{"id":1236,"date":"2021-07-16T10:54:06","date_gmt":"2021-07-16T08:54:06","guid":{"rendered":"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/?p=1236"},"modified":"2024-10-26T16:27:55","modified_gmt":"2024-10-26T14:27:55","slug":"heimat-ist-kein-ort-heimat-ist-kein-land-heimat-ist-ein-gefuehl","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/heimat-ist-kein-ort-heimat-ist-kein-land-heimat-ist-ein-gefuehl\/","title":{"rendered":"Heimat ist ein Gef\u00fchl"},"content":{"rendered":"\n<p><em>\u201eDer Mensch hat immer eine Heimat und w\u00e4r es nur der Ort, wo er gestern war und heute nicht mehr ist.&#8220; (Alexander von Villers)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>1.943 Kilometer Fahrstrecke und 5 Staatsgrenzen liegen zwischen der deutschen Hauptstadt Berlin und der bulgarischen&nbsp;\u201eMeereshauptstadt\u201d Varna. Was sich nach einer ewig langen Reise anh\u00f6rt, ist tats\u00e4chlich nur ein kleiner Trip: Denn nimmt man den Flieger, ist man im besten Fall&nbsp;schon&nbsp;nach 2 Stunden und 25 Minuten an seinem Ziel angekommen. R\u00e4umliche Distanz l\u00e4sst sich heute einfacher als je zuvor \u00fcberwinden. Mit der emotionalen Distanz zur Heimat und zur eigenen Familie sieht das allerdings etwas anders aus.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Schwarzmeerk\u00fcste galt schon immer als eines der beliebtesten Reiseziele f\u00fcr deutsche Touristen. Ihre sonnigen Str\u00e4nde, das milde Klima und die weitgehend bewahrte Natur ziehen jedes Jahr tausende Touristen aus aller Welt an:&nbsp;F\u00fcr ausl\u00e4ndische Staatsb\u00fcrger gibt es viele gute Gr\u00fcnde, die Region zu besuchen und sich sogar zeitweilig hier niederzulassen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Tats\u00e4chlich lebt&nbsp;bereits seit vielen Jahren eine Vielzahl von Engl\u00e4ndern, Franzosen, Russen und Ukrainern in Bulgarien. Auch f\u00fcr deutsche Auswanderer wird das Land zunehmend attraktiv. Derzeit leben dort&nbsp;etwa&nbsp;2.000&nbsp;von ihnen. Manche davon sind schon l\u00e4nger&nbsp;im kleinen s\u00fcdosteurop\u00e4ischen Land ans\u00e4ssig,&nbsp;andere sind erst&nbsp;w\u00e4hrend der Corona-Krise zugezogen. Dabei bilden Karsten Renner&nbsp;sowie Constanze und Christian Waesch nur einen kleinen Teil der deutschen Community in Varna ab. Die geb\u00fcrtigen Berliner haben verschiedene Ansichten, was ihr Verst\u00e4ndnis von Heimat angeht und f\u00fchren&nbsp;ganz&nbsp;unterschiedliche Lebensstile. Was sie jedoch vereint, ist die emotionale Bindung zu ihren Familien in der Heimat&nbsp;\u2013&nbsp;und&nbsp;auch der Grund, warum sie ins Ausland gezogen sind.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"621\" height=\"602\" src=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Bildschirmfoto-2021-07-16-um-10.44.50.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2265\" style=\"width:840px;height:814px\" srcset=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Bildschirmfoto-2021-07-16-um-10.44.50.png 621w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Bildschirmfoto-2021-07-16-um-10.44.50-300x291.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 621px) 100vw, 621px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Ein kleiner Teil der deutschen Community in Bulgarien. Klickt man auf die Zahlen und Standortzeichen,&nbsp;kann man die Kontaktdaten von deutschsprachigen Menschen vor Ort abrufen und sich mit diesen vernetzen.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u201eW\u00e4hrend Corona konnte ich meinen Beruf ein Jahr lang nicht aus\u00fcben\u201d&nbsp;<\/h2>\n\n\n\n<p>Connie Waesch ist&nbsp;von Beruf&nbsp;Erzieherin. Sie hat fr\u00fcher Psychologie studiert und f\u00fcr einige Zeit mit sexuell misshandelten Kindern gearbeitet. In der DDR, wo sie aufgewachsen ist, durfte sie ihren Berufswunsch allerdings erst mal nicht aus\u00fcben. Also hat sie sich&nbsp;im Au\u00dfendienst&nbsp;selbstst\u00e4ndig&nbsp;gemacht. Zurzeit arbeitet sie im Vertrieb f\u00fcr Kindergarteneinrichtungen.