{"id":312,"date":"2021-07-16T09:33:00","date_gmt":"2021-07-16T07:33:00","guid":{"rendered":"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/?p=312"},"modified":"2021-07-29T09:18:01","modified_gmt":"2021-07-29T07:18:01","slug":"geteiltes-deutschland-vereintes-patriarchat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/geteiltes-deutschland-vereintes-patriarchat\/","title":{"rendered":"Geteiltes Deutschland, vereintes Patriarchat"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Entwicklung der Frauenbewegung im geteilten Deutschland<\/h3>\n\n\n\n<p><em><em>1945, das Ende des Nationalsozialismus und des Krieges. Deutschland lag in Tr\u00fcmmern und wurde geteilt. Erst in Besatzungszonen der Alliierten, dann in BRD und DDR. Im Westen engagierte sich die Journalistin Sabine Zurm\u00fchl im Frauenzentrum in Westberlin und gr\u00fcndete die \u201eCourage\u201c. Im Osten k\u00e4mpfte die sp\u00e4tere Fotografin Almut Ilsen f\u00fcr Frieden und Freiheit. Beide Frauen und ihre Staaten trennte 28 Jahre lang eine Mauer. Es entwickelten sich zwei vollkommen unterschiedliche Gesellschaften und Geschichten. Verschiedene Werte, Ideologien, Menschen \u2013 und vor allem verschiedene Frauenbilder und Frauen.<\/em><\/em><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns are-vertically-aligned-center is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<section class=\"wp-block-uagb-section uagb-section__wrap uagb-section__background-color uagb-block-1f79888a\"><div class=\"uagb-section__overlay\"><\/div><div class=\"uagb-section__inner-wrap\">\n<p class=\"has-text-align-center has-background\" style=\"background-color:#e096e8;font-size:12px\"><strong>Tr\u00fcmmerfrauen <\/strong>= Da viele M\u00e4nner im Krieg gefallen waren, wurde es 1945 zur Aufgabe der Frauen, die Tr\u00fcmmer des Krieges zu beseitigen. Meist wurden sie von den Alliierten zwangsverpflichtet und auch relativ schlecht bezahlt. Laut Pr\u00fcfung zahlreicher Dokumente wurden aber auch professionelle Firmen mit der Tr\u00fcmmerr\u00e4umung beauftragt. <br><em>Quelle: planet-wissen.de<\/em><\/p>\n<\/div><\/section>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p>Nach Kriegsende spielten vor allem Frauen eine wichtige Rolle in der deutschen Geschichte. Etwa 50 Prozent der Erwerbst\u00e4tigen waren zu dieser Zeit Frauen. In ganz Deutschland gab es aufgrund der Kriegsverluste einen Frauen\u00fcberschuss von sieben Millionen Frauen. In Berlin wurden Frauen zur Mithilfe der Tr\u00fcmmerbeseitigung verpflichtet. In Ost und West gab es verschiedene Ausgangspunkte der Entwicklung der Frauenbewegung und schlie\u00dflich auch des Fortschritts der Emanzipation. <\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns are-vertically-aligned-center is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p>Zwei Jahre nach Kriegsende wurde Sabine Zurm\u00fchl geboren und geh\u00f6rt damit zu der Generation der Nachkriegskinder. Ausgebombt in ihrer Heimat in Breslau, flohen ihre Eltern zu den Gro\u00dfeltern nach Berlin \u2013 sp\u00e4ter Westberlin. Zurm\u00fchls Vater war kriegsversehrt und konnte aufgrund eines Herzproblems nicht mehr arbeiten. Er blieb zu Hause, k\u00fcmmerte sich um sie und ihre \u00e4ltere Schwester. Als Sabine Zurm\u00fchl 13 Jahre alt war, starb ihr Vater. Von da an musste sie lernen, selbstst\u00e4ndig zu sein und auch alleine zurechtzukommen, denn ihre Mutter ging nach wie vor arbeiten. Sie war im Berliner Senat als Protokollf\u00fchrerin angestellt. \u201eSie hatte eigentlich \u00dcbersetzerin gelernt. Oft hat sie gesagt, sie h\u00e4tte sich etwas anderes f\u00fcr ihr Leben gew\u00fcnscht, aber sie hat uns eben durchgebracht\u201c, erinnert sich die heute 74-J\u00e4hrige an ihre Mutter. <\/p>\n\n\n\n<p>Im Westen war bis weit in die 70er-Jahre das Hausfrauen-Modell, also dass Frauen zu Hause bleiben und sich um Kinder und Haushalt k\u00fcmmern, weit verbreitet. Demnach k\u00f6nnte man meinen, dass bei Zurm\u00fchl eine recht ungew\u00f6hnliche Familienkonstellation herrschte. Doch laut Dr. Jessica Bock, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Digitalen Deutschen Frauenarchiv, war das auch immer von der sozialen Schicht der Familien abh\u00e4ngig. Vor allem in Arbeiterfamilien waren Frauen berufst\u00e4tig, da man finanziell auf das zweite Gehalt angewiesen war. \u201eBei unseren Kontakten, also vor allem Kolleginnen meiner Mutter, war das \u00e4hnlich, sodass es mir nicht ungew\u00f6hnlich vorkam\u201c, erkl\u00e4rt Zurm\u00fchl. Erst auf dem Gymnasium fiel ihr auf, dass bei anderen Kindern die Mutter mit dem Mittagessen zu Hause wartete. <\/p>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4ter, so erz\u00e4hlt Zurm\u00fchl, waren der fr\u00fche Tod ihres Vaters und die Selbstst\u00e4ndigkeit ihrer Mutter pr\u00e4gend. \u201eWir haben oft dar\u00fcber gesprochen, dass viele Frauen in der Frauenbewegung sehr selbstst\u00e4ndige oder einflussreiche M\u00fctter hatten und eher schwache oder gar keine V\u00e4ter\u201c, erz\u00e4hlt sie.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image alignwide size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"264\" height=\"542\" src=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/timeline-1-BRD.