{"id":1271,"date":"2021-07-15T17:10:42","date_gmt":"2021-07-15T15:10:42","guid":{"rendered":"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/?p=1271"},"modified":"2021-07-16T17:25:07","modified_gmt":"2021-07-16T15:25:07","slug":"kommerzialisierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/kommerzialisierung\/","title":{"rendered":"Nachhaltige Kommerzialisierung des Weltraums?"},"content":{"rendered":"\n<p>Im Jahr 1957 wird mit Sputnik der erste Satellit ins All geschossen. Am 12. Juli 2021 fliegt Richard Branson als erster Weltraumtourist in die Schwerelosigkeit. Der Unterschied? Raumfahrt wurde lange staatlich finanziert, mit den schwerreichen Raumfahrtunternehmern Branson, Bezos und Musk ist jetzt die kommerzielle Raumfahrt auf dem Vormarsch.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Durch das Projekt der MoonBox von DHL und dem amerikanischen Raumfahrtunternehmen Astrobotic erf\u00e4hrt die Kommerzialisierung des Weltraums nun weltweite Aufmerksamkeit. Doch&nbsp;etabliert hat die sich schon l\u00e4ngst. \u201eAnfang der 70er Jahre wurde in Deutschland die DFS1 gebaut, der deutsche Fernsehsatellit. Der sollte 1974 Farbfernsehen machen, sollte die Olympiade \u00fcbertragen per Satellit. Viele Jahre sp\u00e4ter, in den 80ern gab es Kommunikationssatelliten und seitdem ist Satellitenempfang \u00fcberhaupt kein Thema mehr. Wir empfangen das Fernsehen, wir empfangen das Radio, wir empfangen Telefonate, wir haben Datenleitungen aus dem All\u201c, erkl\u00e4rt Andreas Sch\u00fctz, Pressesprecher des Deutschen Zentrums f\u00fcr Luft- und Raumfahrt. \u201eDas, was wir heute sehen, was es f\u00fcr uns sichtbar macht, ist der Weltraumtourismus zum Beispiel. Viele andere Dinge, die kommerziell sind, die nehmen wir gar nicht mehr wahr. Navigationsangebote. Flugzeuge landen automatisch mit Satelliten. Das ist kommerzielle Raumfahrt.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Apropos Weltraumtourismus: Das Raumfahrtunternehmen Virgin Galactic hat mit Branson\u2019s Flug ins All den Wettlauf der Multimilliard\u00e4re er\u00f6ffnet. SpaceX und Blue Origin ziehen nach. Anfang 2022 sollen die ersten drei Astronauten mit der Crew-Dragon-Kapsel von Elon Musk\u2019s Firma zur Raumstation ISS fliegen. Amazon-Gr\u00fcnder Jeff Bezos will selbst die Erfahrung machen. Andreas Sch\u00fctz zeigt Verst\u00e4ndnis: \u201eAlle, die ich kenne, die dort oben waren, die sagen alle, das muss man mal gesehen haben. Warum sollen nicht andere Menschen, nicht wissenschaftlich-technisch als Astronauten, die M\u00f6glichkeit erhalten, das mal zu sehen?\u201c Die Expansion in den erdnahen Raum ist nicht mehr aufzuhalten. Die Idee hingegen, beispielsweise Schwerindustrie ins All zu verlagern, um die Erde zu entlasten, sieht Sch\u00fctz problematisch:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><em>\u201eEs sollte keine Option sein, zu sagen: Okay, jetzt hat man mal hier auf der Erde alles belegt, jetzt gehen wir auf den Mond und spielen da weiter. Oder wir gehen auf den Mars und spielen da weiter. Das sollte nicht unsere Option sein.\u201c<\/em><\/p><p>Andreas Sch\u00fctz, DLR<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>In den letzten zehn Jahren hat es trotz der bereits lange vorhandenen Kommerzialisierung eine Verschiebung von der staatlichen Raumfahrt im Bereich Kommunikation, Navigation, aber auch Medizin und Biologie, hin zum kommerzielleren Aspekt gegeben. \u201eWeil man festgestellt hat, dass man zum Beispiel im Kommunikationsbereich sehr viel Geld verdienen kann. Wir reden heute von sogenannten&nbsp;Mega-Konstellationen mit 10.000 Satelliten\u201c, erkl\u00e4rt Sch\u00fctz. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Audio-Mega-Konstellationen_gepegelt.mp3\"><\/audio><figcaption>Erkl\u00e4rung Mega-Konstellationen<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die w\u00e4ren ohne die Arbeit von Start-ups und Organisationen wie GAIA Aerospace an kosteng\u00fcnstigeren Tr\u00e4gersysteme gar nicht m\u00f6glich. \u201eWir haben es hier mit Preisunterschieden von teilweise Faktor 5, wenn nicht in Zukunft sogar Faktor 10 zu tun\u201c, sagt Kai H\u00f6fner. Der 31-J\u00e4hrige ist Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Nieders\u00e4chsischen Forschungszentrums f\u00fcr Luftfahrt und f\u00fcr die Koordination der Luft- und Raumfahrtforschung im Land Niedersachsen zust\u00e4ndig. 2016 gr\u00fcndete H\u00f6fner au\u00dferdem das deutsche NewSpace-Netzwerk GAIA Aerospace. \u201eNewSpace beschreibt den \u00dcbergang weg von der staatlich betriebenen Raumfahrt, die sich nat\u00fcrlich weiterhin insbesondere mit Forschung besch\u00e4ftigt, hin zu kommerziellen Produkten. Es geht irgendwann tats\u00e4chlich darum, aus dieser Forschungsebene rauszukommen und in einen kommerziellen Betrieb reinzukommen.\u201c Die Raumfahrt wird durch den damit einhergehenden Wettbewerb zwischen den verschiedenen Unternehmen deutlich kosteng\u00fcnstiger. Um daran beteiligte Raumfahrt-Start-ups vorzustellen, mit Investoren in Kontakt zu bringen und Akteure der Szene untereinander zu vernetzten, veranstaltet GAIA Events, wie die Veranstaltungsreihe \u201eNewSpace Invadors\u201c.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/19143156_1991477307741938_5051229541610119985_o-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1795\" srcset=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/19143156_1991477307741938_5051229541610119985_o-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/19143156_1991477307741938_5051229541610119985_o-300x169.jpg 300w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/19143156_1991477307741938_5051229541610119985_o-768x432.jpg 768w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/19143156_1991477307741938_5051229541610119985_o-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/19143156_1991477307741938_5051229541610119985_o-1400x788.jpg 1400w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/19143156_1991477307741938_5051229541610119985_o.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Event &#8222;NewSpace Invadors&#8220; \u00a9GAIA Aerospace<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>\u201eEs geht ums Netzwerken, ums Connecten\u201c, erz\u00e4hlt H\u00f6fner. Das k\u00f6nnen die Teilnehmer:innen auch in der allj\u00e4hrlichen&nbsp;Yuri\u2019s Night, die an Yuri Gagarins ersten Flug ins All im Jahr 1961 angelehnt&nbsp;ist und immer um den 12. April stattfindet. An dem Tag ist im Jahr 1981 au\u00dferdem das erste Spaceshuttle abgehoben, weshalb er als kleiner inoffizieller Feiertag in der Community zu Ehren der bemannten Raumfahrt gilt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"has-text-align-left has-medium-font-size wp-block-heading\"><strong>Der Kitt zwischen den Raumfahrtakteuren<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>\u201eWie sieht diese ganze NewSpace-Szene \u00fcberhaupt aus? Wie sieht die Landschaft aus? Wer sind denn f\u00fcr uns eigentlich so die essentiellen Partner? Das ist nat\u00fcrlich eine Herausforderung, der steht jedes Start-up gegen\u00fcber.\u201c GAIA fungiert dabei als der Ansprechpartner f\u00fcr Akteur:innen der NewSpace-Szene. \u201eDie Start-ups sind die Ziegelsteine und wir sind der Kitt dazwischen.\u201c Und auch an den Nachwuchs ist gedacht. Unter dem Motto \u201eNewSpace@School\u201c soll die junge Generation an die Raumfahrt herangef\u00fchrt werden. Mit Erfolg: \u201eWas eine sehr positive \u00dcberraschung war, war, dass in dem Kurs ein M\u00e4dchenanteil von \u00fcber 70 Prozent vertreten war. Wir wollen ja einen h\u00f6heren Frauenanteil in der Raumfahrt, dementsprechend, ja, die Chancen sahen da sehr gut aus\u201c, freut sich H\u00f6fner. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"729\" height=\"546\" src=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/NewSpaceAtSchool.