3,5 Milliarden Euro finanzieren.&nbsp; Gleichzeitig wollen die Vereine in ihren nationalen Ligen weiterspielen. Der Aufschrei ist riesig. Nicht nur bei den Fans, auch in der Politik, bei den Verb\u00e4nden und Ligen, und bei Spielern ist deutlich Kritik zu vernehmen. Die beteiligten Vereine w\u00fcrden sich jedem Wettbewerb entziehen und die nationalen Ligen zerst\u00f6ren. Die UEFA k\u00fcndigt an, all diese Vereine von ihren nationalen Ligen auszuschlie\u00dfen, alle teilnehmenden Spieler von Gro\u00dfturnieren wie der EM oder WM. Nach wenigen Tagen ziehen sich immer mehr Vereine zur\u00fcck und verlassen das Projekt. Dies sei durchaus ein Erfolg der Fans gewesen, meint Jonas Gabler. Die massive Kritik an der Super League sei auch das Ergebnis der jahrelang von ihnen gef\u00fchrten Kampagnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Alles wieder normal?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vom 11. Juni bis zum 11. Juli 2021 findet die Europameisterschaft der M\u00e4nner statt. Das Turnier wird schon vor seinem Start von starker Kritik begleitet, da es in 10 verschiedenen L\u00e4ndern ausgetragen werden soll, was angesichts der fortw\u00e4hrenden Pandemie bei vielen Menschen auf Unverst\u00e4ndnis st\u00f6\u00dft. Gleichzeitig fordert die UEFA schon im Vorhinein Zugest\u00e4ndnisse der Gastgeberst\u00e4dte ein, dass Zuschauer:innen im Stadion anwesend sein werden. Und auch w\u00e4hrend des Turniers kritisieren nicht nur Fans das Vorgehen der UEFA als diese von der britischen Regierung eine Erh\u00f6hung der Zuschauerzahl am Finalstandort London und gleichzeitig das Aussetzen der Quarant\u00e4neregeln f\u00fcr geladene G\u00e4ste des Verbands forderte, trotz der sich ausbreitenden Delta-Mutation des Coronavirus. Zudem \u00fcberschattet ein Verbot, die M\u00fcnchner Allianz Arena beim Spiel Deutschland gegen Ungarn in Regenbogenfarben erleuchten zu lassen, das Turnier. F\u00fcr die UEFA sei dies ein klares politisches Zeichen und deshalb nicht mit den Statuten des Verbandes vereinbar. F\u00fcr viele Fanszenen, die sich oft aktiv f\u00fcr Toleranz und Vielfalt engagieren, ist das ein fatales Zeichen vonseiten der UEFA.<\/p>\n<\/div><\/div><\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:14px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Alle oder keiner<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass die meisten aktiven Fans n\u00e4mlich trotz der st\u00e4ndigen Entt\u00e4uschungen so lange dabeigeblieben sind, hat einen simplen Grund: sie hatten eine Wahl. Und diese fiel ihnen nicht schwer, schlie\u00dflich sehen sie im Fu\u00dfball mehr als nur den Sport. Wie Natasha. \u201eEs ist eine Herzensangelegenheit, eine Leidenschaft. Ich gehe ja auch nicht einfach nur ins Stadion, um mir ein Spiel anzugucken, sondern um Leute zu treffen, mich zu engagieren und um zu versuchen, das Beste f\u00fcr meinen Verein zu erreichen\u201c. Gerade das soziale Umfeld, welches sich viele Fans um den Fu\u00dfball herum aufgebaut haben, habe bis vor Corona eine massenhafte Abwendung vom Sport verhindert, meint Fanforscher Gabler: \u201eFans gehen nicht f\u00fcr Fu\u00dfball ins Stadion, sondern wegen der Geselligkeit und der M\u00f6glichkeit, ihre Emotionen auszuleben\u201c. Eine Studie aus dem Jahr 2015 fand heraus, dass die eigene Verbundenheit zur Fan-Gemeinschaft der mit Abstand wichtigste Faktor f\u00fcr eine regelm\u00e4\u00dfige Anwesenheit an Spieltagen darstellt. Und auch f\u00fcr die Identifikation der Fans ist die Gruppen-Zugeh\u00f6rigkeit von immenser Bedeutung, wie Moritz Fedeneder von der AG Sozialpsychologie an der LMU M\u00fcnchen erkl\u00e4rt. Grunds\u00e4tzlich strebe jeder Mensch nach einer positiven sozialen Identit\u00e4t, welche ma\u00dfgeblich von der Zugeh\u00f6rigkeit zu einer Gruppe abh\u00e4ngt. Treffen mit diesen Gruppen machte die Pandemie unm\u00f6glich. \u201eAls Folge einer abnehmenden