{"id":419,"date":"2021-07-16T10:33:39","date_gmt":"2021-07-16T08:33:39","guid":{"rendered":"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/?p=419"},"modified":"2024-10-26T16:08:49","modified_gmt":"2024-10-26T14:08:49","slug":"transidentitat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/transidentitat\/","title":{"rendered":"So und nicht anders sollst du sein"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p><strong>Transpersonen werden in Deutschland von Gesellschaft und Rechtslage immer noch pathologisiert und in eine Schublade mit psychischen Erkrankungen oder P\u00e4dophilie gesteckt. Wenn der Juni dem Juli weicht und der Pride-Month zu Ende geht, verschwinden die Regenb\u00f6gen aus den Logos von Gro\u00dfkonzernen \u2013 und das Bewusstsein f\u00fcr die Diskriminierung der LSBTI-Community (Lesbisch, Schwul, Bi-, Trans- und Intersexuell) aus den K\u00f6pfen der Gesellschaft. Doch der Kampf f\u00fcr die eigenen Rechte geht weiter \u2013 und ist angesichts der nahenden Wahlen vielleicht wichtiger als je zuvor.<\/strong>  <\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p>Der erste Therapeut sieht sie aus randlosen Brillengl\u00e4sern ernst an und will ihr eine Konversionstherapie aufschwatzen. Die beiden sitzen sich zum allerersten Mal gegen\u00fcber, in zwei bequemen, aufeinander ausgerichteten Sesseln in der Mitte des Raumes. Sicher, die Transidentit\u00e4t sei vorhanden, aber als Frau werde sie auch nicht gl\u00fccklicher als jetzt sein. Wozu also der Stress? <\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-video\"><video controls src=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Gender_final_final_final_crossfade.mp4\"><\/video><figcaption class=\"wp-element-caption\">Kurz und knapp erkl\u00e4rt: Gender<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p>Freundlich verweist er darauf, dass er ihr ein, zwei Adressen, an denen sie Hilfe erh\u00e4lt, nennen k\u00f6nne. Sie sieht aus dem Fenster neben dem Schreibtisch, sieht auf die Wiese vor dem Haus und fragt sich, ob das hier das Wahre ist. So oder so \u00e4hnlich hat sich die Szene wohl abgespielt, allzu genau will Theresia Stahl im Interview nicht werden. Die 23-J\u00e4hrige hat sich vor drei Jahren als trans geoutet. Das bedeutet, sie kann sich nicht mit ihrem biologischen Geschlecht identifizieren, m\u00f6chte in der sozialen Rolle (Gender) einer Frau leben. \u201eIch wusste schon mit 10 Jahren, dass ich lieber ein M\u00e4dchen sein will.\u201c   <\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-rounded\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Theresia_Stahl-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-417\" style=\"width:301px;height:301px\" srcset=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Theresia_Stahl-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Theresia_Stahl-300x300.jpg 300w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Theresia_Stahl-150x150.jpg 150w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Theresia_Stahl-768x768.jpg 768w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Theresia_Stahl-1536x1536.jpg 1536w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Theresia_Stahl-700x700.jpg 700w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Theresia_Stahl-1400x1400.jpg 1400w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Theresia_Stahl.jpg 1636w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Theresia Stahl hat sich mit 20 Jahren als trans geoutet. Foto: privat<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Seitdem ist viel passiert: Sie beginnt eine Hormonersatztherapie, \u00e4ndert ihren Namen \u2013 zun\u00e4chst inoffiziell \u2013 und begibt sich in therapeutische Behandlung. Die ist in Deutschland im Jahr 2021 immer noch Voraussetzung, um eine Personenstands\u00e4nderung, also eine \u00c4nderung des Namens und Geschlechts im Personenstandsregister, vorzunehmen. Zudem spart sie viel Geld an, um die Kosten f\u00fcr das Verfahren der Personenstands\u00e4nderung stemmen zu k\u00f6nnen. Etliche Gutachten, Gerichtsverfahren, Therapeuten und einen Antrag auf Prozesskostenhilfe sp\u00e4ter ist es geschafft: Der Name im Personalausweis lautet nun offiziell Theresia Stahl. Einige Dokumente mit ihrem Deadname hat sie aber noch: &#8222;Ich war bis heute zu faul, meinen F\u00fchrerschein umschreiben zu lassen\u201c. Benannt hat sie sich \u00fcbrigens nach ihrer Patentante: \u201eIch fand es immer unfair, dass mein kleiner Bruder mit Zweitnamen so hei\u00dft wie sein Patenonkel, aber ich nicht so wie meine Patentante\u201c.     <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-uagb-info-box uagb-block-21d380d2 uagb-infobox__content-wrap  uagb-infobox-icon-above-title uagb-infobox-image-valign-top\"><div class=\"uagb-ifb-content\"><div class=\"uagb-ifb-image-content\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Fact-Snack-2-150x150.png\" alt=\"\" width=\"120\" height=\"120\" loading=\"lazy\" \/><\/div><div class=\"uagb-ifb-title-wrap\"><\/div><div class=\"uagb-ifb-separator\"><\/div><p class=\"uagb-ifb-desc\">  Der Begriff &#8222;Deadname&#8220; bezeichnet den Namen, der einer trans Person bei ihrer Geburt gegeben wurde. Weil der meistens nicht zur neuen Geschlechtsidentit\u00e4t passt, wird er nach der Transition nicht mehr verwendet.   <\/p><\/div><\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Idiotentest, Bausteine und Fetischfragen<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Erlebnisse in der ersten Therapie sind bei weitem keine Seltenheit. Noch immer wird Transidentit\u00e4t als psychische St\u00f6rung klassifiziert. \u00dcberhaupt ist die begriffliche Abgrenzung verschwommen. Im aktuellen Katalog der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Klassifizierung von Krankheiten, dem ICD-10, steht sie im Kapitel 5, Psychische und Verhaltensst\u00f6rung. Theresia erh\u00e4lt aber nicht die Diagnose Transidentit\u00e4t. Stattdessen lautet ihre Diagnose: F64 \u2013 Transsexualismus. Dabei hat die Frage nach dem sozialen Geschlecht \u00fcberhaupt nichts mit der sexuellen Orientierung zu tun.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-rounded\">\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"2560\" src=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/UKM_Romer_2017_4-edited-scaled.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3928\" style=\"width:276px;height:276px\" srcset=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/UKM_Romer_2017_4-edited-scaled.jpg 2560w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/UKM_Romer_2017_4-edited-300x300.jpg 300w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/UKM_Romer_2017_4-edited-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/UKM_Romer_2017_4-edited-150x150.jpg 150w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/UKM_Romer_2017_4-edited-768x768.jpg 768w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/UKM_Romer_2017_4-edited-1536x1536.jpg 1536w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/UKM_Romer_2017_4-edited-2048x2048.jpg 2048w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/UKM_Romer_2017_4-edited-700x700.jpg 700w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/UKM_Romer_2017_4-edited-1400x1400.jpg 1400w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/UKM_Romer_2017_4-edited-1250x1250.jpg 1250w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/UKM_Romer_2017_4-edited-400x400.jpg 400w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/UKM_Romer_2017_4-edited-200x200.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Prof. Dr. Georg Romer betreut in seinem Arbeitsalltag transidente Kinder und Jugendliche.<br>Foto: UKM<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p><br>Professor Dr. Georg Romer ist Facharzt f\u00fcr Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie am Uniklinikum M\u00fcnster. Wenn er transidente Patient:innen behandelt, diagnostiziert er h\u00e4ufig eine Geschlechtsdysphorie. Bereits 2018 haben sich \u00fcber 20 verschiedene medizinische Fachgesellschaften zusammengeschlossen, um Behandlungsrichtlinien nach dem aktuellen Stand der Medizin zu formulieren. Seitdem wird der Begriff des Transsexualismus in der Fachwelt nicht mehr verwendet. \u201eWenn es beschlossene Sache ist, dass das Konzept Transsexualismus obsolet ist, dann ist es obsolet, und zwar ab sofort.\u201c <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-uagb-info-box uagb-block-bd6333f5 uagb-infobox__content-wrap  uagb-infobox-icon-above-title uagb-infobox-image-valign-top\"><div class=\"uagb-ifb-content\"><div class=\"uagb-ifb-image-content\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Fact-Snack-1-150x150.png\" alt=\"\" width=\"120\" height=\"120\" loading=\"lazy\" \/><\/div><div class=\"uagb-ifb-title-wrap\"><\/div><div class=\"uagb-ifb-separator\"><\/div><p class=\"uagb-ifb-desc\"> In der Medizin wird zwischen Geschlechtsinkongruenz und Geschlechtsdysphorie unterschieden. Erstere bedeutet, dass das erlebte Geschlecht vom Geburtsgeschlecht abweicht. Das alleine ist noch nicht problemtisch. Erst wenn aus der Abweichung ein Leidensdruck mit psychischen Begleiterscheinungen, also z.B. eine Depression entsteht, spricht man von Geschlechtsdysphorie. <br><br><\/p><\/div><\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Als \u00dcbergangskompromiss wird also in der Fachwelt von Geschlechtsdysphorie gesprochen, w\u00e4hrend weiterhin die Codierung F64, also Transsexualismus, angegeben werden muss, \u201eauch wenn die dahinterliegenden Begriffe und Konzepte \u00fcberholt sind&#8220;.  