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-547\" srcset=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/timeline-1-BRD.png 264w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/timeline-1-BRD-146x300.png 146w\" sizes=\"auto, (max-width: 264px) 100vw, 264px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"977\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/1987-1-32.0147-977x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1526\" srcset=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/1987-1-32.0147-977x1024.jpg 977w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/1987-1-32.0147-286x300.jpg 286w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/1987-1-32.0147-768x805.jpg 768w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/1987-1-32.0147-1465x1536.jpg 1465w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/1987-1-32.0147-1954x2048.jpg 1954w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/1987-1-32.0147-1400x1468.jpg 1400w\" sizes=\"auto, (max-width: 977px) 100vw, 977px\" \/><figcaption>Portr\u00e4t von Elisabeth Selbert (Quelle: Bestand Erna Wagner-Hehmke, Haus der Geschichte, Bonn)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-4-3 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Dr. Oetker Werbefilm &quot;Wenn mans eilig hat&quot; mit Frau Renate 1954\" width=\"960\" height=\"720\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/pRHb4k9p7Ek?feature=oembed&#038;wmode=opaque&#038;enablejsapi=1&#038;playerapiid=ytplayer\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><figcaption>Beispiel f\u00fcr das Frauenbild in den 50er-Jahren: Dr. Oetker Werbefilm &#8222;Wenn mans eilig hat&#8220; mit Frau Renate 1954 (Quelle: https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=pRHb4k9p7Ek)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns are-vertically-aligned-center is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"211\" height=\"767\" src=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/timeline-2-DDR.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-513\" \/><\/figure><\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p>Auf der anderen Seite der Mauer wuchs Almut Ilsen in Jena auf. Auch ihre Familienkonstellation war f\u00fcr den damaligen Osten eher ungew\u00f6hnlich \u2013 und das totale Gegenteil zu Sabine Zurm\u00fchls Familie. Als Ilsen und ihre Geschwister auf die Welt kamen, h\u00f6rte ihre Mutter auf zu arbeiten und blieb f\u00fcr Kinder und Haushalt zu Hause. Ihr Vater brachte ganz traditionell das Geld nach Hause. In der DDR gab es das Hausfrauen-Modell nicht. Ganz im Gegenteil: Im Osten herrschte bedingt durch Kriegsverluste und die steigende Zahl der Auswanderungen in die BRD ein gro\u00dfer Fachkr\u00e4ftemangel. Frauen wurden also als Arbeitskr\u00e4fte dringend gebraucht und eingesetzt. F\u00fcr die meisten von ihnen wurde es zu Selbstverst\u00e4ndlichkeit zu arbeiten. Auf den ersten Blick und vor allem im Vergleich zum Westen erscheint das nahezu revolution\u00e4r und emanzipiert. Jedoch ist es fraglich, inwiefern von Emanzipation, also von der Befreiung der Unm\u00fcndigkeit, gesprochen werden kann. Bock erkl\u00e4rt: \u201eDie Einschr\u00e4nkung der freien Meinungs\u00e4u\u00dferung, dass man sich politisch nicht unabh\u00e4ngig organisieren darf, dass \u00f6ffentlich keine Kritik m\u00f6glich ist ohne irgendwelche Sanktionen. Das schr\u00e4nkt schon ein.\u201c Au\u00dferdem blieben meist die patriarchalen Strukturen in den Familien bestehen. Frauen gingen zwar ihrer Arbeit nach und hatten Anspruch auf Kinderbetreuung, doch nach der Arbeit waren sie meist trotzdem alleine f\u00fcr Kinder und Haushalt verantwortlich und hatten zus\u00e4tzlich zu ihrer eigentlichen Arbeit eine \u201ezweite Schicht\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Ilsen erinnert sich, dass sie im Gegensatz zu ihren Mitsch\u00fcler:innen nie im Hort war und immer ihre Mutter oder ihre Gro\u00dfmutter ein Auge auf sie hatten. Dementsprechend wurde sie auch im Haushalt mit eingespannt: \u201eIch hatte keine Lust auf Hausarbeit, aber ich musste immer mit ran. Meine Mutter hat immer zu mir gesagt: \u201aWenn du so weiter machst, wirst du nie eine gute Hausfrau.\u2018 Ich antwortete jedes Mal: \u201aIch will auch nie eine gute Hausfrau werden.\u2018\u201c, erinnert sich Ilsen. Ihre Mutter war f\u00fcr sie ein abschreckendes Beispiel. Ilsen war klar, dass sie selbstst\u00e4ndig sein und ihr eigenes Geld verdienen wollte. \u201eDieses Leben als Hausfrau war f\u00fcr mich \u00fcberhaupt keine Option. Zu keinem Zeitpunkt.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<section class=\"wp-block-uagb-section uagb-section__wrap uagb-section__background-color uagb-block-35387fe2\"><div class=\"uagb-section__overlay\"><\/div><div class=\"uagb-section__inner-wrap\">\n<p class=\"has-text-align-center has-background\" style=\"background-color:#e096e8;font-size:12px\"><strong>Emanzipation <\/strong>= &#8222;bezeichnet einen Prozess der Befreiung aus&nbsp;Abh\u00e4ngigkeit und Unm\u00fcndigkeit sowie der Verwirklichung der Selbstbestimmung (Selbstbestimmungsrecht), einem zentralen Ziel demokratischer&nbsp;Gesellschaften. Der Begriff wird oft im Zusammenhang mit der Unterprivilegierung gesellschaftlicher Gruppen (z. B. Frauen) oder politischer Gemeinwesen verwendet.