Unmittelbarkeit der Gruppen nimmt auch die Bedeutung der Gruppe ab\u201c, fasst Fedeneder zusammen. Es ist an sich sehr logisch: Man identifiziert sich \u00fcber beziehungsweise mit einer Gruppe, man kann diese Gruppe nicht mehr treffen, folgerichtig nimmt die Identifikation ab. Ein m\u00f6glicher Identifikationsverlust steht also am Ende einer Reihe von Dominosteinen, die durch Corona angesto\u00dfen wurden. Dass man diese Identifikationsquelle nicht unbedingt freiwillig aufgibt, erkl\u00e4rt wieso die Wahl \u201eFu\u00dfball oder kein Fu\u00dfball\u201c somit fast immer in dieselbe Richtung ausfiel. Aber die Pandemie lie\u00df den Menschen keine Wahl. Notgedrungen mussten sie sich neu aufstellen. Das Wochenende war auf einmal kein Synonym mehr f\u00fcr Heimspiel oder Ausw\u00e4rtsfahrt. Also musste Ersatz her, sagt Gabler, in welcher Form auch immer: \u201eDie Menschen mussten neue Rituale erlernen, bei denen der Fu\u00dfball nicht im Zentrum steht. Mit diesen Ritualen freundet man sich dann vielleicht auch an und dann l\u00e4uft der Fu\u00dfball Gefahr, bei den Personen an Stellenwert zu verlieren\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Natasha lebt zu Pandemiebeginn schon l\u00e4nger nicht mehr in Braunschweig, Stadionbesuche sind ohnehin seltener geworden, bei ihr klafft deshalb kein Loch. Der Alltag ist auch ohne Fu\u00dfball gut gef\u00fcllt. Die Erkenntnis ihrer Entfremdung vom Fu\u00dfball geht dennoch nicht spurlos an ihr vor\u00fcber. Pl\u00f6tzlich schie\u00dfen ihr Gedanken durch den Kopf, mit denen sie nie gerechnet hat. Gedanken, die ihre Liebe zum Fu\u00dfball hinterfragen und gleichzeitig f\u00fcr sie erschreckende Antworten liefern. Allein die Vorstellung an ein Leben ohne den Fu\u00dfball ist f\u00fcr sie bis zu diesem Zeitpunkt undenkbar. Zu gro\u00df ist die Liebe zur Eintracht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Liebe zu einem Verein, die hat auch {tooltip}Jens H.{end-texte}Name ge\u00e4ndert{end-tooltip} gesp\u00fcrt. Jens hat 20 Jahre lang f\u00fcr den Fu\u00dfball und seinen Verein, Preu\u00dfen M\u00fcnster, gelebt, ihn \u00fcber alles andere gestellt. Klassen mussten wiederholt werden, Beziehungen sind daran zu Ende gegangen, seinen ersten Job hat er deswegen auch verloren. Heute ist von der damaligen Leidenschaft in dieser Form nur noch wenig \u00fcbrig. Schon einige Zeit vor Corona hat sich Jens von seinem Verein abgewandt. Bis dahin war es ein langer, schleichender Prozess. Die Freiheiten, die er und die anderen Fans im Verein einmal genossen hatten, l\u00f6sten sich zunehmend auf. Bis irgendwann gar nichts mehr zur\u00fcckgekommen sei. In Jens Erz\u00e4hlungen reiht sich eine Anekdote an die n\u00e4chste. \u00dcber ungerechte Stadionverbote, VIP-Pl\u00e4tze wie in Mailand und \u201eKlatschaffen\u201c, die der Verein h\u00e4tte haben wollen. Die Entwicklung eines Vereins in Zeiten des \u201emodernen\u201c Fu\u00dfballs, wahrscheinlich k\u00f6nnte man sie allein an seiner Person nacherz\u00e4hlen, so viel hat er miterlebt.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:14px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fans und ihre Vereine<\/h2>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:340px\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Vereine sind es jetzt auch, in denen Fanbeauftragte und Sozialarbeiter:innen versuchen, die Fans trotz der pandemie-bedingten Distanz an den Club zu binden. Eine zunehmende Entemotionalisierung wird auch von ihnen wahrgenommen, best\u00e4tigt Sebastian Walleit, Fanbeauftragter bei Borussia Dortmund. Selbst bei einer Vollauslastung sei nicht damit zu rechnen, dass von 250 Ultras mehr als 200 wiederk\u00e4men, zu gro\u00df sei die Fu\u00dfballm\u00fcdigkeit schon vor Corona gewesen. Gerade unter aktiven Fans leide die Identifikation mit dem Verein oder dem Sport an sich schon lange. Also stellen sie ihn hinten an. Sagen, sie gehen der Gruppe wegen. F\u00fcr Walleit ist diese Entwicklung absolut nachvollziehbar, er selbst habe gro\u00dfen Respekt vor der Entscheidung einzelner Fans, sich vom Fu\u00dfball abzuwenden. Doch auch denjenigen sei bewusst, dass beim BVB, wie auch bei vielen anderen Vereinen, der frei gewordene Platz im Stadion nach einer Woche wieder belegt sein wird. In einem vollen Stadion wird sich das Wegbleiben einzelner Personen kaum auf die Stimmung auswirken.