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1799\" srcset=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/NewSpaceAtSchool.jpg 729w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/NewSpaceAtSchool-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 729px) 100vw, 729px\" \/><figcaption>Kai H\u00f6fner in einer Schule im Rahmen von \u201eNewSpace@School&#8220; \u00a9GAIA Aerospace<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Gleichzeitig betreibt GAIA aber auch selbst Forschungs- &amp; Entwicklungsarbeiten. Ihr Steckenpferd: Forschung im Bereich wiederverwendbarer und nachhaltiger Tr\u00e4gersysteme. Daraus soll demn\u00e4chst auch ein eigenes kommerzielles Start-up entstehen. Denn dieses Thema ist aktuell noch ein gro\u00dfer Schwachpunkt in der europ\u00e4ischen Raumfahrt. Ein gro\u00dfes Problem ist die Verschmutzung der Meere durch die Erststufen, die sich nach dem Start l\u00f6sen und meistens im Wasser landen. \u201eResttreibstoff und beispielsweise eben auch Kerosin und fossile Brennstoffe und so weiter will man ja nicht unbedingt in den Weltmeeren haben. Schrott auch nicht unbedingt\u201c, erkl\u00e4rt H\u00f6fner.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"has-text-align-left has-medium-font-size wp-block-heading\"><strong>M\u00fcllabfuhr im All<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Im Hinblick auf die geplanten Mega-Konstellationen warnt er au\u00dferdem vor dem sogenannten Kesseler-Syndrom: \u201eDas besagt prinzipiell, dass einfach so viel Schrott im Erdorbit unterwegs ist, dass man keine sichere Raumfahrt mehr betreiben kann und dementsprechend w\u00e4re dann quasi ja der Orbit f\u00fcr uns tabu mit einem Mal. Hei\u00dft also, wir k\u00f6nnten keine weiteren Raketen mehr starten, keine weiteren Satelliten ins All bringen und dementsprechend bombardieren wir uns damit quasi in die Steinzeit zur\u00fcck.\u201c Damit das nicht passiert, sind M\u00fcllabfuhrsatelliten, genannt\u00a0Active Debris Removal-Satelliten, in Planung. Die docken sich mithilfe von Netzen, Harpunen oder Roboterarmen an ausgefallene Satelliten an und bef\u00f6rdern diese auf einen sogenannten Friedhofsorbit oder bremsen sie so ab, dass sie in der Erdatmosph\u00e4re vergl\u00fchen. \u201eDas ist quasi aktivere Schrottentsorgung\u201c, erz\u00e4hlt H\u00f6fner lachend. <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"640\" src=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/e.Deorbit_will_be_the_first-ever_active_debris_removal_mission-1024x640.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2647\" srcset=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/e.Deorbit_will_be_the_first-ever_active_debris_removal_mission-1024x640.jpg 1024w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/e.Deorbit_will_be_the_first-ever_active_debris_removal_mission-300x188.jpg 300w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/e.Deorbit_will_be_the_first-ever_active_debris_removal_mission-768x480.jpg 768w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/e.Deorbit_will_be_the_first-ever_active_debris_removal_mission-1536x960.jpg 1536w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/e.Deorbit_will_be_the_first-ever_active_debris_removal_mission-2048x1280.jpg 2048w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/e.Deorbit_will_be_the_first-ever_active_debris_removal_mission-1400x875.jpg 1400w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Active Debris Removal mithilfe eines Netzes \u00a9ESA<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/active_debris_removal2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2646\" width=\"431\" height=\"239\" \/><figcaption>Active Debris Removal mithilfe von Roboterarmen \u00a9ESA<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p>Auch ein Pfandsystem, vorgeschlagen von Jan W\u00f6rner, dem fr\u00fcheren ESA-Generaldirektor, w\u00e4re eine m\u00f6gliche L\u00f6sung. \u201eMan zahlt anfangs zus\u00e4tzlich auch Pfand daf\u00fcr, dass man einen Satelliten in den Orbit bringt. Dieses Pfand kriegt man nur dann wieder zur\u00fcck, wenn man den Satelliten wieder entfernt hat.