Der Begriff Transidentit\u00e4t wird zwar umgangssprachlich und in Arztbriefen immer wieder verwendet, ist aber keine eigenst\u00e4ndige medizinische Diagnose. Erst 2022 werden diese Richtlinien angepasst, sodass der Begriff der Transsexualit\u00e4t dann endg\u00fcltig daraus verschwindet und durch den Begriff Geschlechtsdysphorie ersetzt wird. Dass die Klassifizierung dem medizinischen Fortschritt hinterherh\u00e4ngt, hat auch historische Gr\u00fcnde.  <\/p>\n\n\n\n<p>Lange wurde Transidentit\u00e4t als psychische Krankheit begriffen, weil Patient:innen \u00fcberdurchschnittlich oft psychopathologische St\u00f6rungen wie Depressionen, Suchtverhalten oder Suizidalit\u00e4t aufwiesen. Hierbei wurden jedoch Ursache und Wirkung vertauscht, erkl\u00e4rt Professor Romer: \u201eWenn man diese Menschen in ihrem gef\u00fchlten Geschlecht leben l\u00e4sst und das unterst\u00fctzt, dann entfalten sie sich psychisch unauff\u00e4llig.\u201c Erst das erzwungene Leben in einer als falsch empfundenen Identit\u00e4t oder einem als falsch empfundenen K\u00f6rper f\u00fchren also zu den genannten psychopathologischen Auff\u00e4lligkeiten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiteres Problem des Begutachtungsverfahrens: Es gibt keine einheitlichen Standards. Gutachter:innen entscheiden selbst, welche Tests, welche Fragen und welche Methoden sie anwenden. Theresia sitzt an diesem Tag \u00fcber drei Stunden in der Praxis ihres Gutachters, um neben einem Intelligenztest auch einen \u2013 f\u00fcr m\u00e4nnliche Patienten konzipierten \u2013 Pers\u00f6nlichkeitstest auszuf\u00fcllen.&nbsp; Anschlie\u00dfend wird sie gefragt, ob sie als kleines Kind mit Puppen gespielt h\u00e4tte. Berichte \u00fcber entw\u00fcrdigende Praktiken und Fragen werden immer wieder laut. So berichtet eine Patientin, sie h\u00e4tte sich bis auf die Unterw\u00e4sche ausziehen und auf einem Bein h\u00fcpfen m\u00fcssen. Ein anderer sei gebeten worden, seine Lebensgeschichte mit Lego-Bausteinen abzubilden. Fragen wie \u201eK\u00f6nnen sie sich vorstellen, sexuelle Handlungen an Tieren oder Kindern vorzunehmen?\u201c oder \u201eWie oft masturbieren sie w\u00f6chentlich \u2013 und tragen sie dabei Frauenunterw\u00e4sche?\u201c scheinen bei einigen Gutachter:innen immer noch als geeignete Methode zu gelten, um Transidentit\u00e4t zu diagnostizieren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\"> \u201eDa muss die Seele mitkommen\u201c  <\/h2>\n\n\n\n<p>Professor Romer pl\u00e4diert daf\u00fcr, zumindest die juristische Transition radikal zu erleichtern. In vielen L\u00e4ndern sei eine Personenstands\u00e4nderung \u201egeregelt wie ein Kirchenaustritt\u201c. Bef\u00fcrchtungen, wonach pl\u00f6tzlich massenhaft Menschen lustig-munter ihr Geschlecht wechseln w\u00fcrden, erwiesen sich als falsch: \u201eDavon ist das Abendland auch nicht untergegangen\u201c. Anders verh\u00e4lt es sich mit der medizinischen Transition. Vor einem operativen Eingriff in einen K\u00f6rper sollte umfangreich gepr\u00fcft werden, ob sich die Patient:innen sicher in ihrer Entscheidung sind. \u201eDa habe ich nicht nur das berechtigte Selbstbestimmungsrecht dieser Person vor Augen, sondern auch eine \u00e4rztliche, ethische und medizinische Verantwortung.\u201c In jedem Fall aber sei es wichtig, dem Gegen\u00fcber eine respektvolle Haltung entgegenzubringen. Er wolle nicht als Gatekeeper wahrgenommen werden, der auf dem Weg zu einer Operation ein Hindernis darstellt. Aber f\u00fcr ihn steht auch fest: Jeder Eingriff kann psychische Begleiterscheinungen ausl\u00f6sen, weshalb die ausreichende Vorbereitung wichtig ist. \u201eDa muss die Seele mitkommen.\u201c Seinen Patient:innen gibt er darum den Rat, vor medizinischen Eingriffen die soziale Transition so weit vollzogen zu haben, \u201edass es im gesamten Umfeld keinen einzigen Menschen mehr gibt, der darauf verwirrt oder \u00fcberrascht reagiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Ende hat ihr erster Therapeut nicht Recht behalten: Allen Widrigkeiten zum Trotz ist Theresia den Weg gegangen. Dass ihr das gelungen ist, hat sie auch ihrem Umfeld zu verdanken. Obwohl sie im l\u00e4ndlichen Raum aufgewachsen ist und weite Teile ihrer Familie konservativ sind, akzeptieren sie Theresias Identit\u00e4t \u2013 vorbehaltlos. \u201eIch habe sehr viel Gl\u00fcck mit meinem Umfeld. Die Leute haben oft viel gr\u00f6\u00dfere Angst vor einem Outing, als es dann tats\u00e4chlich schlimm ist.\u201c Ihre Mutter bringt ihr als Geste der Unterst\u00fctzung Nagellack vom Einkaufen mit, ihre Gro\u00dfmutter reagiert gelassen auf Theresias Outing: \u201eAch Gott sei Dank! Ich habe schon gedacht du w\u00e4rst sterbenskrank!