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<section class=\"wp-block-uagb-section uagb-section__wrap uagb-section__background-color uagb-block-d556f7c0\"><div class=\"uagb-section__overlay\"><\/div><div class=\"uagb-section__inner-wrap\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Stadionstimmung nach Corona<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eBei einer Teilzulassung wird man der Stimmung anmerken, dass ein organisierter Support fehlt. Ich glaube aber, dass bei einer Vollauslastung ohne Ma\u00dfnahmen die Stimmung relativ schnell zur\u00fcckkommen wird.\u201c \u2013 Julian Einfeldt, Fanladen St. Pauli<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eIch bef\u00fcrchte, dass nach anderthalb Jahren Pandemie bei vielen Fans ein gewisser Hemmmechanismus da ist.\u201c \u2013 Matthias Bettag, BAFF (B\u00fcndnis aktiver Fu\u00dfballfans)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eBei einer Teilzulassung fehlen die Ultras als Motor. Eine Stimmung wie vor Corona kann nur durch eine Vollzulassung zur\u00fcckkommen.\u201c \u2013 Sebastian Walleit, Fanbeauftragter Borussia Dortmund<\/p>\n<\/div><\/section>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was nicht hei\u00dft, dass man den Verlust dieser Fans einfach in Kauf nimmt. \u00dcber viele pers\u00f6nliche Gespr\u00e4che oder die Digitalisierung der vorhandenen Angebote habe man versucht, den Kontakt zu den Fans zu halten. Mit wie viel Erfolg diese Ma\u00dfnahmen verbunden sind, wird sich erst noch zeigen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:14px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Braucht es \u00fcberhaupt Fans?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die Vereine ist es wichtig mit den Fans, gerade denen aus der aktiven Fanszene, in Kontakt zu bleiben. Auch wenn nicht gerade eine Pandemie tobt. Aufgrund ihres oft lautstarken und deutlichen Protests gegen die zunehmende Kommerzialisierung geraten die Fans trotzdem immer wieder selbst in die Kritik. Wobei hier eine wichtige Unterscheidung zu treffen ist, wie Jonas Gabler betont. Es gehe dabei meist nicht um <em>die <\/em>Fans und auch nicht um die komplette aktive Fanszene. Im Zentrum der Kritik stehen meist die Ultras. Das wohl zurzeit prominenteste Beispiel ist der Konflikt zwischen der Ultra-Szene und Dietmar Hopp.<\/p>\n\n\n\n<div id=\"premium-accordion-ecfaf8bb-8021-4151-b0af-7ca9796eff08\" class=\"wp-block-premium-accordion premium-accordion\"><div id=\"premium-accordion__layer0\" class=\"premium-accordion__content_wrap\"><div class=\"premium-accordion__title_wrap premium-accordion__ltr premium-accordion__out\" style=\"border-style:none;border-width:1px;border-radius:0px\"><div class=\"premium-accordion__title\"><h4 class=\"premium-accordion__title_text\" style=\"font-size:undefinedpx;letter-spacing:undefinedpx;text-transform:none;font-weight:500;text-shadow:0px 0px 0px undefined;line-height:undefinedpx\">Ultras gegen Dietmar Hopp. Das Beispiel FC Bayern.