\u201c Tut man das nicht, wird das Pfand einbehalten und dazu verwendet, den Satelliten aktiv zur\u00fcckholen zu lassen. \u201eJetzt stellt sich aber auch gleichzeitig die Frage: Wer soll dieses Pfand verwalten?\u201c Eine Regelung auf globaler Ebene ist schwierig. Ebenso h\u00e4ufig umstrittenes Thema: der CO<sub>2<\/sub>-Aussto\u00df. Der ist in der Raumfahrt allerdings gar nicht so hoch, wie man vielleicht vermutet: \u201eMan muss das mal ins Verh\u00e4ltnis setzen: Wie h\u00e4ufig erfolgen so Raketenstarts \u00fcberhaupt? Wenn man mal den gesamten anthropogenen CO<sub>2<\/sub>-Aussto\u00df betrachtet, da liegt die Luftfahrt etwa so bei zwei bis drei Prozent. Um die Raumfahrt mit der Luftfahrt gleichzuziehen, m\u00fcsste man so 10.000 bis 15.000 Mal mehr starten. Der Anteil von Raketenstarts am gesamten menschengemachten CO<sub>2<\/sub>-Aussto\u00df liegt somit gerade einmal bei bei 0,0002 Prozent. Da auf die Raumfahrt zu schimpfen, macht im Sinne des Klimaschutzes also nicht viel Sinn\u201c, erkl\u00e4rt H\u00f6fner. Indes bringt die Raumfahrt sogar einen weitaus effektiveren Vorteil f\u00fcr den Klimaschutz mit: \u201eErdbeobachtungssatelliten liefern einen gro\u00dfen Beitrag. Ein gutes Beispiel daf\u00fcr ist das Start-up Ororatech\u00a0aus M\u00fcnchen. Die wollen Waldbr\u00e4nde detektieren. Gerade die Waldbr\u00e4nde in Kalifornien oder Australien haben da ja gewaltige Ausma\u00dfe.\u201c Teilweise werden dabei Mengen an CO<sub>2<\/sub>freigesetzt, die Deutschland in einem Jahr produziert und dementsprechend einen extremen Einfluss auf das globale Klima haben. Durch Satelliten und eine fr\u00fchzeitige Erkennung kann dem entgegengewirkt werden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"has-text-align-left has-medium-font-size wp-block-heading\"><strong>Bushaltestelle auf dem Weg zum Mond<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Die Raumfahrt soll generell effizienter werden. Vor allem im Hinblick auf das n\u00e4chste gro\u00dfe Ziel: den Mars. Dazu soll auch das Lunar Gateway, eine Art Bushaltestelle auf dem Weg von der Erde zum Mond, beitragen. Das Ganze ist ein Projekt im Rahmen des aktuellen amerikanischen NASA-Raumfahrtprogramms. In Planung ist eine Raumstation, \u00e4hnlich wie die ISS, die allerdings um den Mond fliegt und deutlich kleiner ist. Sie fungiert als Zwischenstopp f\u00fcr Astronaut:innen auf dem Weg zum Mond, um von dort zum Mars zu starten. \u201eEine Bushaltestelle, um nicht aufwendig von der Erde aus zu fliegen, was mit sehr viel technischem Aufwand, sehr viel Energieaufwand verbunden ist\u201c, sagt Andreas Sch\u00fctz vom DLR. Fliegt man von der Erde, muss bei einem Start erst einmal die Erdanziehungskraft \u00fcberwunden werden, die mitunter das gr\u00f6\u00dfte Hindernis darstellt. K\u00f6nnte man allerdings den Mond als Startplattform f\u00fcr die Reise zum Mars nutzen, w\u00fcrde man aufgrund der geringeren Anziehungskraft deutlich weniger Treibstoff ben\u00f6tigen. Und den kann man eventuell sogar vor Ort gewinnen: \u201eDa gibt es schon jede Menge Missionen, die auf der Suche nach den M\u00f6glichkeiten sind, Wasserstoff, also Wasser, auf dem Mond zu finden, insbesondere am S\u00fcdpol, und M\u00f6glichkeiten zu generieren, wie man Wasserstoff produzieren kann\u201c, f\u00fcgt er hinzu. Eine davon brachte NASAs wassersuchenden Rover namens Viper auf den Erdtrabanten. Das DLR pr\u00fcft bereits Fl\u00fcssigtriebwerke mit Sauer- und Wasserstoff in seiner Testeinrichtung in Labertshausen, nahe Stuttgart, der gr\u00f6\u00dften f\u00fcr Raketentriebwerke in Europa. Irgendwann soll es dann auch ein Moon Village geben, in dem Wissenschaftler:innen aus der ganzen Welt zusammenkommen, als Fortsetzung der Internationalen Raumstation. Die ESA hat schon vor Jahren angefangen, die ersten Pl\u00e4ne zu entwerfen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"has-text-align-left has-medium-font-size wp-block-heading\"><strong>Der Mond als Schritt zum Mars<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Auch die Chinesen sind aktuell