&#8220; <br><em>Quelle: bpb.de<\/em><\/p>\n<\/div><\/section>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<section class=\"wp-block-uagb-section uagb-section__wrap uagb-section__background-color uagb-block-71c11e52\"><div class=\"uagb-section__overlay\"><\/div><div class=\"uagb-section__inner-wrap\">\n<p class=\"has-text-align-center has-background\" style=\"background-color:#e096e8;font-size:12px\"><strong>Patriarchat <\/strong>= eine Gesellschaftsordnung, bei der der Mann eine bevorzugte Stellung in Staat und Familie innehat und bei der in Erbfolge und sozialer Stellung die m\u00e4nnliche Linie ausschlaggebend ist. <br><em>Quelle: duden.de<\/em><\/p>\n<\/div><\/section>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"755\" src=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Frauenzentrum-ca-1973-1024x755.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-537\" srcset=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Frauenzentrum-ca-1973-1024x755.jpg 1024w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Frauenzentrum-ca-1973-300x221.jpg 300w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Frauenzentrum-ca-1973-768x566.jpg 768w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Frauenzentrum-ca-1973-1536x1132.jpg 1536w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Frauenzentrum-ca-1973-1400x1032.jpg 1400w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Frauenzentrum-ca-1973.jpg 1558w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Frauenzentrum West-Berlin ~1973 (Quelle: Sabine Zurm\u00fchl) <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<section class=\"wp-block-uagb-section uagb-section__wrap uagb-section__background-color uagb-block-7492d21f\"><div class=\"uagb-section__overlay\"><\/div><div class=\"uagb-section__inner-wrap\">\n<p class=\"has-text-align-center has-background\" style=\"background-color:#e096e8;font-size:12px\"><strong>Tomatenwurf <\/strong>= Auf der Delegiertenkonferenz des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) in Frankfurt am Main hielt Helke Sander als einzige Frau eine Rede \u00fcber veraltete Geschlechterrollen. Damit erweckte sie allerdings wenig Interesse bei m\u00e4nnlichen Genossen. Vielmehr versuchte man schnell zum n\u00e4chsten Tagespunkt \u00fcberzugehen. Daraufhin warf Sigrid R\u00fcger drei Tomaten auf das Podium und traf dabei den Cheftheoretiker der SDS, Hans-J\u00fcrgen Krahl. Der Tomatenwurf gilt Initialz\u00fcndung f\u00fcr die westliche Frauenbewegung.<\/p>\n<\/div><\/section>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns are-vertically-aligned-center is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p>1966 begann Sabine Zurm\u00fchl Germanistik und Romanistik an der Freien Universit\u00e4t Berlin zu studieren. \u201e1968 platzte das alles an der Universit\u00e4t und die Studentenbewegung war schwer in Aufruhr\u201c, erinnert sie sich. Die Studentenbewegungen entwickelten sich in vielen westdeutschen St\u00e4dten parallel \u2013 so auch in Frankfurt am Main (siehe Infokasten \u201eTomatenwurf&#8220;). Zurm\u00fchl blieb in Berlin in der Bewegung aber meist im Hintergrund. \u201eIch fand das politisch alles total richtig, aber ich geh\u00f6rte nicht zu denen, die die T\u00fcr vom Rektorat aufgebrochen haben oder da rein gest\u00fcrmt sind\u201c, erkl\u00e4rt Zurm\u00fchl. Sie ging stattdessen in politische Gruppen und las dort jeden Sonntag um 10 Uhr Karl Marx. Sie erinnert sich, dass vor allem M\u00e4nner damals den Ton angegeben haben: \u201eDass da mal eine Frau den Mund aufgemacht hat, war selten der Fall.\u201c Dennoch erz\u00e4hlt sie: \u201eF\u00fcr mich war das eine sehr aufweckende Zeit.\u201c <\/p>\n\n\n\n<p>1973 wurde Zurm\u00fchl auf die Gr\u00fcndung des ersten Frauenzentrums in Berlin aufmerksam. \u201eDurch eine wunderbare F\u00fcgung bin ich auf dem Kurf\u00fcrstendamm spazieren gegangen und eine Frau steckte mir einen kleinen A5-Zettel in die Hand. Sie gr\u00fcnden ein Frauenzentrum und man solle da hinkommen. Das habe ich nat\u00fcrlich gemacht und habe mich auch sofort eingebracht\u201c, erz\u00e4hlt Zurm\u00fchl. In den ehemaligen Ladenr\u00e4umen in der Hornstra\u00dfe 2 in Berlin Kreuzberg konnten sich Frauen in einem m\u00e4nnerfreien Raum treffen und diskutieren. Sabine Zurm\u00fchl erinnert sich an die eher bescheidenen R\u00e4umlichkeiten mit alten Sofas und der gro\u00dfen Ladenscheibe, an der das Symbol der Frauenbewegung angebracht war. \u201eEs waren so viele Frauen da, die den Wunsch hatten, sich auszutauschen, dass auch so ein armseliger kleiner Laden wie bei uns das Frauenzentrum immer voll war\u201c, erkl\u00e4rt sie. Innerhalb des Zentrums bildeten sich verschiedene Gruppen zu unterschiedlichen Themen. Das Abtreibungsgesetz (\u00a7 218) war laut Zurm\u00fchl damals das Hauptpolitikum. Es bildeten sich aber auch Gruppen zur Frauenrechten, Medizin oder Publizistik. \u201eDas war eine ganz wunderbare Form, die sich aber nur bilden kann, wenn man hoch motivierte Frauen