&nbsp;\u201eIch arbeite in einem Job, wo ich&nbsp;zwischen Deutschland und Bulgarien&nbsp;hin- und herfliegen muss. Meine Firma hat mir meinen Arbeitsplatz so eingerichtet, dass ich von hier aus und von dort aus arbeiten kann\u201d.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend&nbsp;der&nbsp;Corona-Pandemie&nbsp;musste Connie allerdings zeitweilig in Kurzarbeit gehen. Da Kinderg\u00e4rten und Kitas in Deutschland zum H\u00f6hepunkt des landesweiten Infektionsgeschehens geschlossen&nbsp;waren, sah sie sich in ihrer Existenz gef\u00e4hrdet. Ihr stand allerdings noch eine Option offen:&nbsp;Ihre Firma hat es ihr&nbsp;erm\u00f6glicht, auch von Bulgarien aus zu arbeiten, wo Kinderg\u00e4rten noch weitgehend offen bleiben durften. Mittlerweile arbeitet und lebt Connie seit einem Vierteljahr in Bulgarien.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Zuge der Corona-Pandemie ist auch Karsten Renner nach Bulgarien gezogen. Karsten hat fr\u00fcher an vielen verschiedenen Orten der Welt gelebt. Zuletzt war er in Malta und Portugal, wo er f\u00fcr kurze Zeit einen Angestelltenjob hatte. Der 54-j\u00e4hrige Ostberliner betreibt eine eigene Vertriebsfirma f\u00fcr Sportartikel, die ihre Produkte bei Ebay Kleinanzeigen anbietet. Theoretisch k\u00f6nnte Karsten von&nbsp;\u00fcberall&nbsp;aus arbeiten. In Portugal hat er jedoch die Erfahrung gemacht, dass dort die Coron\u0430-Ma\u00dfnahmen&nbsp;strikt durchgesetzt&nbsp;wurden. Er beschreibt sich selbst als einen&nbsp;\u201elockeren Typen\u201d. Also hat er sich auch auf die Suche nach einem&nbsp;\u201elockeren Land\u201d gemacht.&nbsp;\u201eEigentlich wollte ich nach meinem Aufenthalt in Portugal gerne mal nach Italien oder auch Spanien. Was mich davon abhielt, war der strikte Umgang mit den Corona-Ma\u00dfnahmen vor Ort. Also fiel meine Entscheidung auf Bulgarien.\u201d&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>In Bulgarien wurde mit Corona tats\u00e4chlich etwas lockerer&nbsp;umgegangen&nbsp;als in anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern.&nbsp;Das lag zum Teil auch daran, dass die Infektionszahlen in Bulgarien durchg\u00e4ngig geringer als in Deutschland ausfielen. Gab es in Deutschland in der Hochphase der Pandemie am 23. Dezember ganze 31.297 Neuinfektionen, so lag diese Zahl in Bulgarien bei lediglich 1.799 neu&nbsp;best\u00e4tigten&nbsp;F\u00e4llen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Am 4. November \u00fcberstieg die Zahl der F\u00e4lle erstmals die 4000er-Marke (4041 Neuinfektionen).&nbsp;Zwar ist die Testquote die niedrigste in der EU, sodass mit einer hohen Dunkelziffer an Infektionen gerechnet werden kann.&nbsp;Aufgrund der niedrigen Einwohnerzahl&nbsp;(lediglich 7 Millionen im Vergleich zu 83 Millionen Einwohner in Deutschland)&nbsp;kann man&nbsp;von einer relativ hohen&nbsp;landesweiten Inzidenz ausgehen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p>Aus diesen und \u00e4hnlichen Gr\u00fcnden galt&nbsp;in Bulgarien&nbsp;die Maskenpflicht meist nur in geschlossenen R\u00e4umen. Verstie\u00df man gegen diese, wurden Geld- oder sonstige Strafen nur selten verh\u00e4ngt. Die Schulen blieben fast durchg\u00e4ngig geschlossen. Kinderg\u00e4rten, Restaurants und Freizeiteinrichtungen&nbsp;durften jedoch&nbsp;weitgehend offen&nbsp;bleiben, was in anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern meist nur unter bestimmten Umst\u00e4nden m\u00f6glich war. Und obwohl der Massentourismus im Vorjahr praktisch nicht stattfinden durfte, sahen&nbsp;viele ausl\u00e4ndische Staatsb\u00fcrger in den lockeren Corona-Ma\u00dfnahmen in Bulgarien eine Chance auf Zuflucht vor dem&nbsp;Alltag&nbsp;im eigenen Land. F\u00fcr manche&nbsp;von ihnen&nbsp;boten sich Gelegenheiten zur Arbeit, die es in der Heimat&nbsp;in&nbsp;Zeiten der Pandemie so nicht gegeben h\u00e4tte.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/WhatsApp-Image-2021-06-28-at-01.07.11-768x1024.