\u201c. Einzig ein entfremdeter Gro\u00dfvater ist noch ahnungslos: \u201eIch hatte die Abmachung mit meinem Bruder, dass ich als seine Freundin auftrete, wenn wir den treffen.\u201c Auch auf ihre Freund*innen kann Theresia z\u00e4hlen: Wenn sie auf der Stra\u00dfe transfeindlich angegangen wird, seien die durchaus auch bereit, sich f\u00fcr sie zu pr\u00fcgeln. Doch leider haben l\u00e4ngst nicht alle transidenten Menschen so viel Gl\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Ihre Familie flehte sie an, wieder zu Gott zu finden<\/h2>\n\n\n\n<p>Wer wei\u00df, vielleicht w\u00e4re Julia Monros Lebensweg mit ein bisschen famili\u00e4rer Unterst\u00fctzung auch anders verlaufen. Wer die 39-J\u00e4hrige heute in den sozialen Medien verfolgt, sieht eine gel\u00f6ste Frau, die fr\u00f6hlich in die Kamera l\u00e4chelt. Blonde Haare, blaue Augen, in Arbeit vertieft, in der Stra\u00dfenbahn, bei einem Fotoshooting oder passend zur Fu\u00dfball-EM im Deutschlandtrikot mit Regenbogenbinde am rechten Arm. Doch der Weg dorthin war steinig. <\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-rounded\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"479\" height=\"479\" src=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/julia-monro-800x479-1-e1626167078834-edited.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-791\" style=\"width:323px;height:342px\" srcset=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/julia-monro-800x479-1-e1626167078834-edited.jpg 479w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/julia-monro-800x479-1-e1626167078834-edited-300x300.jpg 300w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/julia-monro-800x479-1-e1626167078834-edited-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 479px) 100vw, 479px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Julia Monro arbeitet als Pressesprecherin bei der dgti.<br>Foto: Privat<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Julia w\u00e4chst in einer russlanddeutschen, erzkonservativen Familie auf. Homosexualit\u00e4t oder gar Transsexualit\u00e4t sind zuhause, aber auch in der Kirche, ein Tabu, werden sogar aktiv bek\u00e4mpft. Julias Outing geschieht 2016 unfreiwillig. Zu der Zeit lebt sie noch in einer heterosexuellen Beziehung, nimmt aber schon Hormone ein. Als sie die Beziehung beendet, outet ihre damalige Freundin sie vor Familie und Freundeskreis, zeichnet das Bild eines psychisch kranken Mannes, der zum Spa\u00df Frauenkleider tr\u00e4gt. In Erkl\u00e4rungsnot geraten muss Julia vor ihrer Familie ihre Transidentit\u00e4t zugeben. Einfach weitermachen wie bisher? \u201eOb ich als Mann oder als Frau weiterlebe, der Effekt w\u00e4re der gleiche. Wozu soll ich mich dann noch verstecken?\u201c Also r\u00e4umt sie ihre Klamotten, Relikte aus einem anderen Leben, in den Keller und beginnt, offen als Frau zu leben. Von einem auf den n\u00e4chsten Tag verliert Julia fast ihr gesamtes soziales Umfeld, verliert ihre Arbeit, wird wie eine Ausgesto\u00dfene behandelt. Es folgen nachts zerstochene Autoreifen und ein Bombardement aus Anrufen und Textnachrichten. Ihre Familie fleht sie an, einen Seelsorger aufzusuchen und Bu\u00dfe f\u00fcr ihre \u201eKrankheit\u201c zu tun, sich von der angeblichen Genderideologie zu befreien. Die extreme Ablehnung hat auch mit dem religi\u00f6sen Hintergrund ihres Umfeldes zu tun: \u201eDiese Denkweise ist dort anerzogen worden\u201c. Zu ihr stehen, oder wenigstens Akzeptanz zeigen, will niemand. Die Isolation setzt Julia zu. Als sie davon erz\u00e4hlt, kommen ihr die Tr\u00e4nen: \u201eIch war kurz davor, von einer Br\u00fccke zu springen\u201c. Einzig ihre Mutter h\u00e4lt den Kontakt, versucht aber, ihre Tochter zur Umkehr zu bewegen. Zu gro\u00df ist der Druck aus der Kirchengemeinde, zu stark die Scham, wenn Nachbarn sie darauf ansprechen, warum ihr Kind sie in Frauenklamotten besucht.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-pullquote is-style-default has-border-color has-black-color has-text-color\" style=\"border-color:#fcb900\"><blockquote><p>&#8222;Du hast das Drama \u00fcberlebt.&#8220;<\/p><\/blockquote><\/figure>\n\n\n\n<p>Julia bricht alle Br\u00fccken ab, zieht nach Koblenz. Doch die Vergangenheit folgt ihr: Ein ehemaliger Freund meldet sich per Instagram, spricht sie bewusst mit ihrem alten Namen an, denn das sei schlie\u00dflich der Name, unter dem er sie kenne. Dass sie sich jetzt Julia nennt, will er nicht akzeptieren. Mittlerweile hat Julia gelernt, mit solchen Anfeindungen umzugehen, blockt den Kontaktversuch ab: \u201eIch f\u00fchre diese Debatten seit Ewigkeiten. Warum soll ich mich dar\u00fcber noch mit jemandem streiten, der meine grundlegende Identit\u00e4t nicht anerkennt?