hat, die da ganz viel Zeit reinstecken. Das war unser Leben\u201c, erz\u00e4hlt Zurm\u00fchl. Auch an einer Volkshochschule in Neuk\u00f6lln hat sie kostenlose Kurse f\u00fcr Frauen gehalten. \u201eWir wollten auch einfachen Frauen und Arbeiterinnen unsere Botschaft n\u00e4herbringen. Das war uns total wichtig\u201c, erz\u00e4hlt die ehemalige Journalistin. <\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl vor allem in Westberlin die Mauer und damit die DDR immer pr\u00e4sent waren, war die ostdeutsche Frauenbewegung f\u00fcr im Frauenzentrum kein Thema. \u201eDie DDR war ein total abgeschlossenes Gebiet. Ostberlin war f\u00fcr uns praktisch zwar vorhanden, aber kein Kommunikationsfeld\u201c, beschreibt Sabine Zurm\u00fchl die Distanz zum Osten. Es war nat\u00fcrlich auch schwierig, Kontakte zu ostdeutschen Frauen aufzubauen oder in den Osten einzureisen. Eine Auseinandersetzung mit der DDR fand meist nur \u00fcber Literatur statt. Erst sp\u00e4ter entwickelten sich Kontakte zu Frauen der Friedensbewegung im Osten.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image alignwide size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"271\" height=\"972\" src=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/timeline-3-BRD.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-529\" srcset=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/timeline-3-BRD.png 271w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/timeline-3-BRD-84x300.png 84w\" sizes=\"auto, (max-width: 271px) 100vw, 271px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Frauensymbol-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-535\" srcset=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Frauensymbol-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Frauensymbol-300x200.jpg 300w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Frauensymbol-768x512.jpg 768w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Frauensymbol-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Frauensymbol-2048x1365.jpg 2048w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Frauensymbol-1400x933.jpg 1400w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Symbol des Feminismus <br>(Quelle: https:\/\/de.freepik.com\/vektoren\/flagge&#8216;; Flagge Vektor erstellt von pikisuperstar &#8211; de.freepik.com)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns are-vertically-aligned-center is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<section class=\"wp-block-uagb-section uagb-section__wrap uagb-section__background-color uagb-block-20838dcf\"><div class=\"uagb-section__overlay\"><\/div><div class=\"uagb-section__inner-wrap\">\n<p class=\"has-text-align-center has-background\" style=\"background-color:#e096e8;font-size:12px\"><strong>Indikationsl\u00f6sung <\/strong>= bis 1976 gab es eine Indikationsl\u00f6sung mit drei Indikationen. Ein Schwangerschaftsabbruch war nur bei einer &#8222;medizinisch-sozialen&#8220;, &#8222;ethischen&#8220; oder &#8222;eugenischen&#8220; Indikation m\u00f6glich. D.h. wenn das Leben der Mutter durch die Schwangerschaft gef\u00e4hrdet war, nach einer Vergewaltigung oder bei einer Behinderung des F\u00f6tus. <br><em>Quellen: frauenmediaturm.de<\/em><\/p>\n<\/div><\/section>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<section class=\"wp-block-uagb-section uagb-section__wrap uagb-section__background-color uagb-block-53aba364\"><div class=\"uagb-section__overlay\"><\/div><div class=\"uagb-section__inner-wrap\">\n<p class=\"has-text-align-center has-background\" style=\"background-color:#e096e8;font-size:12px\"><strong>Fristenl\u00f6sung <\/strong>= gilt seit 1993 in Deutschland. Ein Schwangerschaftsabbruch ist nur innerhalb der ersten 12 Schwangerschaftswochen m\u00f6glich und die Frau muss sich zuvor einer offiziellen Beratung unterziehen. <\/p>\n<\/div><\/section>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns are-vertically-aligned-center is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"212\" height=\"785\" src=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/timeline-4-DDR.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-549\" srcset=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/timeline-4-DDR.png 212w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/timeline-4-DDR-81x300.png 81w\" sizes=\"auto, (max-width: 212px) 100vw, 212px\" \/><\/figure><\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p>Almut Ilsen zog 1975 nach ihrem Chemiestudium nach Berlin. \u201eEntweder man ist damals in den Westen gegangen oder man ist nach Berlin oder in eine andere Gro\u00dfstadt.\u201c Die Flucht in den Westen war f\u00fcr sie keine Option. Sie wollte versuchen, etwas im eigenen Land zu ver\u00e4ndern. 