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2289\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Karsten Renner, geb\u00fcrtiger Ostberliner, Jahrgang 1966 \/ Pers\u00f6nliches Fotoarchiv von Karsten Renner<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u201eF\u00fcr einen DDR-B\u00fcrger&nbsp;war damals nicht alles m\u00f6glich\u201d&nbsp;<\/h2>\n\n\n\n<p>Vor Corona war Reisen f\u00fcr viele selbstverst\u00e4ndlich&nbsp;\u2013&nbsp;Urlaub machen geh\u00f6rte fr\u00fcher einfach zum Leben dazu. Neue L\u00e4nder und Kulturen kennenlernen erweitert schlie\u00dflich den eigenen Horizont. Was&nbsp;wir&nbsp;vor Corona als eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit begriffen haben, war jedoch&nbsp;nicht immer so m\u00f6glich. <strong>\u201e<\/strong>Bevor die Mauer fiel, konnte ich nur noch mit dem Finger auf die Landkarte fahren. Und&nbsp;in die nahen sozialistischen L\u00e4nder\u201d,&nbsp;erkl\u00e4rt&nbsp;Karsten. <strong>\u201e<\/strong>Als DDR-B\u00fcrger war es damals relativ leicht, nach Polen oder Tschechien zu fahren. In Ungarn konnte man westliche Ware kaufen und deshalb war es f\u00fcr uns ein Traum, wenn man ab und zu dahin durfte. Bulgarien hingegen empfanden wir als eher exotisch, vor allem weil das Wetter und die Natur so einzigartig waren.\u201d Diese Distanz zur Au\u00dfenwelt, unter der Karsten bis zum Mauerfall leiden musste, hat in ihm keine Antipathie gegen das Ausland ausgel\u00f6st. Ganz im Gegenteil \u2013 er wurde immer neugieriger,&nbsp;wie die Welt jenseits des Eisernen Vorhangs aussehen&nbsp;k\u00f6nnte.&nbsp;So ging es vielen&nbsp;ehemaligen&nbsp;DDR-B\u00fcrgern.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann fiel pl\u00f6tzlich die Mauer.&nbsp;Seit seinem achtzehnten Geburtstag hat Karsten jedes Jahr mindestens einmal&nbsp;Urlaub&nbsp;in Bulgarien&nbsp;oder&nbsp;anderen L\u00e4ndern des damaligen Ostblocks gemacht. Nach dem Mauerfall durfte er aber auch westliche L\u00e4nder bereisen&nbsp;\u2013&nbsp;f\u00fcr die damaligen DDR-B\u00fcrger unvorstellbar.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"698\" src=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/WhatsApp-Image-2021-06-28-at-00.50.23-1024x698.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2287\" srcset=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/WhatsApp-Image-2021-06-28-at-00.50.23-1024x698.jpeg 1024w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/WhatsApp-Image-2021-06-28-at-00.50.23-300x204.jpeg 300w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/WhatsApp-Image-2021-06-28-at-00.50.23-768x523.jpeg 768w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/WhatsApp-Image-2021-06-28-at-00.50.23-1536x1046.jpeg 1536w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/WhatsApp-Image-2021-06-28-at-00.50.23-1400x954.jpeg 1400w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/WhatsApp-Image-2021-06-28-at-00.50.23.jpeg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Eindr\u00fccke aus dem Leben in der damaligen DDR \/ Pers\u00f6nliches Fotoarchiv von Karsten Renner<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Heute ist die Welt weitgehend offen und frei. Das war aber nicht immer so.&nbsp;An die Diskriminierung und die Weltverschlossenheit, die mit der Zugeh\u00f6rigkeit zum damaligen Ostblock einhergingen, kann sich Karsten immer noch gut erinnern: \u201cWas wichtig war, wenn man irgendwo hingefahren ist, war,&nbsp;immer<s>,<\/s>&nbsp;ein bisschen D-Mark dabei zu haben. Denn wenn pl\u00f6tzlich&nbsp;ein&nbsp;Notfall war, wurde einem gegen D-Mark immer geholfen. Gegen Ostmark dagegen eher nicht. Das Problem war nur,&nbsp;dass&nbsp;es war damals verboten&nbsp;war, als DDR-B\u00fcrger D-Mark zu besitzen, geschweige denn,&nbsp;diese ins Ausland zu bringen. Also mussten wir zum Beispiel \u00fcber die Grenze zum westlich gepr\u00e4gten Ungarn D-Mark schmuggeln\u201d.