\u201c Der Wendepunkt kommt im Oktober 2018 bei einem Vortrag, den sie im Koblenzer Schloss halten darf. Eine Freundin organisiert damals die Veranstaltung mit dem Titel <em>FuckUp night<\/em>. Der Name ist Programm: Gescheiterte Existenzen erz\u00e4hlen von ihrem vermurksten Leben \u2013 und wie es danach weiterging. F\u00fcr die Freundin ist klar: Julias Geschichte ist pr\u00e4destiniert f\u00fcr so einen Auftritt. Dass fremde Menschen ihr applaudieren, w\u00e4hrend ihre eigene Familie sie versto\u00dfen hat, l\u00f6st in Julia viele Emotionen aus \u2013&nbsp; vor allem aber Erleichterung: \u201eDu hast das Drama \u00fcberlebt.\u201c Als gescheitert kann man Julias Leben wohl kaum bezeichnen. Aus den d\u00fcsteren Erfahrungen zieht sie die Kraft f\u00fcr das, was noch kommt. Sie beginnt, als Aktivistin f\u00fcr Trans-Rechte zu k\u00e4mpfen. Der Auftritt in Koblenz hat ihr gezeigt, dass sie Menschen inspirieren kann, also steckt sie alle Zeit, die sie aufbringen kann, in ihre ehrenamtlichen T\u00e4tigkeiten. Diese verleiht ihr neues Selbstbewusstsein: \u201eDas hat mir gezeigt, dass ich nicht auf dem falschen Weg bin, dass ich auch Menschen helfen kann\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Mittlerweile arbeitet Julia nicht nur als Pressesprecherin bei der <a href=\"https:\/\/www.dgti.org\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.dgti.org\/\">Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Transidentit\u00e4t und Intersexualit\u00e4t (dgti)<\/a>, sondern betreut auch ein eigenes soziales Projekt. In ihrer Gruppe <em>transkids <\/em>k\u00f6nnen junge Menschen und deren Eltern ihre Erfahrungen austauschen und sich gegenseitig helfen \u2013 etwa beim Thema Therapie, oder wenn die Krankenkasse oder die Schule sich querstellt. Gerade letztere w\u00fcssten oft wenig \u00fcber die gesetzlichen Regelungen, trauten sich beispielsweise aus Angst vor Dokumentenf\u00e4lschung nicht, Zeugnisse auf einen neuen Namen auszustellen. Die Gruppe ist seit ihrer Gr\u00fcndung stetig angewachsen, aktuell besteht sie aus circa 25 Kindern und ihren Eltern. Dass mehr Kinder schon im jungen Alter den Mut finden, ihre Transidentit\u00e4t auszuleben, liegt auch an der wachsenden Akzeptanz der Gesellschaft und der zunehmenden Repr\u00e4sentation. \u201eHeute finden die Kids das \u00fcberall, bei YouTube und TikTok, die sind ja heute aufgekl\u00e4rter als manch anderer.\u201c Auch Professor Romer kann einen deutlichen Anstieg an Patient:innen beobachten. Die Zahl habe sich in den letzten acht Jahren beinahe verzehnfacht. Einen Grund zur Sorg sieht er darin aber nicht. Durch die wachsende Akzeptanz und Sichtbarkeit verlagere sich der Selbstfindungsprozess zunehmend bereits ins Kindes- und Jugendalter.&nbsp; \u201eIch rate zu gr\u00f6\u00dfter Gelassenheit und Zur\u00fcckhaltung\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Kampf um Gleichberechtigung ist heute vor allem ein politischer. Die dgti arbeitet neben der umfassenden Beratung von transidenten Menschen daher als Interessensverband, ber\u00e4t und verhandelt mit der Politik \u2013 beispielsweise 2020, als der Bundestag ein Verbot von Konversionstherapien auf den Weg bringt. Aus eigener Erfahrung wei\u00df Julia Monro, wie problematisch religi\u00f6se Konversionstherapien sind, die oftmals unter dem Deckmantel der Seelsorge arbeiten. Derzeit gilt das Verbot nur f\u00fcr Kinder unter 18 Jahren oder Menschen, die ihre Einwilligung nur durch Zwang oder T\u00e4uschung erteilen. Julia w\u00fcnscht sich ein vollst\u00e4ndiges Verbot: \u201eDas wird mir pers\u00f6nlich noch nicht scharf genug sanktioniert\u201c.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Auch Theresia engagiert sich politisch. Sie ist Vorstandsmitglied der Jusos Bayern und deren wirtschafts- und sozialpolitische Sprecherin. Doch anders als Julia h\u00e4lt sie sich bewusst von queerpolitischen Themen fern. Sie will nicht immer nur als Opfer zu Diskussionen geladen sein. Stattdessen sollen Ausbildung und Qualifikationen im Fokus liegen \u2013 und die hat sie nun mal im Wirtschaftsbereich. Zu oft, zu lange muss sie schon die erm\u00fcdenden Debatten f\u00fchren, die das eigene Existenzrecht betreffen. \u201eEs ist anstrengend, dar\u00fcber zu sprechen, wer dich und deine Identit\u00e4t und deine Existenz als solches ablehnt\u201c. Also erteilt sie solchen Einladungen, die sie nur als Betroffene erh\u00e4lt, bewusst Absagen: \u201eDa spreche ich sehr viel lieber \u00fcber Steuern.