{"id":456,"date":"2021-07-15T19:52:31","date_gmt":"2021-07-15T17:52:31","guid":{"rendered":"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/?p=456"},"modified":"2024-10-26T15:49:52","modified_gmt":"2024-10-26T13:49:52","slug":"dissoziation-die-entfremdung-von-sich-selbst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/dissoziation-die-entfremdung-von-sich-selbst\/","title":{"rendered":"&#8222;Ich wurde zu Viele, um zu \u00fcberleben&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>\u201eSo hatten wir mehrere Anteile, die den Alltag gemeistert haben. Anteile, die dramatische Situationen erlebt haben, waren ziemlich weit weg gespalten. Manchmal sind sie aufgetaucht, bei Flashbacks, in Situationen, wo ein Trigger war. Und sie waren immer sp\u00fcrbar, als Form von Angst, von Panik, von Entsetzen \u2013 im Hintergrund.\u201c<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-weight: 400\">{tooltip}Zoe{end-texte}Name ge\u00e4ndert{end-tooltip} wuchs in der DDR auf. Immer mit dem Spruch: \u201eWer nicht artig ist, kommt ins Heim und wer verr\u00fcckt ist, kommt in die Anstalt.&#8220; Damals, bevor 1989 die Mauer fiel. Sie wurde in einem System gro\u00df, das auf Gemeinsamkeit aus war \u2013 ein System, das dem Individualismus, wie er sich in den 60ern stark im Westen entwickelte, entgegenstand. In der DDR war Zoe immer in Gemeinschaft. Dort musste sie sich anpassen. Auf keinen Fall auffallen. Wehe, man sagte etwas Falsches. Wehe, man verhielt sich seltsam.<\/span><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<hr class=\"wp-block-separator has-text-color has-css-opacity has-background is-style-wide\" style=\"background-color:#e2e2e2;color:#e2e2e2\" \/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anstelle des Begriffs Dissoziative Identit\u00e4tsst\u00f6rung verwenden einige lieber die Bezeichnung Dissoziative Identit\u00e4tsstruktur. So auch Zoe, da DIS f\u00fcr sie in erster Linie ein \u00dcberlebensmechanismus und auch Alltag war. <\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-text-color has-css-opacity has-background is-style-wide\" style=\"background-color:#e2e2e2;color:#e2e2e2\" \/>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-bottom is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIn der DDR wussten wir alle, Heim ist nicht gut und die Psychiatrien waren auch furchtbare Orte. Ich musste immer aufpassen, nicht aufzufallen, mich regelkonform zu verhalten.&#8220; <span style=\"font-weight: 400\">Wenn sie erz\u00e4hlt, klingt Zoe unaufgeregt, ruhig und doch sehr kraftvoll. Kein wildes Gestikulieren, keine nerv\u00f6sen Versprecher. Manchmal ger\u00e4t sie in einen Redefluss, manchmal stockt sie und \u00fcberlegt, wie sie alles in Worte fassen kann. Zoe ist eine unauff\u00e4llige, warmherzig wirkende Frau, die einem sofort den Eindruck von Vertrautheit vermittelt.&nbsp;<\/span><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Von Kindheit an wusste Zoe, dass sie sich von anderen unterscheidet. Benennen konnte sie&nbsp;<\/span><span style=\"font-weight: 400\">ihren Zustand damals nicht \u2013 heute wei\u00df sie, dass dies {tooltip}Dissoziative Identit\u00e4tsstruktur (DIS) oder &#8222;Viele-Sein&#8220;{end-texte}Menschen mit DIS reden meist von sich in der WIR-Form.{end-tooltip} hei\u00dft.&nbsp;<\/span><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"478\" src=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/mauerganz-1024x478.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-831 size-full\" srcset=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/mauerganz-1024x478.png 1024w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/mauerganz-300x140.png 300w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/mauerganz-768x358.png 768w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/mauerganz-1536x717.png 1536w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/mauerganz-2048x956.png 2048w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/mauerganz-1400x653.png 1400w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Entstehung von DIS<\/h2>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Wenn Kinder Gewalt ausgesetzt sind, tragen sie ihr ganzes Leben lang Spuren davon. Spuren, entstanden durch sexuelle, rituelle oder anderweitige \u00dcbergriffe, ausge\u00fcbt von Fremden, Bekannten oder den n\u00e4chsten Bezugspersonen \u2013 von Menschen, die sie eigentlich vor derartigen Situationen sch\u00fctzen sollten. Da Kinder noch nicht in der Lage sind, sich zu wehren, aktiviert das Gehirn einen Schutzmechanismus, um die Gefahrensituation zu \u00fcberleben: Bezeichnet wird dieser Mechanismus als Dissoziation, die Flucht vor dem Erlebten &#8211; ins eigene Innere. <br>Sie ist in erster Linie eine nat\u00fcrliche Abwehrfunktion des Menschen, um sich zu sch\u00fctzen. Zum Beispiel in Schocksituationen, in denen eine Person funktionieren muss, das Handeln wie in Trance erfolgt und der Schmerz erst dann wieder wahrgenommen wird, wenn sie zur\u00fcck zu sich selbst kehrt. Manchmal ist eine Gewaltsituation so schlimm, dass die Erinnerung daran nicht ertragbar ist, so wie bei Zoe. Um sie zu sch\u00fctzen, f\u00fchrte es bei ihr zu einer Aufspaltung des Selbst in verschiedene Pers\u00f6nlichkeitsanteile. In der Fachliteratur wird dies als Dissoziative Identit\u00e4tsstruktur oder -st\u00f6rung bezeichnet, fr\u00fcher betitelt als multiple Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rung (MPS).<\/span><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-text-color has-css-opacity has-background is-style-wide\" style=\"background-color:#e2e2e2;color:#e2e2e2\" \/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\">Gewalt wie Zoe sie erlebt hat, erfahren viele Kinder.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-text-color has-css-opacity has-background is-style-wide\" style=\"background-color:#e2e2e2;color:#e2e2e2\" \/>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-uagb-info-box uagb-block-9f31d7f3 uagb-infobox__content-wrap  uagb-infobox-icon-above-title uagb-infobox-image-valign-top\"><div class=\"uagb-ifb-content\"><div class=\"uagb-ifb-image-content\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/info-v1-150x150.png\" alt=\"\" width=\"120\" height=\"120\" loading=\"lazy\" \/><\/div><div class=\"uagb-ifb-title-wrap\"><h3 class=\"uagb-ifb-title\">14.500 <br>F\u00e4lle von Kindesmissbrauch<\/h3><\/div><div class=\"uagb-ifb-separator\"><\/div><p class=\"uagb-ifb-desc\"> verzeichnet das Bundeskriminalamt f\u00fcr das Jahr 2020 in Deutschland. <br>Im Vergleich zum Vorjahr ist dies ein Anstieg um  6,8 Prozent. 152 Kinder sind dem Bundeskriminalamt (BKA) zufolge gewaltsam zu Tode gekommen. <br>Die Dunkelziffer ist allerdings bei weitem h\u00f6her, sehr viele Straftaten bleiben unentdeckt <br>oder werden erst Jahre sp\u00e4ter ermittelt. Laut Statistiken des Unabh\u00e4ngigen Beauftragten f\u00fcr Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs hat \u201eetwa jede:r siebte bis achte Erwachsene in Deutschland sexuelle Gewalt in Kindheit und Jugend\u201c erlitten.<\/p><\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:100%\">\n<hr class=\"wp-block-separator has-text-color has-css-opacity has-background is-style-wide\" style=\"background-color:#e2e2e2;color:#e2e2e2\" \/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\">Die Dissoziation geschieht unbewusst und ist nicht willentlich steuerbar.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-text-color has-css-opacity has-background is-style-wide\" style=\"background-color:#e2e2e2;color:#e2e2e2\" \/>\n\n\n\n<p>\u201eF\u00fcr mich war es eine M\u00f6glichkeit, eine Situation oder fortgesetzte Situationen zu \u00fcberleben, die sonst nicht aushaltbar w\u00e4ren, nicht \u00fcberlebt werden k\u00f6nnen. Situationen, die die Bew\u00e4ltigungsm\u00f6glichkeiten des Menschen \u00fcbersteigen. In solchen Situationen hat man drei M\u00f6glichkeiten: K\u00e4mpfen, fl\u00fcchten oder erstarren. F\u00fcr kleine Kinder gibt es oft nur die M\u00f6glichkeit der Flucht nach innen, der Dissoziation&#8220;, erkl\u00e4rt Zoe.&nbsp;<br>Bei ihr entstanden um die 30 Pers\u00f6nlichkeiten. Sieben davon meisterten im Vordergrund den Alltag. Die stark traumatisierten Anteile blieben meist im Hintergrund. Einige waren im Kleinkindalter stehen geblieben, also in dem Alter, in dem sie schwerste Gewalt erlebt hatten. Wenn sie durch etwas getriggert wurden, was an die damalige Gewaltsituation erinnerte, etwa ein Geruch, ein Satz oder ein Ger\u00e4usch, \u201edann sa\u00df der K\u00f6rper irgendwo heulend in der Ecke, ganz panisch und verzweifelt, im Zustand eines kleinen, zum Beispiel dreij\u00e4hrigen Kindes\u201c, erz\u00e4hlt Zoe. \u201eDenn dieses Entsetzen von der erlebten Gewaltsituation ist nicht verarbeitet worden. F\u00fcr diesen kindlichen Anteil f\u00fchlt es sich genauso an, als w\u00fcrde es im Hier und Jetzt nochmal passieren.