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Genau das Gegenteil erlebt er in seiner neuen Heimat Bulgarien:&nbsp;\u201eWenn man herausfindet, dass ich Deutscher bin, dann assoziieren das die Menschen fast immer mit gro\u00dfartigen Sachen. Man denkt immer, ich w\u00e4re super diszipliniert, pragmatisch und p\u00fcnktlich. Dass ich quasi die&nbsp;deutschen Stereotype verk\u00f6rpere. Das sehe ich nat\u00fcrlich anders\u201d, sagt Karsten mit einem vielsagenden L\u00e4cheln im Gesicht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Deutschen und die s\u00fcdosteurop\u00e4ische Region&nbsp;<\/h2>\n\n\n\n<p>Was verbindet die Deutschen&nbsp;eigentlich&nbsp;mit&nbsp;S\u00fcdosteuropa? Eigentlich&nbsp;hatte&nbsp;die Region schon immer eine gewissen Bedeutung f\u00fcr deutsche Auswanderer &#8211; denn Deutschland und S\u00fcdosteuropa teilten durch die Kriegsjahrhunderte hindurch eine gemeinsame Geschichte. Vor allem im 19. Jahrhundert flohen viele der sogenannten Volksdeutschen&nbsp;aufgrund der repressiven NS-Politik und sp\u00e4ter auch infolge des Krieges nach Ost- und S\u00fcdosteuropa. Nach dem Krieg wurden sie jedoch aus politischen Gr\u00fcnden aus diesen Gebieten vertrieben. Die deutsche Geschichte war zu diesem Zeitpunkt also von&nbsp;Zwangsmigration gepr\u00e4gt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der bayerische Heimatforscher und Landeshistoriker Adrian Ro\u00dfner&nbsp;beschreibt die&nbsp;deutschen Auswanderer im 19. und 20. Jahrhundert folgenderma\u00dfen:&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie Lebensphilosophie der Auswanderer war einerseits gepr\u00e4gt von einer tiefsitzenden Verzweiflung, andererseits aber auch von gro\u00dfem Mut, die angestammte Heimat auf der Suche nach einem besseren Leben zu verlassen. Viele von ihnen trafen diese Entscheidung nicht alleine, sondern machten sich in ganzen Familien- oder Nachbarschaftsverb\u00fcnden auf die beschwerliche Reise, um auch in der Fremde nicht komplett alleine zu sein. Niemand hat seine Heimat leichtfertig verlassen. Aus M\u00fcnchberg hat sich ein beeindruckendes Dokument&nbsp;erhalten, in dem der Landrichter an&nbsp;das Bezirksamt schreibt: \u201aJugend, Gesundheit, Mut, das Bewu\u00dftsein zureichender Mittel, vielleicht die Sehnsucht nach irgendeiner Ver\u00e4nderung ihrer Lage tragen und begleiten den Auswandererplan\u2018. Es waren demnach h\u00e4ufig Menschen, die an einer gewissen Schwelle standen: Ver\u00e4nderungen im Weltsystem wirkten sich bis auf ihre ganz eigene Lebenswelt aus und forderten Entscheidungen, die in manchen F\u00e4llen zur Aufgabe all dessen f\u00fchrten, was sich die Familien \u00fcber Generationen aufgebaut hatten.\u201d&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die deutschen Auswanderer waren also jung, mutig und ver\u00e4nderungswillig. Das mussten sie damals auch sein, denn sie flohen sehr oft vor Armut und Krieg.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>In Europa herrscht&nbsp;seit&nbsp;Ende des Balkankriegs&nbsp;l\u00e4ngst&nbsp;kein Krieg mehr.&nbsp;Und trotzdem k\u00f6nnen seit einigen Jahrzehnten innerhalb vom europ\u00e4ischen Kontinent immer wieder steigende Fortbewegungstendenzen aufgewiesen werden.&nbsp;So&nbsp;<strong>\u201e<\/strong>fliehen&#8220; manche&nbsp;vor den schlechten wirtschtlichen&nbsp;Bedinungen zu Hause,&nbsp;w\u00e4hrend andere&nbsp;die freie Wahl haben, dorthin zu gehen, wo sie sich in der einen oder anderen Hinsicht wohler f\u00fchlen w\u00fcrden. Das muss aber nicht unbedingt hei\u00dfen, dass man seine Heimat auf immer und ewig hinter sich gelassen hat.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Familienbindung auf Distanz&nbsp;\u2014&nbsp;geht das?