<\/h4><\/div><div class=\"premium-accordion__icon_wrap\"><svg class=\"premium-accordion__icon premium-accordion__closed\" role=\"img\" focusable=\"false\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" width=\"20\" height=\"20\" viewbox=\"0 0 20 20\" style=\"padding:undefinedpx;border-radius:undefinedpx\"><polygon points=\"16.7,3.3 10,10 3.3,3.4 0,6.7 10,16.7 10,16.6 20,6.7 \"><\/polygon><\/svg><\/div><\/div><div class=\"premium-accordion__desc_wrap premium-accordion__desc_close\" style=\"text-align:left;border-style:solid;border-width:1px;border-radius:0px;border-color:#000000;padding-top:5px;padding-right:10px;padding-bottom:5px;padding-left:10px\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ende Februar 2020, kurz bevor die Bundesliga-Saison unterbrochen wurde, tritt der FC Bayern zum Ausw\u00e4rtsspiel bei der TSG Hoffenheim an. Mitte der zweiten Halbzeit entrollen Ultras der G\u00e4stemannschaft mehrere Banner auf denen der Hauptgesellschafter der TSG, Dietmar Hopp, als \u201eHurensohn\u201c bezeichnet wird. Das Spiel wird mehrmals unterbrochen und steht kurz vor dem Abbruch, in den letzten Minuten spielen sich die Spieler beider Mannschaft den Ball im Mittelkreis hin und her. Nach dem Spiel hagelte es scharfe Kritik f\u00fcr die verantwortlichen Fans. Der damalige DFB-Pr\u00e4sident Fritz Keller sprach von einem \u201eTiefpunkt\u201c, Bayern-CEO Rummenigge vom \u201eh\u00e4\u00dflichen Gesicht des Fu\u00dfballs\u201c. Und schon w\u00e4hrend des Spiels bezeichnete der Sky-Kommentator Kai Dittmann die Fans als \u201eLeute, die anschei\u00adnend mit Ras\u00adsismus (gemeint ist Anti\u00adras\u00adsismus, d. Red.), mit Gleich\u00adstel\u00adlung, mit Demo\u00adkratie, Aus\u00adge\u00adwo\u00adgen\u00adheit, einem freien Leben nichts anfangen k\u00f6nnen\u201c. Auch die Berichterstattung rund um dieses Ereignis wurde im Nachhinein stark kritisiert. Gleichzeitig m\u00fcssen sich die Ultras den Vorwurf gefallen lassen, dass sie mit dem Wortlaut ihres Protests, gerade in diesem Kontext, \u00fcber die Str\u00e4nge schlagen. Wodurch die Frage aufgeworfen wird, ob die Ultras mit ihrem Verhalten nicht auch eine Mitschuld an der Eskalation des Konflikts auf sich nehmen m\u00fcssen. Das ZDF hat diesbez\u00fcglich eine sehr sehenswerte Dokumentation gedreht, die den Konflikt um Dietmar Hopp erl\u00e4utert.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-buttons is-content-justification-center is-layout-flex wp-block-buttons-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-button is-style-outline is-style-outline--1\"><a class=\"wp-block-button__link has-black-color has-white-background-color has-text-color has-background\" href=\"https:\/\/www.zdf.de\/sport\/zdf-sportreportage\/dietmar-hopp-ultras-fussball-hoffenheim-bayern-bvb-hass-doku-100.html\" style=\"border-radius:0px\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Der Prozess &#8211; wie Dietmar Hopp zur Hassfigur der Ultras wurde<\/a><\/div>\n<\/div>\n<\/div><\/div><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Konflikt gilt als Musterbeispiel f\u00fcr die Auseinandersetzung der Ultras mit der Kommerzialisierung. Einer Auseinandersetzung, die oft von der Frage gepr\u00e4gt ist, f\u00fcr wen der Fu\u00dfball eigentlich da ist. Die vorherrschende Meinung in der gesamten aktiven Fanszene ist dabei deutlich: Fu\u00dfball ist f\u00fcr die Fans. Einige Funktion\u00e4re kritisieren in diesem Zusammenhang, die Fans w\u00fcrden sich f\u00fcr zu wichtig halten. Und beziehen sich dabei auch mal auf die gesamte Szene, nicht nur die Ultras. Den Namen der Initiative \u201eUnser Fu\u00dfball\u201c, welche sich f\u00fcr Reformen im Fu\u00dfball stark macht, bezeichnete der damalige Bayern-Vorstandschef Rummenigge als \u201eanma\u00dfend\u201c. Die Fans seien zwar Teil des Fu\u00dfballs, aber er geh\u00f6re ihnen nicht, so Rummenigge. Auch Uli Hoene\u00df greift in eine \u00e4hnliche Schublade, wenn er sagt, der Fu\u00dfball sei auch ohne Ultras m\u00f6glich. Aus \u00f6konomischer Sicht sei das zun\u00e4chst nat\u00fcrlich nicht falsch, meint auch Alex Fischer vom Club Nr. 12, einer Vereinigung aktiver Fans des FC Bayern. Daf\u00fcr seien nicht nur die Ultras, sondern die aktiven Fans generell, ein zu kleiner Faktor. <\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-text-color has-background has-black-background-color has-black-color is-style-default\"\/>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Wie kamen die Ultras eigentlich in die deutschen Stadien? Ein Podcast \u00fcber die Geschichte der Fankultur.