1982 machte sie diesen Vorsatz mit der Gr\u00fcndung der \u201eFrauen f\u00fcr den Frieden\u201c zur Realit\u00e4t. Zun\u00e4chst war es nur eine lose Gruppe von Frauen und M\u00e4nnern, die sich gegen das neue Wehrdienstgesetz einsetzten, welches den Einzug von Frauen zwischen 18 und 50 Jahren erm\u00f6glichte. \u201eEs ging nur um die gemeinsame Formulierung einer Eingabe gegen das Wehrdienstgesetz. Dass dann daraus eine Gruppe entstanden ist, war mehr in einem Prozess\u201c, erkl\u00e4rt Ilsen die Anf\u00e4nge der Bewegung. Zu Beginn waren auch M\u00e4nner in der Gruppe vertreten, doch schnell wandelte sie sich zu einer reinen Frauenorganisation. Im Oktober schickte die Gruppe ihre Eingabe gegen die Wehrpflicht f\u00fcr Frauen ab. Ein paar Monate sp\u00e4ter trafen sich die Frauen erneut, um die Reaktionen auf ihre Kritik zu besprechen. \u201eWir sind wahrgenommen worden und wir haben gemerkt, dass wir schon in einer Konfliktsituation mit dem System waren.\u201c Auch der Staatssicherheitsdienst war schnell auf die Bewegung aufmerksam geworden. Bei einem Treffen im Dezember beschlossen die Frauen, weiter aktiv zu bleiben, sich neuen Themen zu widmen. Langsam bauten sie eine Organisation auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Ilsen und die \u201eFrauen f\u00fcr den Frieden\u201c besch\u00e4ftigten sich intensiv mit der Erziehung von Kindern und Jugendlichen sowie dem Frieden. Schon fr\u00fch wurde in staatlichen Kinderg\u00e4rten der Armeedienst und Militarismus verherrlicht. Den Kindern wurden kleine Soldaten als Spielzeug gegeben, sie sangen Lieder \u00fcber Soldaten und machten Ausfl\u00fcge in Kasernen. \u201eVon fr\u00fch an sollten die Armee und die Verteidigungspolitik in das Bewusstsein der Kinder eingepflanzt werden. Das sei etwas Tolles, Wichtiges und Notwendiges\u201c, erinnert sich Almut Ilsen. Au\u00dferdem forderte die Bewegung, dass es auch f\u00fcr M\u00e4nner einen bezahlten \u201eHaushaltstag\u201c gibt. Immerhin sollten sich Mann und Frau die Arbeit gerecht aufteilen. Auch strukturelle Probleme wie Gewalt in der Ehe, gleicher Lohn f\u00fcr alle oder mehr Frauen in F\u00fchrungspositionen standen auf der Agenda der \u201eFrauen f\u00fcr den Frieden\u201c. Doch diese Themen hatten laut Ilsen nicht so einen hohen Stellenwert wie Frieden und Abr\u00fcstung: \u201eWir wussten das zwar alles, aber haben es nicht so fokussiert.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"702\" src=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Drittes-Nachtgebet--1024x702.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-555\" srcset=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Drittes-Nachtgebet--1024x702.png 1024w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Drittes-Nachtgebet--300x206.png 300w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Drittes-Nachtgebet--768x527.png 768w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Drittes-Nachtgebet--1536x1054.png 1536w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Drittes-Nachtgebet--1400x960.png 1400w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Drittes-Nachtgebet-.png 1621w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Foto vom Dritten Nachtgebet in der Auferstehungskirche in Berlin-Friedrichshain Mai 1985,<br>v.l.n.r: Ruth Kibelka (stehend), sitzend: Anne Quasdorf, Bettina Rathenow, inoffizielle Mitarbeiterin der Stasi &#8222;Heidi&#8220;, Almut&nbsp;Ilsen<br>(Fotograf: Thorsten Berendt)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns are-vertically-aligned-center is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p>Sabine Zurm\u00fchl und die Frauen aus dem Frauenzentrum hatten zu dieser Zeit einen ganz anderen Fokus als die \u201eFrauen f\u00fcr den Frieden\u201c in der DDR. Sie gr\u00fcndete 1976 unter anderem mit Sibylle Plogsted und Barbara Duden und anderen Frauen aus dem Zentrum die feministische Frauenzeitschrift \u201eCourage\u201c. \u201eWir brauchten ein Medium, das \u00fcberregional Fraueninteressen abbildete\u201c, erkl\u00e4rt Zurm\u00fchl. Die Gr\u00fcndung der Zeitschrift markierte das erstarkte Selbst- und Sendungsbewusstsein der westdeutschen Frauenbewegung. Bereits ein Jahr nach der Gr\u00fcndung startete der bundesweite Vertrieb der \u201eCourage\u201c. <\/p>\n\n\n\n<p>Etwa zur gleichen Zeit entstand auch das Frauenmagazin \u201eEMMA\u201c, gegr\u00fcndet von einem Kollektiv und sp\u00e4ter alleine weitergef\u00fchrt von Alice Schwarzer. \u201eWir hatten einen ganz anderen Stil. Wir waren relativ politisch aufm\u00fcpfig, waren sehr streng, hatten sehr lange Artikel, sehr gute Kontakte in die weite Welt und auch immer ganz wunderbare Berichte aus dem Ausland\u201c, erkl\u00e4rt die ehemalige \u201eCourage\u201c-Redakteurin die Unterschiede zwischen beiden Magazinen. Die \u201eCourage\u201c war zudem stark mit der Frauenbewegung und ihren Leser:innen verwoben. 1978 stammten etwa zwei Drittel der Artikel von Leser:innen. \u201eIch war glaube ich die einzige ausgebildete Journalistin. Aber es war wirklich eine sehr sch\u00f6ne bunte Mischung\u201c, erinnert sich Sabine Zurm\u00fchl an die Redaktion. Die Redakteurinnen suchten auch regelm\u00e4\u00dfig den Kontakt zum Frauenzentrum, um sich mit anderen Frauen auszutauschen. Etwa vier bis sechs der monatlichen 68 Seiten wurden mit Terminen und Nachrichten der Frauenbewegung aus der ganzen Republik gef\u00fcllt. Von Filmvorf\u00fchrungen bis Frauentagungen \u00fcber Kleinanzeigen war alles dabei. \u201eWir hatten immer die Verbindung zu den frauenbewegten Frauen. Wir waren es ja selbst auch\u201c, erinnert sich Zurm\u00fchl. <\/p>\n\n\n\n<p>Trotz des gro\u00dfen Erfolgs musste die Zeitschrift 1984 Konkurs anmelden. Neben dem Geld war auch die Weiterentwicklung der Frauenbewegung ein Grund daf\u00fcr, so Zurm\u00fchl: \u201eDie wichtigen Frauenthemen sind in die gro\u00dfen Medien gesickert. Man konnte dann oft sogar im Stern schon fr\u00fcher etwas \u00fcber den Frauenkongress lesen als bei unserer Monatszeitschrift. Die Dringlichkeit, dass es uns gab, hat sehr nachgelassen.