&nbsp;<\/h2>\n\n\n\n<p>Wer weit weg von Zuhause wohnt, bekommt seine Familie, Freunde und Bekannten im Regelfall nur noch selten zu sehen. Den Augen fern, dem Herzen nah? Das k\u00f6nnen Karsten Renner, Constanze Waesch und ihr Mann Christian nur noch best\u00e4tigen: <strong>\u201e<\/strong>Interessant war, dass sich die Beziehung zu&nbsp;meiner&nbsp;Familie eigentlich vertieft hat, nachdem ich ins Ausland umgezogen war\u201d, erkl\u00e4rt Karsten. Der 54-J\u00e4hrige ist geschieden und lebt seit September 2020 in Varna. Dabei war unter anderem genau die Scheidung von seiner Frau der Knackpunkt, der ihn zu seiner Entscheidung&nbsp;brachte, Deutschland zu verlassen und sich auf die Suche nach einer neuen Heimat zu machen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Mit seinen Kindern steht er heute allerdings&nbsp;in gutem&nbsp;Kontakt:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-pullquote\"><blockquote><p><em>\u201e<\/em>Trotz der r\u00e4umlichen Distanz gibt es zwischen mir und meiner Familie keine emotionale Distanz. Ich liebe sie alle und vermisse sie auch.&#8220;<\/p><cite>Karsten Renner<\/cite><\/blockquote><\/figure>\n\n\n\n<p>Seinen Kindern hat Karsten am Beispiel seiner eigenen Eltern von fr\u00fch an eine Art Weltoffenheit beigebracht. Trotz der widrigen Umst\u00e4nde hat er f\u00fcr die gute Ausbildung seiner Kinder gesorgt. Seine Tochter und sein Sohn sind beide auf eine Privatschule in Deutschland gegangen&nbsp;und&nbsp;beherrschen jeweils mindestens f\u00fcnf Fremdsprachen. Seitdem er ausgewandert ist, hat Karsten seine Familie in Deutschland&nbsp;immer&nbsp;wieder besucht. Auch seine Kinder haben ihn&nbsp;einige&nbsp;Male&nbsp;in seiner neuen Heimat besucht. Seine Mutter denkt au\u00dferdem dar\u00fcber nach, bald nach Bulgarien zu ziehen. Von emotionaler Distanz kann&nbsp;also nicht&nbsp;die Rede sein. Ganz im Gegenteil sieht man im Fall von Karsten, wie gut sich r\u00e4umliche Distanz mithilfe einer \u00e4u\u00dferst ausgepr\u00e4gten emotionalen N\u00e4he zur eigenen Familie \u00fcberwinden l\u00e4sst.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade wenn man in einem fremden Land lebt, kann die eigene Familie als eine Art verbindendes Element zwischen einem Menschen und seiner Heimat&nbsp;fungieren: <strong>\u201e<\/strong>Meine Familie ist meine Heimat\u201d, versichert Constanze Waesch. <strong>\u201e<\/strong>F\u00fcr uns beide steht Familie an erster Stelle. Und mit dem Alter ver\u00e4ndern sich nat\u00fcrlich die Priorit\u00e4ten. Wenn man jung ist, denkt man vor allem&nbsp;daran, Reichtum und materiellen Besitz anzuh\u00e4ufen, damit es einem dann sp\u00e4ter im Leben gut geht. In meiner Familie konnte ich allerdings beobachten, wie schnell sich das alles umgedreht hat. Denn wenn es einem auf einmal nicht mehr gut geht, dann n\u00fctzt materielles Wohl nichts mehr. In diesem Sinne w\u00fcrde ich schon sagen, dass es f\u00fcr mich und Christian nichts Wichtigeres als das Wohlergehen der eigenen Familie gibt.\u201d&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Connie und Christian w\u00fcrden im Gegensatz zu Kasten nicht behaupten, dass sie aus Deutschland ausgewandert sind.&nbsp;\u201eWenn&nbsp;wir&nbsp;nach Thailand umgezogen w\u00e4ren, dann k\u00f6nnten&nbsp;wir&nbsp;schon sagen, dass&nbsp;wir&nbsp;so richtig ausgewandert&nbsp;sind. Wenn&nbsp;wir&nbsp;aber in den Flieger einsteigen, dann&nbsp;sind&nbsp;wir in zwei Stunden wieder in Berlin. Ich musste fr\u00fcher zum Teil gr\u00f6\u00dfere Strecken zur\u00fccklegen, als ich damals f\u00fcr meine Arbeit von Stadt zu Stadt hin- und hergefahren bin\u201d, erkl\u00e4rt Connie. Als sie dann allerdings ihre Entscheidung mit der Familie teilte, f\u00fcr eine Weile nach Bulgarien zu ziehen, stie\u00df sie nicht gleich auf Zustimmung:&nbsp;\u201eAlle Familienmitglieder au\u00dfer meiner Mutter haben uns damals den Vogel gezeigt. Mittlerweile ist es aber so, dass der, der am meisten geschimpft hat, regelm\u00e4\u00dfig hierher kommt und mit dem Enkelkind Urlaub macht.\u201d&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Heimat bleibt nun mal Heimat&nbsp;<\/h2>\n\n\n\n<p>Wie empfinden Menschen, die ins Ausland gezogen sind, die emotionale N\u00e4he zu ihrer Heimat? Hier gilt wie bei fast allem anderen: Es gibt solche und solche Menschen. Karsten Renner bezeichnet sich selber als ein <strong>\u201e<\/strong>Aussteiger aus der deutschen Gesellschaft\u201d. Er identifiziert sich nicht gerne mit der Gesellschaft und dem politischen System Zuhause.