\u201c&nbsp;<\/p>\n<p>Bis zur Integration im Jahr 2005 steht Zoe st\u00e4ndig unter Stress: Da ist die Angst vor Triggern und unkontrolliertem Wechseln der Anteile. Aber auch der Alltag gestaltet sich anstrengend, denn die Alltagsanteile besitzen nicht nur unterschiedliche F\u00e4higkeiten, sondern auch verschiedene Ansichten und Vorlieben. Ein Anteil will sich diese Frisur schneiden lassen, ein Anteil eine andere. Dennoch gelang es Zoe, den Alltag zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<figure class=\"wp-block-video\"><video height=\"720\" style=\"aspect-ratio: 720 \/ 720;\" width=\"720\" controls src=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Dissoziation-Made-by-Headliner.mp4\"><\/video><figcaption class=\"wp-element-caption\">Der Alltag als Viele<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"> \u201eVielleicht auch, weil es eben getrennte Lebensbereiche gab. Das war schon so, wenn man die Schule betritt. Da tauchte ein bestimmter Anteil auf, der in der Regel diese Schulzeit auch ganz gut geschafft hat\u201c, erz\u00e4hlt Zoe. Schwieriger war es, auf ihr gesamtes K\u00f6nnen immer und jederzeit zuzugreifen. \u201eZum Beispiel hat den Sprachunterricht jemand anderes gemacht als den Staatsb\u00fcrgerkundeunterricht. Das f\u00fchrte dazu, dass der eine Anteil keine Sprachen sprechen konnte \u2013 er w\u00e4re nicht in der Lage gewesen, etwas auf Russisch wiederzugeben, w\u00e4hrend das ein anderer Anteil gekonnt h\u00e4tte.\u201c  <\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um nicht aufzufallen und durch den Alltag zu kommen, muss Zoe Triggersituationen vermeiden, klare Strukturen bilden. Das geregelte Leben in der DDR war daf\u00fcr perfekt geeignet. \u201eDas, was mich bisher funktionieren hat lassen, also diese \u00e4u\u00dferen Strukturen, die haben dann zu meinen inneren Strukturen gepasst, das hat gegenseitig funktioniert.\u201c Eine \u00e4u\u00dfere Ordnung bedeutete gleichzeitig auch eine innere Ordnung. Bis die Mauer fiel und die \u00e4u\u00dferen Strukturen zusammenbrachen. Da war Zoe 23. \u201eMein Beruf war nichts mehr wert, alles was wir bis dahin gelernt hatten, also wie man Formulare ausf\u00fcllt, wie die Welt funktioniert, das Gesellschaftssystem funktioniert, alles hat sich ge\u00e4ndert und das hat bei uns ebenfalls zu einem Zusammenbruch gef\u00fchrt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In einem Moment des Zusammenbruchs verlieren die Anteile die Kontrolle dar\u00fcber, welche Pers\u00f6nlichkeit im Vordergrund stehen. \u201eEs tauchten auch immer mal traumatisierte Anteile auf, die uns wirklich sehr viel Angst gemacht haben.\u201c Zwei Jahre nach dem Mauerfall h\u00e4lt Zoe es nicht mehr aus, die Symptome sind zu diesem Zeitpunkt so stark, dass sie sich auf die Suche nach professioneller Hilfe macht. \u201eIch bin dann weit weg und habe \u00fcber mehrere Monate in der Natur gelebt, dort gearbeitet, weit weg von allem.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<section class=\"wp-block-uagb-section uagb-section__wrap uagb-section__background-undefined uagb-block-0909b3a9\"><div class=\"uagb-section__overlay\"><\/div><div class=\"uagb-section__inner-wrap\">\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<div id=\"premium-accordion-823c7aaf-af83-407f-a338-9c14ec3af9c1\" class=\"wp-block-premium-accordion premium-accordion\"><div id=\"premium-accordion__layer0\" class=\"premium-accordion__content_wrap\"><div class=\"premium-accordion__title_wrap premium-accordion__ltr premium-accordion__out\" style=\"background-color:#77c8d3;border-style:none;border-width:1px;border-radius:0px\"><div class=\"premium-accordion__title\"><h4 class=\"premium-accordion__title_text\" style=\"font-size:undefinedpx;letter-spacing:undefinedpx;text-transform:none;font-weight:500;line-height:undefinedpx\">Symptome einer Dissoziativen Identit\u00e4tsstruktur<\/h4><\/div><div class=\"premium-accordion__icon_wrap\"><\/div><\/div><div class=\"premium-accordion__desc_wrap premium-accordion__desc_close\" style=\"text-align:left;border-style:none;border-width:1px;border-radius:0px;padding-left:10px\"><p class=\"premium-accordion__desc\" style=\"color:#797979;font-size:undefinedpx;letter-spacing:undefinedpx;text-transform:none;font-weight:500;line-height:30px\"><br><li>Depressionen<\/li><br><li>Dissoziative Fugue<\/li><br><li>Bewegungsst\u00f6rungen<\/li> <br><li>Erinnerungsl\u00fccken<\/li> <br><br>Weitere Symptome und Informationen zu Krankheiten wie der Dissoziativen Identit\u00e4tsstruktur finden sich in der Classification of Diseases (ICD-11). <\/p><\/div><\/div><\/div>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-buttons is-layout-flex wp-block-buttons-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-button has-custom-width wp-block-button__width-25 is-style-fill\"><a class=\"wp-block-button__link has-background wp-element-button\" href=\"https:\/\/icd.who.int\/browse11\/l-m\/en\" style=\"background-color:#77c8d3\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><strong><span style=\"color:#ffffff\" class=\"tadv-color\">ICD-11<\/span><\/strong><\/a><\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\" \/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Symptome einer Dissoziativen Identit\u00e4tstruktur unterscheiden sich von Mensch zu Mensch \u2013 sie ist somit nicht leicht zu diagnostizieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Problem mit der Messbarkeit der dissoziativen Identit\u00e4tsst\u00f6rung liegt im Symptomprofil selbst. So schreibt das \u00c4rzteblatt: \u201eDas Symptomprofil ist h\u00e4ufig diskret, wird durch {tooltip}komorbide{end-texte}gleichzeitig unter anderen Erkrankungen leidend{end-tooltip} St\u00f6rungen \u00fcberdeckt und muss aktiv erfragt werden.