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\" style=\"font-weight:500\">Ein Gesetz jenseits der Grenze zur Verfassungswidrigkeit&nbsp;<\/h2>\n\n\n\n<p>Was m\u00fcde macht, d\u00fcrfte vor allem das Gef\u00fchl sein, ohne Aussicht auf Erfolg auf der Stelle zu treten. Seit nun mehr vier Jahrzehnten gibt es in Deutschland das Transsexuellengesetz (TSG). Beinahe genauso lang gibt es Forderungen, das TSG abzuschaffen. Nur ein Jahr nach Einf\u00fchrung urteilte das Bundesverfassungsgericht zum ersten Mal, dass ein Artikel des TSG gegen das Grundgesetz verst\u00f6\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-video\"><video controls src=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/TSG-Video-gepegelt_final_final_final.mp4\"><\/video><figcaption class=\"wp-element-caption\">Kurz und knapp: Das TSG und seine Reformans\u00e4tze<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Im TSG ist geregelt, welche Voraussetzungen Personen erf\u00fcllen m\u00fcssen, um eine Personenstands- oder Namens\u00e4nderung zu erwirken. Mehrfach wurde das TSG bereits in Teilen f\u00fcr verfassungswidrig erkl\u00e4rt. Noch bis 2011 beinhaltete es beispielsweise Zwangssterilisationen als Voraussetzung f\u00fcr Personenstands\u00e4nderung  oder genitalangleichende Operationen. Das Bundesverfassungsgericht stufte das als mit dem Grundgesetz unvereinbar ein. Seither wird der Passus nicht mehr angewendet. Viele Krankenkassen wissen aber nicht um die Trennung von rechtlicher und medizinischer Transition und genehmigen daher beispielsweise Operationen erst, wenn auch eine Namens\u00e4nderung erfolgt ist. Auch hier unterst\u00fctzt die dgti transidente Menschen, etwa dabei, Widerspruch einzulegen oder Aufsichtsbeschwerde zu erheben. \u201eNach zwei oder drei Wochen ist dann manchmal pl\u00f6tzlich die Genehmigung da\u201c. <\/p>\n\n\n\n<p>Auch f\u00fcr Professor Romer ist der Konflikt mit den Krankenkassen nicht unbekannt. Obwohl die medizinische Fachwelt sich daf\u00fcr aussprach, strikte Begutachtungsrichtlinien abzuschaffen und stattdessen jeden Fall individuell zu bewerten, erlie\u00df der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) erst k\u00fcrzlich neue Richtlinien, die nach starrem Schema vorschreiben, wann eine Operation als Kassenleistung bewilligt wird. \u201eDas ist Hinterzimmerwillk\u00fcr\u201c. Die Bundespsychotherapeutenkammer nannte die Richtlinien gar unethisch und mit ihrem Berufsethos unvereinbar. Patient:innen haben die M\u00f6glichkeit, gegen ablehnende Bescheide ihrer Krankenkasse zu klagen. Die vom Gericht bestellten Gutachter:innen sind dann selbst nicht an die Richtlinien des MDK gebunden, sodass die Krankenkassen diese Prozesse h\u00e4ufig verlieren. Trotzdem bedeutet der Streit zwischen medizinischer Fachwelt und MDK, dass Patient:innen l\u00e4nger auf medizinische Ma\u00dfnahmen warten m\u00fcssen. \u201eDer Streit tobt zulasten der Betroffenen.\u201c Julia Monro hat durch ihre Arbeit schon Leute kennengelernt, die f\u00fcr eine geschlechtsangleichende Operation ins Ausland gereist sind: \u201eDie hatten einfach keinen Bock, sich mit der Krankenkasse rumzustreiten\u201c.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Aus dem Transsexuellengesetz endlich Geschichte machen<\/h2>\n\n\n\n<p>Neben der Medizin werden auch in der Gesellschaft Rufe nach Reformen lauter und lauter. Das TSG steht durch die Urteile des Bundesverfassungsgerichtes auf wackligen F\u00fc\u00dfen \u2013 und k\u00f6nnte demn\u00e4chst ersetzt werden. Die Bundestagsfraktion der Gr\u00fcnen hat bereits einen <a href=\"https:\/\/dserver.bundestag.de\/btd\/19\/197\/1919755.pdf\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/dserver.bundestag.de\/btd\/19\/197\/1919755.pdf\">eigenen Gesetzesentwurf<\/a> vorgelegt, der das TSG ersetzen soll. Das sogenannte Selbstbestimmungsgesetz schafft die Gutachtenpflicht ab, stattdessen sollen Personen ab 14 Jahren eigenst\u00e4ndig \u00fcber Namen und Geschlechtseintrag entscheiden d\u00fcrfen. Beh\u00f6rden d\u00fcrften dann ohne Zustimmung der betroffenen Person auch keine Informationen \u00fcber erfolgte \u00c4nderungen herausgeben. Sven Lehmann, Mitautor und queerpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion der Gr\u00fcnen, sieht die Abschaffung des TSG als alternativlos an: \u201eAn so einem l\u00f6chrigen Gesetz weiter herumzudoktern, macht keinen Sinn\u201c. Das Selbstbestimmungsgesetz soll dann sowohl f\u00fcr trans- als auch f\u00fcr intersexuelle Menschen gelten, w\u00e4hrend bislang separate Regelungen im TSG und im Personenstandsgesetz existieren. Aber auch hier gibt es noch Nachbesserungsbedarf, etwa im Arbeitsschutz. Julia Monro w\u00fcrde sich einen K\u00fcndigungsschutz analog zum Mutterschutz w\u00fcnschen. Denn selbst wenn Unternehmen die Transidentit\u00e4t akzeptieren, muss mit hohen Ausfallzeiten gerechnet werden, zum Beispiel wegen Therapien oder Operationen. Firmen wollten aber h\u00e4ufig nicht in \u201etotes Kapital\u201c investieren, \u201eund am n\u00e4chsten Morgen liegt die K\u00fcndigung auf dem Tisch\u201c.