&nbsp;Seine Heimat hat er nun verlassen &#8211;&nbsp;aber noch lange nicht vergessen.&nbsp;Den Ort, an dem man geboren wurde, vergisst man&nbsp;in Wirklichkeit&nbsp;nicht&nbsp;so leicht,&nbsp;denn er ist meist an bestimmten Erinnerungen und Menschen gebunden. <strong>\u201e<\/strong>Heimat ist f\u00fcr mich keine bestimmte Stadt, keine Gegend und auch kein Land. Das liegt wahrscheinlich daran, dass das Land, in&nbsp;dem&nbsp;ich geboren wurde &#8211;&nbsp;die DDR &#8211;&nbsp;abgeschafft wurde\u201d, bemerkt er l\u00e4chelnd und mit einer Prise Selbstironie. <strong>\u201e<\/strong>F\u00fcr mich bedeutet Heimat in erster Linie Familie\u201d, versichert Karsten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Im Gegensatz zu Karsten fassen Connie und ihr Mann Christian den Begriff&nbsp;\u201eHeimat\u201d etwas weiter: <strong>\u201e<\/strong>Heimat ist da, wo man sich wohlf\u00fchlt.&nbsp;In Bulgarien ist es wundersch\u00f6n und wir k\u00f6nnten schon sagen, dass es f\u00fcr uns eine Art zweite Heimat geworden ist. Immerhin: Deutschland ist und bleibt unsere Heimat. Wir sind nicht&nbsp;aus&nbsp;unserer Heimat geflohen. Es hat sich einfach eine Chance f\u00fcr uns ergeben,&nbsp;etwas Neues auszuprobieren und diese haben wir auch wahrgenommen. Deutschland tragen wir selbst hier im Ausland in unseren Herzen\u201d, sagt Connie. <strong>\u201e<\/strong>Wir werden nat\u00fcrlich immer Berliner bleiben. Wir sind da geboren und der Alexanderplatz wird immer unsere Heimat bleiben, ob wir das wollen oder nicht\u201d, versichert Christian. Einiges hat er jedoch in diesem Sinne zu bem\u00e4ngeln: <strong>\u201e<\/strong>Es gibt Deutsche, die wissen nicht mal, wo das eine oder andere weltweit bekannte Denkmal in der eigenen Heimat liegt\u201d. Er pl\u00e4diert daf\u00fcr, das eigene Land wiederzuentdecken, bevor man sich auf den wichtigen Schritt&nbsp;einl\u00e4sst, ins Ausland zu ziehen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Was Karsten, Connie und Christian verbindet, ist nicht zuletzt&nbsp;die Liebe zur eigenen Heimat. Ihre (alte) Heimat Deutschland lieben sie&nbsp;zutiefst. Und trotzdem (oder besser gesagt: und genau deswegen) wollen sie ihr ihre Kritik nicht vorenthalten. <strong>\u201e<\/strong>Ob&nbsp;wir uns&nbsp;vorstellen k\u00f6nnen, zur\u00fcck nach Deutschland zu gehen? Im Hier und Jetzt eindeutig nicht\u201d, gibt Connie zu wissen. Es m\u00fcsse sich vieles \u00e4ndern, damit sie und ihr Ehemann Christian den Schritt zur\u00fcck in die Heimat wagen w\u00fcrden. Das deutsche Rentensystem ist einer der Punkte, die hier zunehmend in die Kritik geraten:&nbsp;\u201eIch und mein Mann werden dieses Jahr sechzig. Das Thema Rente ist in Deutschland so weit nach hinten gerutscht, dass wir vielleicht gar keine Rente mehr kriegen werden. Oder im besten Fall erst dann, wenn wir schon 70 sind. Aber wir haben vorgesorgt und sorgen weiter vor\u201d, erkl\u00e4rt Connie. Der Anteil der im Rentenalter erwerbst\u00e4tigen Menschen in Deutschland hat sich in den letzten 10 Jahren verdoppelt. Heutzutage wird au\u00dferdem dar\u00fcber diskutiert, das&nbsp;Renteneintrittsalter weiter nach hinten zu verschieben. Derzeit liegt&nbsp;es&nbsp;bei 67 Jahren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>So gibt es derzeit viele, die sich nach Renteneintritt&nbsp;f\u00fcr einen Umzug in osteurop\u00e4ische L\u00e4nder wie Bulgarien entscheiden. Denn dort sind die Lebenshaltungs- und Mietkosten in der Regel viel niedriger als im eigenen Land. Damit geht aber nicht selten ein deutlich niedrigerer Lebensstandard&nbsp;einher&nbsp;als in anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern:&nbsp;\u201eEs ist nat\u00fcrlich am sinnvollsten, in Deutschland sein Geld zu verdienen und dieses dann hier auszugeben, denn f\u00fcr sein Geld kriegt man in Bulgarien meist viel mehr als in Deutschland\u201d, erkl\u00e4rt Karsten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Menschen, die sich als <strong>\u201e<\/strong>Aussteiger aus der Gesellschaft\u201d