mit einem Rover auf dem Mond, haben bereits eine Probe zur\u00fcck zur Erde geschickt, um seine Zusammensetzung besser zu verstehen. Indien versucht, wieder auf dem Mond zu landen. Israel ist auch dran. Doch warum wird der Mond gerade jetzt wieder interessant? Man ist sich einig: \u201eWeil wir uns nicht damit zufriedengeben, zu sagen wir waren auf dem Mond und das war\u2019s. Wenn man sich vor Augen f\u00fchrt, dass w\u00e4hrend der Missionen, die auf dem Mond gelandet sind, nur ein einziger Naturwissenschaftler an Bord war, Jack Smith, gibt es dort oben noch sehr viel zu erfahren, insbesondere \u00fcber die Geschichte der Erde, da sich die Theorie best\u00e4tigt hat, dass der Mond ein St\u00fcck der Erde ist. Und damit haben wir nat\u00fcrlich einen Blick in die Vergangenheit. Auch f\u00fcr wissenschaftliche Untersuchungen, denn zum Beispiel f\u00fcr astronomische Untersuchungen gibt es keinen besseren Platz als die R\u00fcckseite des Mondes. Da ist es dunkel. Das ist f\u00fcr Wissenschaftler der ideale Platz\u201c, f\u00fchrt Sch\u00fctz aus. Generell bietet die Schwerelosigkeit eine Vielzahl von M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Experimente und Untersuchungen f\u00fcr die Wissenschaft, die auf der Erde weiterhelfen k\u00f6nnen. Beispielsweise f\u00fcr ein besseres Verst\u00e4ndnis f\u00fcr das Wirken von Krebszellen, dem Entgegenwirken von Altersschw\u00e4che anhand der Beobachtung des Muskelabbaus im Weltraum oder das Erforschen von Mitteln gegen Alzheimer.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus einer weniger wissenschaftlichen Perspektive, daf\u00fcr aber mit Fokus auf Gedanken und Gef\u00fchle, hat sich Kira Britten in ihrer <a href=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/was-bleibt-wenn-alles-vergessen-ist\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Geschichte<\/a> mit der Krankheit Alzheimer besch\u00e4ftigt.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSobald der Wettlauf ins All&nbsp;vorbei war, schwand das Interesse am Weltraum und an der Finanzierung. Wir haben uns auf andere Dinge konzentriert\u201c, erkl\u00e4rt Alivia Chapla, Marketing- und Kommunikationsspezialistin von Astrobotic. N\u00e4chstes Ziel: Mars. Doch der ist viel komplizierter und schwerer zu erreichen. Das macht den Mond wieder attraktiv. \u201eDas ist historisch. Wir werden der erste US-Lander seit den Apollo-Missionen sein, der auf dem Mond landet. Die MoonBox wird mit all ihren Geschichten und Erinnerungsst\u00fccken in die Geschichte eingehen. Als Testament der Menschheit\u201c, erz\u00e4hlt sie freudig. Zwar hat die breite \u00d6ffentlichkeit noch nicht die M\u00f6glichkeit, auf den Mond zu fliegen, doch bringt diese kleine hexagonale Kapsel sie ihm ein St\u00fcckchen n\u00e4her.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"has-text-align-left has-medium-font-size wp-block-heading\"><strong>Nachhaltige Raumfahrt<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Die Raumfahrt ist mit gro\u00dfen Schritten und Zielen unterwegs. Kai H\u00f6fner hofft f\u00fcr den deutschen NewSpace auf die ersten Satelliten, die von Deutschland aus ins All starten. Denn Raumfahrt von Deutschland aus ist durchaus m\u00f6glich. Grunds\u00e4tzlich ist Cape Canaveral einer der besten Startpl\u00e4tze f\u00fcr Missionen wie die Peregrine Mission One, da man von dort aus direkt aufs Meer hinaus starten und den gew\u00fcnschten&nbsp;Orbit erreichen kann. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Audio-Orbit_gepegelt.mp3\"><\/audio><figcaption>Erkl\u00e4rung Orbit<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Beim sogenannten AirLaunch aber wird die Rakete einfach unter ein Flugzeug gespannt, sodass der Ort keine allzu gro\u00dfe Rolle mehr spielt. Ein m\u00f6glicher Flughafen f\u00fcr solche Vorhaben ist Rostock Laage, da der unter anderem auch milit\u00e4risch genutzt wird und dort folglich Raketentreibstoff gelagert werden k\u00f6nnte. Die Forschungen an der AirLaunch-Rakete sind bei GAIA Aerospace in vollem Gange. Ebenso m\u00f6glich w\u00e4re ein Start in den richtigen Orbit von einer Plattform in der Nordsee zwischen den Shetland-Inseln und Norwegen. Auch verbesserte Navigation durch Konstellationen um Mond und Mars f\u00fcr Infrastrukturen und pr\u00e4zises Landen von Raketen auf den beiden Himmelsk\u00f6rpern werden in naher Zukunft eine Rolle spielen. Andreas Sch\u00fctz schlussfolgert: \u201eDie Zukunft der Raumfahrt wird sich zweiteilen. Es wird eine institutionelle Raumfahrt, hei\u00dft staatliche Vorsorge geben. Aber es wird auch eine kommerzielle Komponente geben. Es werden Tr\u00e4gerraketen sein. Es werden Infrastrukturen im Erdorbit sein. Die Herausforderung wird sein, diese Entwicklungen nachhaltig zu betrachten, von vornherein dar\u00fcber nachzudenken: Welche Konsequenzen hat unser Handeln? K\u00f6nnen wir das tun? K\u00f6nnen wir es nicht? Sollten wir das tun? Das wird die entscheidende Frage der Zukunft der Raumfahrt sein.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n<script language='javascript' type='text\/javascript'>function getWR360PopupSkin(){return 'light_clean';}<\/script>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Jahr 1957 wird mit Sputnik der erste Satellit ins All geschossen. Am 12. Juli 2021 fliegt Richard Branson als erster Weltraumtourist in die Schwerelosigkeit. Der Unterschied? Raumfahrt wurde lange [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":425,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_uag_custom_page_level_css":"","footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1271","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"acf":[],"pbg_featured_image_src":{"full":false,"thumbnail":false,"medium":false,"medium_large":false,"large":false,"1536x1536":false,"2048x2048":false,"quadro-sq-thumb":false,"quadro-med-thumb":false,"quadro-full-thumb":false},"pbg_author_info":{"display_name":"Julia Brechtelsbauer","author_link":"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/author\/brecht07\/","author_img":"<img alt='Julia Brechtelsbauer' src='https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/7017d7cf10a76abcba1e03b253406d7329aea6959c692808e7091d96501881db?s=128&#038;d=mm&#038;r=g' srcset='https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/7017d7cf10a76abcba1e03b253406d7329aea6959c692808e7091d96501881db?s=256&#038;d=mm&#038;r=g 2x' class='avatar avatar-128 photo' height='128' width='128' loading='lazy' decoding='async'\/>"},"pbg_comment_info":" No Comments","pbg_excerpt":"Im Jahr 1957 wird mit Sputnik der erste Satellit ins All geschossen. Am 12. Juli 2021 fliegt Richard Branson als erster Weltraumtourist in die Schwerelosigkeit. Der Unterschied? Raumfahrt wurde lange [&hellip;]","uagb_featured_image_src":{"full":false,"thumbnail":false,"medium":false,"medium_large":false,"large":false,"1536x1536":false,"2048x2048":false,"quadro-sq-thumb":false,"quadro-med-thumb":false,"quadro-full-thumb":false},"uagb_author_info":{"display_name":"Julia Brechtelsbauer","author_link":"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/author\/brecht07\/"},"uagb_comment_info":0,"uagb_excerpt":"Im Jahr 1957 wird mit Sputnik der erste Satellit ins All geschossen. Am 12. Juli 2021 fliegt Richard Branson als erster Weltraumtourist in die Schwerelosigkeit. Der Unterschied? Raumfahrt wurde lange [&hellip;]","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1271","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-json\/wp\/v2\/users\/425"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1271"}],"version-history":[{"count":15,"href":"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1271\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3300,"href":"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1271\/revisions\/3300"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1271"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1271"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1271"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}