<\/h5>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Podcast_Fankulturen_final.mp3\"><\/audio><\/figure>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Allerdings k\u00f6nne es f\u00fcr den Verein zum Problem werden, wenn die Stimmung im Stadion stark nachl\u00e4sst.  Womit man wieder beim Thema der Entfremdung w\u00e4re. Nicht nur der FC Bayern, auch die DFL sieht die Stimmung in den Stadien, welche haupts\u00e4chlich von den Ultras ausgeht, als Verkaufsfaktor, der einen nicht unwesentlichen Teil im \u201eProdukt\u201c Fu\u00dfball einnimmt. \u201eDie DFL versteht die Fankultur als ihre USP (unique selling proposition, d. Red.) und grenzt sich genau dar\u00fcber von anderen europ\u00e4ischen Top-Ligen ab\u201c, erkl\u00e4rt Jonas Gabler. Es sei demnach durchaus im Interesse der Vereine und der DFL, die Stimmung in den Stadien aufrecht zu erhalten und eine zu starke Entfremdung zu verhindern. Gerade die DFL halte sich deswegen meist mit Kritik an Ultras und anderen aktiven Fans zur\u00fcck. Die Errichtung der \u201eTaskforce Zukunft Profifu\u00dfball\u201c habe laut Gabler gezeigt, dass man sich bem\u00fche, auf die Fans zuzugehen. Jedoch zeigten sich diese von den Ergebnissen eher entt\u00e4uscht. Zu stark habe man die Diskussion um m\u00f6gliche wirtschaftliche Ma\u00dfnahmen auf eine internationale Ebene verschoben. Es bleibt also abzuwarten, ob sich die DFL diesbez\u00fcglich noch einmal mit den Forderungen der Fans auseinandersetzt. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>(Gerne h\u00e4tten wir auch mit Vertreter:innen der DFL \u00fcber das Thema einer zunehmenden Entemotionalisierung in Fu\u00dfball-Fanszenen gesprochen. Leider erkl\u00e4rte sich dort niemand f\u00fcr ein Gespr\u00e4ch bereit. Die Begr\u00fcndung: Man sehe zu diesem hochspekulativen Thema keinen Zugang.)<\/em><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:14px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"445\" src=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/alexandre-brondino-3deP8rsAgJc-unsplash-1-scaled-e1626420889506-1024x445.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2082\" srcset=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/alexandre-brondino-3deP8rsAgJc-unsplash-1-scaled-e1626420889506-1024x445.jpg 1024w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/alexandre-brondino-3deP8rsAgJc-unsplash-1-scaled-e1626420889506-300x130.jpg 300w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/alexandre-brondino-3deP8rsAgJc-unsplash-1-scaled-e1626420889506-768x334.jpg 768w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/alexandre-brondino-3deP8rsAgJc-unsplash-1-scaled-e1626420889506-1536x668.jpg 1536w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/alexandre-brondino-3deP8rsAgJc-unsplash-1-scaled-e1626420889506-2048x890.jpg 2048w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/alexandre-brondino-3deP8rsAgJc-unsplash-1-scaled-e1626420889506-1400x609.jpg 1400w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-default is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Ob die da jetzt Fu\u00dfball spielen oder ein Kegelturnier veranstalten, ist mir komplett egal.