\u201c Wie bei jeder anderen psychischen Krankheit auch spielt bei der Diagnostik die Selbstbeschreibung der betroffenen Person eine enorme Rolle, die Symptome m\u00fcssen unter anderem erfragt werden und k\u00f6nnen nicht einfach wie bei einem gebrochenen Fu\u00df ger\u00f6ntgt und so diagnostiziert werden.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:100%\">\n<div class=\"wp-block-uagb-info-box uagb-block-833d70ed uagb-infobox__content-wrap  uagb-infobox-icon-above-title uagb-infobox-image-valign-top uagb-infobox__outer-wrap\"><div class=\"uagb-ifb-content\"><div class=\"uagb-ifb-image-content\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/info-v1-150x150.png\" alt=\"\" width=\"120\" height=\"120\" loading=\"lazy\" \/><\/div><div class=\"uagb-ifb-title-wrap\"><h3 class=\"uagb-ifb-title\">DIS und MPS<\/h3><\/div><p class=\"uagb-ifb-desc\">Ihren ersten H\u00f6hepunkt hatte die Diskussion um die damals noch so genannte multiple Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rung (MPS) in den Jahren 1840 \u2013 1880. Pierre Janet (1859 \u2013 1947), ein franz\u00f6sischer Psychiater und Entwicklungspsychologe beschrieb erstmals den Begriff Dissoziation \u201eals Desintegration und Fragmentierung des Bewusstseins\u201c. Erst 1991 erfolgte die Anerkennung und Aufnahme der multiplen Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rung als Krankheit in der International Classification of Diseases, ICD-10 der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und wurde damit zu einer anerkannten psychischen Krankheit. Seither wird diese Version j\u00e4hrlich \u00fcberarbeitet und betitelt die multiple Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rung mittlerweile als Dissoziative Identit\u00e4tsst\u00f6rung.<\/p><\/div><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div><\/section>\n\n\n\n<!--nextpage-->\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"478\" src=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/mauerleichtkaputt-1024x478.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-833 size-full\" srcset=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/mauerleichtkaputt-1024x478.png 1024w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/mauerleichtkaputt-300x140.png 300w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/mauerleichtkaputt-768x358.png 768w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/mauerleichtkaputt-1536x717.png 1536w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/mauerleichtkaputt-2048x956.png 2048w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/mauerleichtkaputt-1400x653.png 1400w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Erste Ann\u00e4herungen der Pers\u00f6nlichkeiten <\/h2>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So verschieden wie die Symptome sind auch die Auspr\u00e4gungen der Dissoziativen Identit\u00e4tsstruktur: Es gibt jene, bei denen alle Pers\u00f6nlichkeiten miteinander in Kontakt stehen. Andere wiederum leben abgeschottet voneinander oder kennen sich nicht gut, so wie in Zoe zu Beginn. Erst als sie sich 1991 nach der Wende in (Selbsthilfe-)Gruppen mit anderen Menschen austauscht, lernen sich ihre Anteile besser kennen und verstehen. Die Auseinandersetzung mit sich selbst beginnt. Zum ersten Mal fragt sie sich selbst nach ihren Bed\u00fcrfnissen. Unterst\u00fctzung erh\u00e4lt sie durch Fachliteratur, die in der DDR nicht zug\u00e4nglich war. Au\u00dferdem kommt sie immer \u00f6fter mit Menschen in Kontakt, die ebenfalls Gewalt erlebt haben. \u201eDa habe ich erstmals wirklich verstanden, dass mein Zustand etwas mit dieser Gewalt in der Kindheit zu tun hatte. Ich wusste ja vage, dass da Schlimmes passiert ist, aber diesen Zusammenhang mit dem jetzigen Sein, den hatte ich nicht.\u201c Ihr wird die volle Wirkung der Dissoziation bewusst.