bezeichnen und ihr eigenes Land verlassen, weil sie mit bestimmten Gegebenheiten in diesem nicht zufrieden sind, gibt es \u00fcbrigens nicht seit gestern:<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-uagb-info-box uagb-block-c157e0cd uagb-infobox__content-wrap  uagb-infobox-icon-above-title uagb-infobox-image-valign-top\"><div class=\"uagb-ifb-content\"><div class=\"uagb-ifb-image-content\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/istockphoto-1149246206-612x612-2-150x150.jpg\" width=\"120\" height=\"120\" loading=\"lazy\" \/><\/div><div class=\"uagb-ifb-title-wrap\"><h3 class=\"uagb-ifb-title\">Augustus Engelhardt &#8211; der \u201eRitter der Kokosnuss&#8220;<\/h3><\/div><div class=\"uagb-ifb-separator\"><\/div><p class=\"uagb-ifb-desc\">August Engelhardt zog im Jahre&nbsp;1902&nbsp;in das&nbsp;damalige&nbsp;deutsche&nbsp;Kolonialgebiet Deutsch-Neuguinea.&nbsp;Dort&nbsp;hat&nbsp;er&nbsp;den&nbsp;\u201eSonnenorden \u2013 Aequatoriale Siedlungsgemeinschaft\u201c&nbsp;gegr\u00fcndet:&nbsp;eine Lebensphilosophie, die mit der Zeit zunehmend religi\u00f6se Z\u00fcge annahm<s>.<\/s>&nbsp;Die&nbsp;Freik\u00f6rperkultur, die zu den&nbsp;wichtigsten&nbsp;Grunds\u00e4tzen des Sonnenordens geh\u00f6rte, galt zu seiner Zeit als rechtswidrig in Europa \u2013&nbsp;das brachte ihn&nbsp;buchst\u00e4blich&nbsp;\u201eauf die Palme\u201d.&nbsp;Seine&nbsp;philosophische&nbsp;Lehre beruhte auf der Annahme, die Kokosnuss sei die vollkommenste Nahrung f\u00fcr den Menschen, da sie der Sonne, also der Quelle allen&nbsp;Lebens, am n\u00e4chsten w\u00e4chst. Wer sich also ausschlie\u00dflich von Kokosn\u00fcssen ern\u00e4hrte, sollte einen g\u00f6ttlichen Zustand der Unsterblichkeit erreichen.&nbsp;Der Ritter der Kokosnuss&nbsp;galt in seiner neuen Heimat Deutsch-Neuginea bis zum Ende seines Lebens als eine echte Legende.<\/p><\/div><\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ein&nbsp;deutsches Leben in Bulgarien&nbsp;<\/h2>\n\n\n\n<p>Ein Leben au\u00dferhalb der Heimat stellen sich viele Menschen als unbequem&nbsp;vor. In der&nbsp;eigenen&nbsp;Heimat kennt sich&nbsp;der Mensch&nbsp;aus&nbsp;&#8211;&nbsp;er&nbsp;ist mit den Br\u00e4uchen und Sitten des Landes vertraut&nbsp;und&nbsp;wei\u00df,&nbsp;wie die&nbsp;Dinge&nbsp;laufen. In einem fremden Land hingegen muss sich&nbsp;einer&nbsp;erst&nbsp;einleben&nbsp;und&nbsp;vieles&nbsp;neu lernen &#8211; wie die Menschen vor Ort denken, wie sie leben und was sie bewegt. Der Alltag als Ausl\u00e4nder in einem fremden Land hat allerdings nicht nur Nachteile, sondern bringt auch einige&nbsp;Vorteile&nbsp;mit&nbsp;sich:&nbsp;\u201eIn Bulgarien ist das Leben entspannter. Die Menschen gehen hier sorgsam miteinander um und z\u00f6gern nicht lange, bevor sie einem nahekommen\u201d, meint Connie. Derselben Meinung ist auch Karsten: \u201eIch finde schon, dass die Bulgaren um einiges offener und herzlicher sind als wir Deutsche. Sie haben keine Angst, sich selbst und ihre eigenen Gef\u00fchle zu offenbaren und auch mal aus dem Herzen zu sprechen. Mit ihnen kann man meist leicht ins Gespr\u00e4ch kommen. Und hilfsbereit sind sie auch.&#8220; Auf die Hilfe der Einheimischen ist man als Ausl\u00e4nder in einem fremden Land zumindest am Anfang nat\u00fcrlich angewiesen.&nbsp;\u201eMit Englisch kommt man hier meist gut zurecht. Im Notfall verst\u00e4ndigt man sich ja mit H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen. Selbst aus weniger angenehmen Situationen kann man mit L\u00e4cheln und Nicken rauskommen\u201d, erkl\u00e4rt Connie. Und wenn es dann doch um&nbsp;wichtige Angelegenheiten&nbsp;wie Beh\u00f6rdeng\u00e4nge und rechtliche&nbsp;Fragen&nbsp;geht, stehen Einheimische, die gut Deutsch sprechen k\u00f6nnen, mit Rat und Tat&nbsp;bereit. Manche&nbsp;haben daraus sogar ein Gesch\u00e4ftsmodell gemacht.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p>In der Regel stehen deutsche Auswanderer aber vor allem zu Beginn vor solchen formalen Problemen. Im Alltag geht es normalerweise lockerer zu: <strong>\u201e<\/strong>Seitdem ich hier in Bulgarien lebe, ist mein Alltag wieder ausgewogener geworden. Fr\u00fcher war ich immer tief in meine Arbeit versunken.