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jens kann es egal sein, er hat die Rei\u00dfleine bereits gezogen. Ins Stadion ist er trotzdem weiterhin gegangen, wenn auch nicht so regelm\u00e4\u00dfig. Und er wird es auch wieder tun, nach Corona. \u201eOb die da jetzt Fu\u00dfball spielen oder ein Kegelturnier veranstalten, ist mir aber komplett egal\u201c. Er will einfach seine Leute wiederzusehen, mit denen er die, laut ihm, \u201ebeste Zeit seines Lebens\u201c verbracht hat. In einen Gewissenskonflikt, weil er so ja weiterhin den Verein unterst\u00fctzt, kommt er dadurch nicht: \u201eDer Platzwart muss ja auch irgendwie bezahlt werden, der hat mir mal beim Umzug geholfen\u201c. Komplett vom Fu\u00dfball l\u00f6sen konnte sich Jens ohnehin nicht. Seinen j\u00e4hrlichen Urlaub verbringt er oft auf Reisen, und da mag es schon mal vorkommen, dass zur selben Zeit ein Fu\u00dfballspiel stattfindet, welches man besuchen k\u00f6nnte. 72 Kreuze z\u00e4hlt seine Fu\u00dfball-Landkarte bis jetzt, \u00fcber Albanien und Kuwait, bis nach Belize. Der Fu\u00dfball nimmt statt des Lebens jetzt halt \u201enur\u201c noch den Urlaub ein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seinen Verein hat Jens, zumindest emotional, hinter sich gelassen. Natasha, und mit ihr vermutlich vielen anderen, steht ein solcher Prozess vielleicht noch bevor. Allzu viele Gedanken m\u00f6chte sie daran noch nicht verschwenden. Ihre \u00dcberlegungen sind bis jetzt oft nur Theorie, in die Praxis werden sie zurzeit nur notgedrungen umgesetzt, doch ob das auch so bleibt? Anfang April muss Eintracht Braunschweig ausw\u00e4rts in Osnabr\u00fcck antreten. Auf der Fahrt dorthin wird der Mannschaftsbus von einem Autokorso der Fans begleitet, andere warten mit wehenden Fahnen auf Autobahnbr\u00fccken. Sp\u00e4ter sieht Natasha Videos der Fans im Netz, und wird von ihren Emotionen \u00fcbermannt: \u201ePl\u00f6tzlich habe ich einfach angefangen zu weinen. Als ich die Menschen dort gesehen habe dachte ich mir nur wie geil es ist, dass der Fu\u00dfball einen so verbindet\u201c. Auf einmal merkt Natasha, dass solche Momente sie doch noch packen. Vor allem zu einer Zeit, in der sie das nicht mehr erwartet h\u00e4tte. Vielleicht ist diese Entfremdung also auch nur ein Selbstschutz vor der st\u00e4ndigen Realisation, dass man zurzeit keine Chance hat, dabei sein zu k\u00f6nnen. So wie Natasha k\u00f6nnte es zurzeit vielen gehen. Wie viele es genau sind und ob sich eine entsprechende Zahl tats\u00e4chlich im Bereich der Millionen widerspiegelt, wie es der Fanforscher Harald Lange prophezeite, l\u00e4sst sich wom\u00f6glich erst beantworten, sobald die Fans wieder ins Stadion d\u00fcrfen. Fest steht: Die Kommerzialisierung schreitet voran, w\u00e4hrend Corona mehr denn je, das haben Beispiele wie die Super League nur allzu stark deutlich gemacht. Gleichzeitig entfernen sich so die Vereine immer weiter von denen, die sie unterst\u00fctzen. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Gerry &amp; The Pacemakers - You&#039;ll Never Walk Alone [Official Video]\" width=\"960\" height=\"540\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/OV5_LQArLa0?feature=oembed&#038;wmode=opaque&#038;enablejsapi=1&#038;playerapiid=ytplayer\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der wohl bekanntesten Fu\u00dfballhymne aller Zeiten hei\u00dft es: \u201eAt the end of a storm, there\u2019s a golden sky\u201c. Ein goldener Himmel, der am Ende des Sturms wartet. Ob Natasha auf ihn warten will, wei\u00df sie noch nicht. Noch kann sie nicht sicher sagen, ob sie wieder ins Stadion gehen wird. Die n\u00e4chsten ein bis zwei Jahre kann sie sich das aktuell nicht vorstellen. Zumindest solange nicht alle reinkommen. Und damit ist sie nicht allein. \u201eAlle oder keiner\u201c ist ein Spruch, den man immer wieder aus den aktiven Fanszenen h\u00f6rt, die Gruppe steht \u00fcber allem. Und wenn, dann wird es wohl auch sie sein, die die Leute zur\u00fcck ins Stadion treibt. Damit irgendwann keine 0, sondern wieder eine 20.000 in die Statistik eingetragen werden kann. Bleibt nur die Frage, wer in den letzten Monaten auf der Strecke geblieben ist.<\/p>\n<script language='javascript' type='text\/javascript'>function getWR360PopupSkin(){return 'light_clean';}<\/script>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fu\u00dfball ohne Fans war in den letzten Monaten keine Seltenheit. 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