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<hr class=\"wp-block-separator has-text-color has-css-opacity has-background is-style-wide\" style=\"background-color:#e2e2e2;color:#e2e2e2\" \/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eBei einem feministischen Treffen gab es eine Eingangsrunde, in der jeder sagen sollte, wie es ihm gerade geht. Da habe ich gestockt und gedacht, dar\u00fcber habe ich wirklich noch nie nachgedacht. Weder hat mir jemand diese Frage gestellt, noch habe ich dar\u00fcber nachgedacht oder Worte daf\u00fcr gehabt, zu beschreiben, wie es mir geht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-text-color has-css-opacity has-background is-style-wide\" style=\"background-color:#e2e2e2;color:#e2e2e2\" \/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<hr class=\"wp-block-separator has-text-color has-css-opacity has-background is-style-wide\" style=\"background-color:#e2e2e2;color:#e2e2e2\" \/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eIch habe sie als \u00dcberlebensm\u00f6glichkeit, als \u00dcberlebensstrategie, die ja auch etwas Positives hat, w\u00fcrdigen k\u00f6nnen. In dem Sinne, es g\u00e4be mich vielleicht nicht mehr, wenn die Dissoziation nicht m\u00f6glich gewesen w\u00e4re. Und offensichtlich waren auch alle Anteile n\u00f6tig.\u201c<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-text-color has-css-opacity has-background is-style-wide\" style=\"background-color:#e2e2e2;color:#e2e2e2\" \/>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zoes Pers\u00f6nlichkeiten beginnen, Tagebuch zu schreiben. Und auf diese Weise miteinander zu kommunizieren.Die dissoziativen Mauern zwischen ihren Pers\u00f6nlichkeiten werden schw\u00e4cher, die Verbindungen st\u00e4rker. Nach und nach kann sie mehr Tiefe zu lassen \u2013 etwas, das vorher aus Angst vor einem Trigger unm\u00f6glich war. &nbsp;\u201eIch bin die ganze Zeit mit dieser Panik herumgelaufen, dass irgendetwas passiert, was ich nicht will, was mich ausknockt, eine Erinnerungsl\u00fccke erzeugt.\u201c In dieser Zeit ist sie teilweise berufsunf\u00e4hig und hat manchmal sogar Angst, dass einer ihrer Anteile aus Hoffnungslosigkeit und Schmerz von der Br\u00fccke springen k\u00f6nnte.&nbsp;2003, zw\u00f6lf Jahre nach dem sie erstmals begann, sich intensiv mit sich zu besch\u00e4ftigen, erh\u00e4lt Zoe in einer station\u00e4ren Traumatherapie die Diagnosen Posttraumatische Belastungsst\u00f6rung (PTBS) und Dissoziative Identit\u00e4tsst\u00f6rung &#8211; den klinischen Beweis f\u00fcr ihren Zustand.&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eIch habe viel des Weges allein gemacht und in den Selbsthilfegruppen mit anderen Menschen. Aber an dem Punkt, wo ich dann wirklich professionelle Unterst\u00fctzung brauchte, habe ich sie vermittelt bekommen.\u201c Dass das nicht selbstverst\u00e4ndlich ist, wei\u00df sie. \u201eEs ist schon schwierig \u00fcberhaupt, einen Traumatherapieplatz zu kriegen, mit DIS oder Gewalthintergrund nochmal schwieriger. Ich kenne Menschen, die haben 30, 40 Therapeut:innen angerufen und sind nicht mal auf die Warteliste gekommen.\u201c Eines der Probleme dabei ist, eine:n Therapeut:in zu finden, der oder die einwilligt, derart schwere St\u00f6rungen zu therapieren. Nicht jede:r traut sich dies zu, nicht jede:r besitzt genug Expertise in diesem Feld.&nbsp;Expertise bedeutet auch, sich selbst zu \u00f6ffnen und die Distanz zu der betroffenen Person zu verringern. Der Sozialp\u00e4dagoge Harald Heinrich aus N\u00fcrnberg kennt das. Als ehemaliger Streetworker begleitet und unterst\u00fctzt er Menschen, die langfristig und schwer psychisch erkrankt sind und hilft ihnen dabei, trotz ihrer Krankheit ein bestm\u00f6gliches Leben zu leben. Im Podcast gibt er einen Deep Dive in bewusste und unbewusste Dissoziationen, kl\u00e4rt \u00fcber verschiedene Zust\u00e4nde der Dissoziation auf und den Umgang mit Menschen, die psychisch erkrankt sind. <\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\" \/>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">Dissoziation im Fokus &#8211; ein Gespr\u00e4ch mit Harald Heinrich<\/h5>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Valerie-Podcast_Allein.mp3\"><\/audio><figcaption class=\"wp-element-caption\"> <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\" \/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<div id=\"premium-accordion-35db9307-ed1c-4715-8c14-9145e51e0dcc\" class=\"wp-block-premium-accordion premium-accordion\"><div id=\"premium-accordion__layer0\" class=\"premium-accordion__content_wrap\"><div class=\"premium-accordion__title_wrap premium-accordion__ltr premium-accordion__out\" style=\"background-color:#77c8d3;border-style:none;border-width:1px;border-radius:0px\"><div class=\"premium-accordion__title\"><h4 class=\"premium-accordion__title_text\" style=\"font-size:undefinedpx;letter-spacing:undefinedpx;text-transform:none;font-weight:500;line-height:undefinedpx\">Welche Hilfen k\u00f6nnen Betroffene erhalten?