\u201c<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image alignwide size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"255\" height=\"396\" src=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/timeline-5-BRD.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-556\" srcset=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/timeline-5-BRD.png 255w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/timeline-5-BRD-193x300.png 193w\" sizes=\"auto, (max-width: 255px) 100vw, 255px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"778\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Courage-Nr.1-im-Sept.-1976-778x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-559\" srcset=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Courage-Nr.1-im-Sept.-1976-778x1024.jpg 778w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Courage-Nr.1-im-Sept.-1976-228x300.jpg 228w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Courage-Nr.1-im-Sept.-1976-768x1011.jpg 768w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Courage-Nr.1-im-Sept.-1976.jpg 1128w\" sizes=\"auto, (max-width: 778px) 100vw, 778px\" \/><figcaption>Titelseite des Frauenmagazins &#8222;Courage&#8220; Nr. 1 im September 1976 (Quelle: Sabine Zurm\u00fchl)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Courage-Frauen-1979-1-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-560\" srcset=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Courage-Frauen-1979-1-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Courage-Frauen-1979-1-300x169.jpg 300w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Courage-Frauen-1979-1-768x432.jpg 768w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Courage-Frauen-1979-1-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Courage-Frauen-1979-1-2048x1152.jpg 2048w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Courage-Frauen-1979-1-1400x788.jpg 1400w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Redakteurinnen der &#8222;Courage&#8220; (1979) (Quelle: Sabine Zurm\u00fchl)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Ausschnitt aus Fernsehbeitrag zur &quot;Courage&quot; (Quelle: Sabine Zurm\u00fchl)\" width=\"960\" height=\"540\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/0qLymMV4Hws?feature=oembed&#038;wmode=opaque&#038;enablejsapi=1&#038;playerapiid=ytplayer\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><figcaption>  Ausschnitt aus Fernsehbeitrag zur &#8222;Courage&#8220; (&#8222;Neue Frauenbewegung &#8211; Au\u00dfer M\u00e4nner haben wir nichts zu verlieren&#8220;, Quelle: Sabine Zurm\u00fchl) <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Ost- und Westfrauen trennte demnach nicht nur eine Mauer, sondern auch eine ganz unterschiedliche Ausgangssituation. So erkl\u00e4rt Dr. Jessica Bock: \u201eDie unabh\u00e4ngige Organisierung war in der DDR nicht so ohne weiteres m\u00f6glich \u2013 also eigentlich gar nicht. Deshalb konnte das nur begrenzt stattfinden und die Frauen haben zum Beispiel die R\u00e4ume und Strukturen der evangelischen Kirche genutzt. Dort waren sie halbwegs gesch\u00fctzt.\u201c Im Westen hatten Frauen in dieser Hinsicht mehr M\u00f6glichkeiten und konnten so auch ganz anders mobilisieren. \u00d6ffentliche Aktionen wie die Stern-Kampagne 1971 w\u00e4ren im Osten nicht m\u00f6glich gewesen. \u201eDeswegen war auch die Frauenbewegung in der DDR nicht so gro\u00df wie damals in der BRD in den 70er-Jahren\u201c, erkl\u00e4rt Bock. Zudem waren die Frauen im Osten sehr darauf bedacht, wer Teil der Gruppe wurde und wen sie zu Treffen einluden, da immer Vorsicht vor dem Staat und der Stasi geboten war.<\/p>\n\n\n\n<p>Was die Frauen beider Seiten jedoch einte, war der Gegenwind und die Skepsis gegen\u00fcber ihrem Engagement in den Bewegungen. Sabine Zurm\u00fchl erz\u00e4hlt: \u201eWir waren ja sehr exotisch. Wenn ich meine Mutter besucht und ihr erz\u00e4hlt habe, was ich da mache \u2013 die haben Gesichter gemacht!\u201c In der DDR sah das nicht anders aus, Almut Ilsen erkl\u00e4rt: \u201eDas war so eine \u00dcberheblichkeit, als ob wir nicht wichtig sind oder dass wir weniger wichtig sind als gemischt geschlechtliche Gruppen.\u201c Zurm\u00fchl benennt es sogar als eine \u201etiefsitzende Abneigung und Distanzierung\u201c. Aber Ilsen berichtet auch, dass sie neben dem Gegenwind auch Unterst\u00fctzung erfahren hat, vor allem durch ihren Partner: \u201eIch konnte abends immer zur Gruppe gehen. Er hat da nie irgendeine bl\u00f6de Bemerkung gemacht. Bei vielen meiner Freundinnen war das auch so. Da haben die M\u00e4nner das voll mitgetragen und fanden es wichtig, was wir machen, und haben uns unterst\u00fctzt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>In der Nacht vom 09. auf den 10. November 1989 fiel die Berliner Mauer und der Grenzverkehr zwischen beiden Staaten wurde wieder ge\u00f6ffnet. Bereits im August 1990 unterzeichnete die DDR den Einigungsvertrag mit dem Westen, denn schon am 03. Oktober 1990 sollte die DDR in die Bundesrepublik \u00fcbergehen. Die Zeitspanne dieses Prozesses war sehr kurz angesetzt. In k\u00fcrzester Zeit mussten Kompromisse und L\u00f6sungen sowie neue Gesetze beschlossen werden.