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Im Bundestag wurde das Gesetz Mitte Mai bereits beraten und abgelehnt. Nach eigenen Aussagen will die Union einen gesonderten Entwurf vorlegen. Die Bundespsychotherapeutenkammer sprach sich bereits gegen diesen Entwurf in seiner jetzigen Form, der beispielsweise die Begutachtungspflicht beibeh\u00e4lt, aus: Diese sei eine \u201eunzumutbare H\u00fcrden f\u00fcr trans- und intergeschlechtliche Menschen\u201c. Julia Monro winkt ab, als sie danach gefragt wird: \u201eDie haben doch gar keinen Bock, sich mit dem Thema zu besch\u00e4ftigen. Das kratzt an deren christlichem Weltbild\u201c. Stattdessen sei das Papier aus dem Innenministerium heraus Ende Januar an transfeindliche Verb\u00e4nde geleakt worden. Und tats\u00e4chlich: Auf der von Verschw\u00f6rungstheorien und transfeindlichen \u00c4u\u00dferungen gepr\u00e4gten Website des Vereins <em>DemoF\u00fcrAlle<\/em>, der sich selbst als B\u00fcndnis \u201ef\u00fcr Ehe und Familie\u201c und \u201egegen Gender-Ideologie und Sexualisierung der Kinder\u201c betitelt, findet sich eine Pressemitteilung zum Gesetzentwurf eines sogenannten Geschlechtseintrags\u00e4nderungsgesetzes. <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p>Das B\u00fcndnis, dem beispielsweise der <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/gesellschaft\/queerspiegel\/proteste-der-demo-fuer-alle-moral-panik-gegen-sexualkunde\/14836532.html\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/gesellschaft\/queerspiegel\/proteste-der-demo-fuer-alle-moral-panik-gegen-sexualkunde\/14836532.html\">Tagesspiegel<\/a> eine N\u00e4he zu religi\u00f6sem Fundamentalismus und Neonazis bescheinigt, gibt sich familienfreundlich, verbreitet aber schon seit Jahren antifeministische Hetze gegen Homosexuelle und trans Menschen.  Stolz schreibt der Verein, durch die Ver\u00f6ffentlichung des Gesetzentwurf von Innen- und Justizministerium sei man \u201eder Transgender-Lobby\u201c zuvorgekommen. Der Verein verbreitet das Narrativ einer um sich greifenden \u201eGender-Ideologie\u201c, eines \u201eTranshypes\u201c, der vornehmlich M\u00e4dchen und junge Frauen absichtlich verwirre und zur Verst\u00fcmmelung des eigenen K\u00f6rpers treibe. Schuld ist, na klar: Die \u201eTrans-Lobby\u201c. In dieselbe Kerbe schl\u00e4gt auch die AfD. Beatrix von Storch nannte den Gesetzesentwurf der Gr\u00fcnen in der Bundestagsdebatte \u201egenderpolitischen Wahnsinn\u201c, \u201eirre\u201c und \u201eekelhaft\u201c.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-uagb-info-box uagb-block-96e2a0a8 uagb-infobox__content-wrap  uagb-infobox-icon-above-title uagb-infobox-image-valign-top\"><div class=\"uagb-ifb-content\"><div class=\"uagb-ifb-image-content\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Fact-Snack-1-150x150.png\" alt=\"\" width=\"120\" height=\"120\" loading=\"lazy\" \/><\/div><div class=\"uagb-ifb-title-wrap\"><\/div><div class=\"uagb-ifb-separator\"><\/div><p class=\"uagb-ifb-desc\">  In Ver\u00f6ffentlichungen von transfeindlichen Verb\u00e4nden oder Parteien lie\u00dft man h\u00e4ufig von einer &#8222;Trans-Lobby&#8220;. Damit sind aber nicht Trans-Verb\u00e4nde wie die dgti gemeint. Viel eher handelt es sich um einen rechten Kampfbgeriff f\u00fcr einen angeblichen Kreis von Personen, die in verschw\u00f6rerischer Weise verletzliche Jugendliche, h\u00e4ufig junge Frauen, zum &#8222;trans sein&#8220; missionieren will. Oft fallen in diesem Kontext auch Begriffe wie &#8222;Trans-Ideologie&#8220; oder &#8222;Gender-Ideologie&#8220;  <\/p><\/div><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Und der Regierungspartner SPD? Findet den Gesetzentwurf&nbsp; der Gr\u00fcnen laut eigenen Aussagen gut, kann aber leider nicht daf\u00fcr stimmen \u2013 der Fraktionszwang steht im Weg. Theresia, selbst Mitglied der Jusos, kann nur m\u00fcde l\u00e4cheln, als sie darauf angesprochen wird. \u201eIch bin nicht \u00fcberrascht. Diese Partei bringt es einfach nicht zustande, einen Kompromiss zu fassen.\u201c Julia Monro hingegen ist w\u00fctend, schlie\u00dflich habe man bei der Ehe f\u00fcr Alle trotz Fraktionszwang gegen den Regierungspartner gestimmt. Warum also nicht jetzt auch? Immerhin: Die Verhandlungen mit der Union hat die SPD abgebrochen. So ist zumindest gew\u00e4hrleistet, dass der Entwurf der Union, der beispielsweise die Begutachtungspflicht beibehalten will, nicht noch kurz vor Legislaturende durch den Bundestag best\u00e4tigt wird. Die Hoffnung der Transcommunity liegt auf neuen Mehrheiten nach der Bundestagswahl im September. Dann wollen die Gr\u00fcnen das Selbstbestimmungsgesetz ganz nach oben auf die Agenda setzen, versichert Sven Lehmann: \u201eWir werden alles daf\u00fcr tun, damit das Transsexuellengesetz endlich Geschichte wird.