<\/h4><\/div><div class=\"premium-accordion__icon_wrap\"><\/div><\/div><div class=\"premium-accordion__desc_wrap premium-accordion__desc_close\" style=\"text-align:left;border-style:none;border-width:1px;border-radius:0px;padding-left:10px\"><p class=\"premium-accordion__desc\" style=\"color:#797979;font-size:undefinedpx;letter-spacing:undefinedpx;text-transform:none;font-weight:500;line-height:30px\">Zum einen existiert mittlerweile \u2013 anders als bei Zoe in der DDR \u2013 eine gro\u00dfe Menge an Fachliteratur und Erfahrungsberichten. Durch die Entwicklung des Internets und die Digitalisierung kamen Websites dazu, Blogs und Foren, die dem Austausch dienen. Auch Podcasts, Youtube-Channels und Social Media Profile dienen zum einen der Aufkl\u00e4rung, dem Austausch aber auch der Orientierung.\u00a0<br>Zum anderen existieren Selbsthilfegruppen und Vereine, die Unterst\u00fctzung anbieten. Zoe half vor allem auch der Sport und die Bewegung, sich selbst, die Pers\u00f6nlichkeiten, auf einer k\u00f6rperlichen Ebene zu sp\u00fcren.\u00a0<br><br>Ein wichtiger Schritt zur Bew\u00e4ltigung des Erlebten bleiben allerdings die (Trauma)Therapien, in denen die betroffene Person bestenfalls lernt, zu integrieren oder mit der Dissoziation zu leben. Dient die Therapie nachweislich dazu, einen Heilungsprozess herbeizuf\u00fchren, wird diese von den Krankenkassen \u00fcbernommen, solange die rechtlich festgesetzten Therapiestunden (je nach Art zwischen 60 und 100 Stunden) nicht \u00fcberschritten werden.<br><br>Die festgelegte Anzahl an Stunden kann bei jenen Menschen problematisch werden, die f\u00fcr die Heilung l\u00e4nger ben\u00f6tigen. \u201eDiese irrsinnige Regelung, dass man nur 80 Therapiestunden bekommt oder 100, je nach Verfahren \u2013 also ich habe es tats\u00e4chlich in 80 Stunden geschafft, aber das war ein irrsinniger Stress. Ich wusste immer, ich muss fertig werden und die Gefahr, dass man dann zu schnell ist und dekompensiert und dann wei\u00df, man landet in der Klinik und es wird noch teurer.\u201c<br><\/p><\/div><\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-buttons is-layout-flex wp-block-buttons-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-button\"><a class=\"wp-block-button__link has-background wp-element-button\" href=\"https:\/\/vielesein.de\/\" style=\"background-color:#77c8d3\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Viele Sein<\/a><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-button\"><a class=\"wp-block-button__link has-background wp-element-button\" href=\"https:\/\/www.vielfalt-info.de\/\" style=\"background-color:#77c8d3\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Vielfalt e.V.<\/a><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-button\"><a class=\"wp-block-button__link has-background wp-element-button\" href=\"https:\/\/www.degpt.de\/therapeutinnen-suche\/\" style=\"background-color:#77c8d3\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Traumatherapien<\/a><\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:100px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide has-media-on-the-right is-stacked-on-mobile\"><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Weg zur Integration<\/h2>\n<\/div><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"464\" src=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/mauer1-1024x464.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-809 size-full\" srcset=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/mauer1-1024x464.png 1024w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/mauer1-300x136.png 300w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/mauer1-768x348.png 768w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/mauer1-1536x696.png 1536w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/mauer1-2048x928.png 2048w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/mauer1-1400x635.png 1400w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><span style=\"font-weight: 400\">In der Traumatherapie werden die verschiedenen Anteile, allen voran die traumatisierten, St\u00fcck vor St\u00fcck hervorgeholt. \u201eEs war notwendig, dass die Traumatherapeutin direkt mit diesen kindlichen Anteilen arbeitet und unerschrocken ist, das auch aush\u00e4lt, mittr\u00e4gt, was sie mitbringen.\u201c Denn die Arbeit mit den stark traumatisierten Anteilen offenbart all die Erinnerungen, die jahrelang im Verborgenen lagen.&nbsp;<\/span><span style=\"font-weight: 400\">Zoes Anteile erkennen, dass die Dinge, die in der Traumatherapie ans Licht geholt werden, ertragbar sind. Das ist nicht bei jedem so. \u201eEs gibt Menschen, die haben so lange so schreckliche Gewalt erlebt und die haben so viele Innenanteile, dass man diese Aufarbeitung in einem Leben gar nicht schaffen kann.