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Die Zeit dr\u00e4ngte so. Wir hatten das Gef\u00fchl, dass alles nur zerredet wird und dass uns das Eigentliche, um das es uns erst mal ging, nicht gelingt \u2013 was ja auch passiert ist.<\/p><cite>Gislinde Schwarz <\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Der Ost-West-Frauenkongress im April 1990 gilt als erste offizielle Begegnungsm\u00f6glichkeit der Frauenbewegungen. Gislinde Schwarz war zusammen mit einer Kollegin auf als Berichterstatterin f\u00fcr die DDR-Frauenzeitschrift \u201eF\u00fcr Dich\u201c auf dem Kongress. Ulrike Helwerth war als westdeutsche Journalistin ebenfalls vor Ort. Ziel des Treffens war es, eine Strategie zu entwickeln, um gemeinsam Einfluss auf die patriarchale Einigungspolitik zu nehmen. Schon im Vorfeld gab es jedoch Kritik an dem Kongress, weil im Programm der Veranstaltung J\u00fcdinnen, Migrantinnen und Women of Color sowie deren Lebensrealit\u00e4ten keinen Platz fanden. Doch da h\u00f6rten die Konflikte nicht auf. \u201eWir waren beide ziemlich entsetzt \u00fcber die K\u00e4mpfe, die sich bei diesem Kongress abspielten\u201c, erinnert sich Gislinde Schwarz. Sie und ihre Kollegin gingen immer wieder abwechselnd aus dem Saal. F\u00fcr sie war der Frauenkongress, der eigentlich f\u00fcr Begegnungen und Austausch sorgen sollte, zum Albtraum geworden: \u201eWir als DDR-Frauen hatten zu diesem Zeitpunkt das Gef\u00fchl, dass uns alle Felle wegschwimmen und dass wir bestimmte Dinge ganz schnell festzurren m\u00fcssen.\u201c Viele Ost-Frauen hatten Angst, ihre bisherigen Rechte wie das Recht auf Abtreibung, auf einen Kitaplatz oder auf Arbeit mit der Wiedervereinigung zu verlieren. F\u00fcr sie war es selbstverst\u00e4ndlich, zu arbeiten und \u00f6konomisch unabh\u00e4ngig von ihren M\u00e4nnern zu sein. Laut Schwarz wurden jedoch haupts\u00e4chlich Formulierungsfragen diskutiert, andere Themen blieben dabei auf der Strecke: \u201eDie Zeit dr\u00e4ngte so. Wir hatten das Gef\u00fchl, dass alles nur zerredet wird und dass uns das Eigentliche, um das es uns erst mal ging, nicht gelingt \u2013 was ja auch passiert ist.\u201c R\u00fcckblickend versteht auch Ulrike Helwerth die Frauen aus der DDR: \u201eAlle Rechte der Ost-Frauen waren in Gefahr und gleichzeitig hat man ihnen gesagt: Ihr seid die Verliererinnen der Wende. Und \u00fcberhaupt wurden sie pl\u00f6tzlich auch mit einem anderen Frauenbild torpediert.\u201c Die westdeutschen Frauen hatten jedoch andere Priorit\u00e4ten. F\u00fcr sie war die Sprache und die Abschaffung des m\u00e4nnlichen Generikums sowie das Geschlechterverh\u00e4ltnis im privaten Bereich zentral.<\/p>\n\n\n\n<p>Teil des Problems waren sicherlich auch die gro\u00dfen Unterschiede zwischen Ost und West. Das erkl\u00e4rt auch Dr. Jessica Bock: \u201eBis zur Mauer\u00f6ffnung waren das zwei ganz unterschiedliche Staaten, zwei ganz unterschiedliche gesellschaftliche Systeme, die Stellung der Frau war ganz anders und dadurch haben sich zwei unterschiedliche Bewegungen herausgebildet, zum Teil auch mit stark differierenden Erfahrungen und Sichtweisen. Das stie\u00df dann auf einmal mit so einer Intensit\u00e4t zusammen, da kamen die Konflikte ganz automatisch.\u201c Sabine Zurm\u00fchl erinnert sich, dass schnell die Frage aufkam, warum die meisten westdeutschen Aktivistinnen keine Kinder hatten. In der DDR konnten die Frauen Beruf, Kinder, Haushalt und Aktivismus unter einen Hut bringen. Zurm\u00fchl erkl\u00e4rt: \u201eDas war eins der Opfer, das wir gebracht haben. Es war keine Zeit f\u00fcr Kinder. Das ging nicht und irgendwann war es dann vorbei.\u201c Auch in der Debatte um Psyche und Sexualit\u00e4t hatte laut Zurm\u00fchl gro\u00dfes Konfliktpotenzial. W\u00e4hrend sich West-Frauen intensiv und offen damit besch\u00e4ftigten, war das im Osten kaum ein Thema und w\u00fcrde eher absch\u00e4tzig beurteilt, so Zurm\u00fchl. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Die Frauen aus dem Osten m\u00fcssen ja gedacht haben, sie sind auf die letzten Dorfschranzen bei uns getroffen.<\/p><cite>Ulrike Helwerth<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Auf der anderen Seite erz\u00e4hlt Almut Ilsen, wie befremdlich es f\u00fcr sie war, auf typisch westdeutsche Hausfrauen zu sto\u00dfen: \u201eWenn mir West-Frauen erz\u00e4hlt haben, wie sie aufgewachsen sind und wie eingeschr\u00e4nkt das war, das war f\u00fcr eine Frau, die aus dem Osten kommt, sowas von mittelalterlich. Es war unvorstellbar r\u00fcckschrittlich.\u201c Das best\u00e4tigt auch Ulrike Helwerth: \u201eDie Frauen aus dem Osten m\u00fcssen ja gedacht haben, sie sind auf die letzten Dorfschranzen bei uns getroffen.