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Professor Romer indes wird unabh\u00e4ngig vom Wahlausgang alles daransetzen, seine Patient:innen bestm\u00f6glich zu beraten. Das Wichtigste sei es, sie darin zu best\u00e4rken, ihre Pers\u00f6nlichkeit frei zu erkunden und zu entfalten. Ohne Druck, ohne Konformit\u00e4t. Affirmativ, aber ergebnisoffen. Er orientiert sich dabei an einem alten Kinderlied von Rolf Zukowski: \u201eSo wie du bist, so wie du bist, so und nicht anders sollst du sein.\u201c<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-text-color has-black-color has-css-opacity has-black-background-color has-background alignwide is-style-wide\" \/>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-text-color has-luminous-vivid-amber-color has-css-opacity has-luminous-vivid-amber-background-color has-background is-style-default\" \/>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\" style=\"font-weight:400\">Im Podcast: Einmal Transition und zur\u00fcck? Elis Weg zur Nicht-Binarit\u00e4t<\/h5>\n\n\n\n<p> In dieser Geschichte wurden Theresias und Julias Geschichten erz\u00e4hlt. Aber keine zwei Geschichten sind identisch. In meiner Ausgabe unseres Podcasts &#8222;Nahaufnahme&#8220; habe ich mich mit Eli unterhalten, die auf ihrem Weg schon mehr als einmal in eine neue Richtung abgebogen ist. Neugierig? Dann h\u00f6r&#8216; jetzt rein! <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/FINAL-FINALER-Podcast_Sophia.mp3\"><\/audio><\/figure>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-text-color has-luminous-vivid-amber-color has-css-opacity has-luminous-vivid-amber-background-color has-background is-style-default\" \/>\n\n\n\n<p><\/p>\n<script language='javascript' type='text\/javascript'>function getWR360PopupSkin(){return 'light_clean';}<\/script>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn der Pride-Month zu Ende geht, verschwindet das Bewusstsein f\u00fcr die Diskriminierung der LSBTI-Community aus den K\u00f6pfen der Gesellschaft.<br \/>\nDoch der Kampf f\u00fcr die eigenen Rechte geht weiter.<\/p>\n","protected":false},"author":429,"featured_media":415,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_uag_custom_page_level_css":"","footnotes":""},"categories":[6],"tags":[18,16,19,13,14,17],"class_list":["post-419","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-gesellschaft","tag-feminismus","tag-geschlechtsdysphorie","tag-queer","tag-trans","tag-transgender","tag-tsg"],"acf":[],"pbg_featured_image_src":{"full":["https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Header_Sophia.png",10668,6001,false],"thumbnail":["https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Header_Sophia-150x150.png",150,150,true],"medium":["https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Header_Sophia-300x169.png",300,169,true],"medium_large":["https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Header_Sophia-768x432.png",768,432,true],"large":["https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Header_Sophia-1024x576.png",960,540,true],"1536x1536":["https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Header_Sophia-1536x864.png",1536,864,true],"2048x2048":["https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Header_Sophia-2048x1152.png",2048,1152,true],"quadro-sq-thumb":["https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Header_Sophia-700x700.png",700,700,true],"quadro-med-thumb":["https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Header_Sophia-700x507.png",700,507,true],"quadro-full-thumb":["https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Header_Sophia-1400x788.png",1400,788,true]},"pbg_author_info":{"display_name":"Sophia Rockenmaier","author_link":"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/author\/rocken02\/","author_img":"<img alt='Sophia Rockenmaier' src='https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/b3e0fb8d69b0ffd69f634e2bd0fa381a0ba0ac7f270efe57d1eddc9e1f18c17b?s=128&#038;d=mm&#038;r=g' srcset='https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/b3e0fb8d69b0ffd69f634e2bd0fa381a0ba0ac7f270efe57d1eddc9e1f18c17b?s=256&#038;d=mm&#038;r=g 2x' class='avatar avatar-128 photo' height='128' width='128' loading='lazy' decoding='async'\/>"},"pbg_comment_info":" No Comments","pbg_excerpt":"Wenn der Pride-Month zu Ende geht, verschwindet das Bewusstsein f\u00fcr die Diskriminierung der LSBTI-Community aus den K\u00f6pfen der Gesellschaft. 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