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Zoe hingegen ist die {tooltip}Integration{end-texte}Als Integration wird der Prozess verstanden, in dem alle Pers\u00f6nlichkeitsanteile zu einem Selbst zusammengef\u00fchrt werden.{end-tooltip} gelungen: \u201eWir sind zwei Wochen durch die Berge gewandert mit einer guten Freundin, da ist es mehr oder weniger passiert. Ich hatte sehr intensive Erlebnisse und Bilder beim Wandern entlang einer Bergbahn, also einer richtigen Eisenbahn. Da waren Bilder im Kopf, dass verschiedene Alltagsanteile wie verschiedene Eisenbahnen einen gemeinsamen Weg fahren und am Ende steht da eine gro\u00dfe, dicke, starke Dampflock und es ist nur noch eine. Das sind solche Visualisierungen des Integrationsprozesses.\u201c <\/span><span style=\"font-weight: 400\">Jeder Mensch sieht bei seiner Integration etwas anderes. \u201eManche sagen, wir gehen in ein Licht, bei anderen vermischen sich Farben\u201c, so Zoe.&nbsp;<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">2005 endet ihre Traumatherapie. Klinisch gilt sie seitdem als geheilt. Den offiziellen Kriterien, anhand derer die posttraumatische Belastungsst\u00f6rung und die dissoziative Identit\u00e4tsst\u00f6rung diagnostiziert werden k\u00f6nnen, treffen auf sie ab diesem Zeitpunkt nicht mehr zu.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<!--nextpage-->\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"623\" src=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/mauerkaputt-1024x623.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-810 size-full\" srcset=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/mauerkaputt-1024x623.png 1024w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/mauerkaputt-300x182.png 300w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/mauerkaputt-768x467.png 768w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/mauerkaputt-1536x934.png 1536w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/mauerkaputt-2048x1245.png 2048w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/mauerkaputt-1400x851.png 1400w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">Die Folgen der Vergangenheit<\/h2>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Angst vor Triggern hat Zoe nicht mehr, auch handlungsf\u00e4hig ist sie jetzt in fast jeder Situation.&nbsp;&nbsp;<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Folgen wird sie dennoch ihr ganzes Leben lang mit sich tragen. Und sie bedauert, dass die T\u00e4ter:innen nie zur Verantwortung gezogen wurden. Denn die Strafverfolgung ist schwierig, oft gibt es keine anderen Zeug:innen oder Beweise f\u00fcr die Gewalt. Dann sind die Aussagen der Betroffenen der einzige Beweis und die juristischen Anforderungen hoch. F\u00fcr Menschen mit DIS oder anderen psychischen Erkrankungen ist das oft nicht zu schaffen, viele werden von Gutachter:innen auch als nicht aussaget\u00fcchtig eingestuft.&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/span><\/p>\n\n\n\n<div id=\"premium-accordion-fad28763-2ddb-4654-9e54-074d8f1ede84\" class=\"wp-block-premium-accordion premium-accordion\"><div id=\"premium-accordion__layer0\" class=\"premium-accordion__content_wrap\"><div class=\"premium-accordion__title_wrap premium-accordion__ltr premium-accordion__out\" style=\"background-color:#77c8d3;border-style:none;border-width:1px;border-radius:0px\"><div class=\"premium-accordion__title\"><h4 class=\"premium-accordion__title_text\" style=\"font-size:undefinedpx;letter-spacing:undefinedpx;text-transform:none;font-weight:500;line-height:undefinedpx\">Aussaget\u00fcchtigkeit<\/h4><\/div><div class=\"premium-accordion__icon_wrap\"><\/div><\/div><div class=\"premium-accordion__desc_wrap premium-accordion__desc_close\" style=\"text-align:left;border-style:none;border-width:1px;border-radius:0px;padding-left:10px\"><p class=\"premium-accordion__desc\" style=\"color:#797979;font-size:undefinedpx;letter-spacing:0px;text-transform:none;font-weight:500;line-height:30px\"><span style=\"color:#808283\" class=\"tadv-color\">Aussaget\u00fcchtigkeit beschreibt die F\u00e4higkeit, vor Gericht wahrheitsgetreu auszusagen. Daf\u00fcr muss die Zeugin oder der Zeuge in der Lage sein, den Sachverhalt wahrzunehmen und ohne Beeinflussung wiedergeben zu k\u00f6nnen, Realit\u00e4t von Einbildung zu unterscheiden und kommunikativ sowie sprachlich die Zeugenaussage darzulegen. Psychopathologisch bedingte Einschr\u00e4nkungen wie eine Dissoziative Identit\u00e4tsstruktur k\u00f6nnen jedoch die Aussaget\u00fcchtigkeit beeintr\u00e4chtigen.