\u201c Auch hatten die Frauen gegenseitig Erwartungen aneinander, die jedoch meist entt\u00e4uscht blieben. \u201eEs war f\u00fcr mich schon ern\u00fcchternd zu sehen, wie lange es so r\u00fcckst\u00e4ndig in der BRD war\u201c, erkl\u00e4rt Ilsen. Von Frauen aus der DDR erwartete man w\u00e4hrend der Wende ein st\u00e4rkeres Auftreten und mehr Engagement, doch diese mussten erst einmal mit der neuen Situation zurechtkommen und hatten weniger Zeit f\u00fcr Aktivismus. \u201eWir Ost-Frauen hatten erst mal damit zu tun, f\u00fcr unsere eigene Existenz zu sorgen\u201c, erinnert sich Gislinde Schwarz. Dem stimmt auch Dr. Jessica Bock zu: \u201eDiese private Bew\u00e4ltigung des Umbruchs und der Transformation hat ja auch ganz viel Kraft gebraucht. Ich finde, da darf man den Frauen auch keinen Vorwurf machen. Die Westfrauen hatten das gar nicht. F\u00fcr sie hat sich nach 1990 nicht viel ver\u00e4ndert.\u201c <\/p>\n\n\n\n<p>Neben Konflikten und Unterschieden gab es laut Bock aber auch sehr viel produktiven Austausch und Solidarit\u00e4t zwischen den Frauen, sei es durch gegenseitige Besuche, Tipps beim Aufbau von Strukturen, F\u00f6rdert\u00f6pfe oder der Gr\u00fcndung von Initiativen und Netzwerken. \u201eOst-Frauen sind auch selbstbewusst in Organisationen und Netzwerke reingegangen und haben sich eingebracht\u201c, erkl\u00e4rt Bock. Dennoch beschreibt Ulrike Helwerth die Situation auf dem Ost-West-Frauenkongress: \u201eDieses Gef\u00fchl, jetzt gemeinsam an einem Strang zu ziehen und ein besseres Deutschland f\u00fcr Frauen und die Frauenbewegung zu schaffen, hat sich damals auf dem Frauenkongress nicht bewahrheitet. Es hat sich eher abgezeichnet, dass das ein schwieriger Prozess werden k\u00f6nnte.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Trotz der gro\u00dfen Differenzen zwischen den Frauen konnte auf dem Kongress eine Resolution verabschiedet werden, die als Teil des Grundlagenpapiers der DDR f\u00fcr die Verhandlungen \u00fcber die Union mit dem Westen diente. Ob es auch eine Vereinigung der ost- und westdeutschen Frauenbewegungen gab, ist schwer zu beantworten. Schwarz ist aber \u00fcberzeugt: \u201eWenn man sich das heute anschaut, achtet man nicht mehr darauf, ob die Frauen, die sich engagieren, aus Ost oder West kommen.\u201c Die Unterschiede zwischen Ost- und Westfrauen werden laut Schwarz immer kleiner, doch sie glaubt: \u201eOst-Frauen ist es immer noch deutlich wichtiger, dass sie wirtschaftlich selbstst\u00e4ndig sind, und zwar auch gleichberechtigt wirtschaftlich selbstst\u00e4ndig. Aber da haben \u2013 und das finde ich erstaunlich \u2013 auch Westfrauen inzwischen sehr nachgezogen.\u201c Ulrike Helwerth beschreibt das \u00e4hnlich, doch sie glaubt auch, dass heute Menschen mit einem neuen Selbstbewusstsein ihre ostdeutsche Biografie und Geschichte wiederentdecken.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Es wird der Mars besiedelt und das geht nicht?!<\/p><cite>Dr. Jessica Bock<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Die Wiedervereinigung Deutschlands ist gerade einmal 31 Jahre her. Vor nicht einmal 70 Jahren lief im deutschen Fernsehen noch die Dr. Oetker Werbung mit Frau Renate. Geschichtlich gesehen ist diese Zeitspanne nichts. In den letzten Jahren hat sich zwar einiges getan in Richtung Gleichstellung und Feminismus wird ein immer zentraleres Thema in unserer Gesellschaft, ab: \u201eNat\u00fcrlich ist noch ganz viel zu tun. Wenn man sich anschaut, wie viele Frauen in Entscheidungsebenen vertreten sind, sind das immer noch viel zu wenige. Die Eliten sind immer noch m\u00e4nnlich dominiert\u201c, erkl\u00e4rt Almut Ilsen ihre Sicht. Sabine Zurm\u00fchl pl\u00e4diert f\u00fcr mehr Selbstbewusstsein der Frauen: \u201eMan kann f\u00fcr Frauen noch so viele Pl\u00e4tze erobern, wahrnehmen m\u00fcssen sie es selbst. Ich habe nach wie vor den Eindruck, dass viele Frauen noch kleiner gemacht werden k\u00f6nnen oder sich kleiner machen lassen durch \u00c4u\u00dferlichkeiten oder soziale Zugeh\u00f6rigkeit.\u201c Dr. Jessica Bock erg\u00e4nzt: \u201eWie kann es sein, dass man sich in einem Land nicht frei \u00fcber Schwangerschaftsabbr\u00fcche informieren kann? Und dass das nicht m\u00f6glich ist ohne, dass \u00c4rzt:innen in den Konflikt mit dem Gesetz kommen. Das kann doch nicht wahr sein. Es wird der Mars besiedelt und das geht nicht?! Das sind Widerspr\u00fcche, bei denen denke ich, das kann nicht sein in einem Land im 21. Jahrhundert. Das geht nicht. Da braucht es wirklich eigentlich wieder eine gro\u00dfe Bewegung.\u201c <\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00dcber eine Auspr\u00e4gung dieser neuen Bewegung spreche ich in unserem Podcast \u201eNahaufnahme\u201c mit den Aktivistinnen Paulina und Raisa. <\/em> <\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Im Podcast: Paulina und Raisa von @catcallsofgermany <\/h5>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Web-2-Abmischung-1-1.mp3\"><\/audio><\/figure>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p><\/p>\n<script language='javascript' type='text\/javascript'>function getWR360PopupSkin(){return 'light_clean';}<\/script>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>45 Jahre teilte Deutschland die Mauer. 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