\u00a0\u00a0<br>Dabei sind in Deutschland jedes Jahr 28 Prozent der Menschen von einer psychischen Erkrankung betroffen, ca. ein Prozent der Gesamtbev\u00f6lkerung lebt mit einer Dissoziativen Identit\u00e4tsst\u00f6rung.\u00a0<\/span><br><\/p><\/div><\/div><\/div>\n\n\n\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Die Angst vor Stigmatisierung und beruflichen Nachteilen, hindert Zoe daran, \u00f6ffentlich \u00fcber ihre Vergangenheit zu sprechen. Dabei h\u00e4tte sie sich auf ihrem Weg gerade solche Vorbilder gew\u00fcnscht.\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400\">Doch erst wenn die Stigmatisierung psychischer Erkrankungen nachl\u00e4sst, die Betroffenen nicht mehr um ihren Beruf f\u00fcrchten oder Angst vor Benachteiligungen haben m\u00fcssen, wird es vielleicht mehr Betroffene geben, die mit ihrer Geschichte in die \u00d6ffentlichkeit treten und sie erz\u00e4hlen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile is-vertically-aligned-top\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"632\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/fraugesicht-632x1024.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-811 size-full\" srcset=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/fraugesicht-632x1024.png 632w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/fraugesicht-185x300.png 185w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/fraugesicht-768x1244.png 768w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/fraugesicht-948x1536.png 948w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/fraugesicht-1265x2048.png 1265w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/fraugesicht-1400x2267.png 1400w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/fraugesicht.png 1482w\" sizes=\"auto, (max-width: 632px) 100vw, 632px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">\u201eIch w\u00fcrde mir w\u00fcnschen, dass sich die Menschen auch h\u00e4ufiger trauen oder es ihnen m\u00f6glich ist, dass sie das offen machen k\u00f6nnen, was sie erlebt haben. Weil sie ein Vorbild sein k\u00f6nnen f\u00fcr andere Menschen, die in Krisen und verzweifelt sind, die sich fragen: Ist das alles \u00fcberhaupt schaffbar und m\u00f6glich? Wenn sie sehen, da gibt es Menschen, die haben es geschafft, dann kann man auch l\u00e4nger durchhalten. Auch in Situationen, in denen fast keine Hoffnung mehr da ist. Ich hatte viele solcher Situationen. Doch ich habe es geschafft.\u201c \u2013 Zoe.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Weiterf\u00fchrende Literatur<\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><a href=\"https:\/\/www.aerzteblatt.de\/archiv\/53608\/Die-dissoziative-Identitaetsstoerung-haeufig-fehldiagnostiziert\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.aerzteblatt.de\/archiv\/53608\/Die-dissoziative-Identitaetsstoerung-haeufig-fehldiagnostiziert\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00c4rzteblatt<\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Basisdaten zu psychischen Erkrankungen<\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/www.bka.de\/DE\/Presse\/Listenseite_Pressemitteilungen\/2021\/Presse2021\/210526_pmkindgewaltopfer.html\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.bka.de\/DE\/Presse\/Listenseite_Pressemitteilungen\/2021\/Presse2021\/210526_pmkindgewaltopfer.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Bundeskriminalamt<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/www.who.int\/standards\/classifications\/classification-of-diseases\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.who.int\/standards\/classifications\/classification-of-diseases\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">ICD-11<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/www.vielfalt-info.de\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.vielfalt-info.de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Vielfalt e.V.<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/beauftragter-missbrauch.de\/service\/zahlen-fakten\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/beauftragter-missbrauch.de\/service\/zahlen-fakten\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Unabh\u00e4ngiger Beauftragter f\u00fcr Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs<\/a><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anmerkung: Bilder gezeichnet von Elian M\u00fcller<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n<script language='javascript' type='text\/javascript'>function getWR360PopupSkin(){return 'light_clean';}<\/script>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zoe war Viele. 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