&nbsp;Am Anfang, als ich&nbsp;begonnen habe,&nbsp;meine Firma aufzubauen,&nbsp;gab es sogar&nbsp;eine Periode von gut 10 Jahren,&nbsp;in denen&nbsp;ich nicht mehr als 4 Stunden die Nacht geschlafen und 7 Tage die Woche gearbeitet habe. Das hat sich jetzt ge\u00e4ndert\u201d, versichert Karsten. In seiner neuen Heimat hat er die Balance zwischen privatem und beruflichem Leben wiederentdeckt.&nbsp;\u201eTags\u00fcber arbeite ich am Aufbau meiner Firma. Ich erledige alles, was auf meinem Tagesplan steht und am sp\u00e4ten Nachmittag habe ich dann Zeit, mein Leben zu genie\u00dfen und mich mit Freunden und Bekannten zu treffen. Ich f\u00fchle mich hier einfach entspannt. Auf einmal habe ich f\u00fcr viele pers\u00f6nliche Sachen Zeit, die ich fr\u00fcher aufgrund meiner Arbeit mehr oder weniger absichtlich ignoriert habe.\u201d<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/WhatsApp-Image-2021-06-28-at-00.50.00-768x1024.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2282\" srcset=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/WhatsApp-Image-2021-06-28-at-00.50.00-768x1024.jpeg 768w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/WhatsApp-Image-2021-06-28-at-00.50.00-225x300.jpeg 225w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/WhatsApp-Image-2021-06-28-at-00.50.00-1152x1536.jpeg 1152w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/WhatsApp-Image-2021-06-28-at-00.50.00.jpeg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">\u201eMan muss sich im Leben ein bisschen umschauen und sich vor allem auch immer fragen: Was gibt es sonst so auf der Welt&#8220; \/ Pers\u00f6nliches Fotoarchiv von Karsten&nbsp;Renner<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p>Willst du&nbsp;mehr \u00fcber das Leben von Karsten, Connie und Christian in Bulgarien erfahren und herausfinden, welche Erfahrungen sie dort gemacht haben? Dann h\u00f6re&nbsp;gerne unseren Podcast zum Thema&nbsp;\u201eFlucht von Zuhause\u201d an.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/Auswanderer-Website.mp3\"><\/audio><\/figure>\n\n\n\n<p>Wenn&nbsp;dich&nbsp;die Gegenseite interessiert,&nbsp;genau genommen, wie es ausl\u00e4ndischen Studierenden in Deutschland w\u00e4hrend der Corona-Krise erging? Dann&nbsp;lies&nbsp;gerne den Artikel von <a href=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/ein-einsames-semester\/\">Katharina Waxenegger<\/a>.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Quellen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>https:\/\/sofia.diplo.de\/blob\/1460018\/f4b17cfd14ee86cc0b6ed1a446038230\/datenblatt-bulgarien-data.pdf\u00a0<\/li>\n\n\n\n<li>https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/1100739\/umfrage\/entwicklung-der-taeglichen-fallzahl-des-coronavirus-in-deutschland\/<\/li>\n\n\n\n<li>http:\/\/library.fes.de\/pdf-files\/id\/gewerkschaftsmonitore\/16047\/2021-bulgarien.pdf<\/li>\n\n\n\n<li>https:\/\/www.bulgarien-franz.de\/2017\/04\/14\/deutsche-in-bulgarien-finden\/<\/li>\n\n\n\n<li>https:\/\/www.bpb.de\/izpb\/298553\/historischer-kontext-deutsche-in-und-aus-osteuropa?p=all<\/li>\n\n\n\n<li>https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Presse\/Pressemitteilungen\/2021\/06\/PD21_N041_12.html<\/li>\n\n\n\n<li>https:\/\/www.spiegel.de\/geschichte\/aussteiger-august-engelhardt-der-herr-der-kokosnuesse-a-1195030.html<\/li>\n<\/ul>\n<script language='javascript' type='text\/javascript'>function getWR360PopupSkin(){return 'light_clean';}<\/script>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDer Mensch hat immer eine Heimat und w\u00e4r es nur der Ort, wo er gestern war und heute nicht mehr ist.&#8220; (Alexander von Villers)<\/p>\n","protected":false},"author":421,"featured_media":2417,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_uag_custom_page_level_css":"","footnotes":""},"categories":[8],"tags":[47,46,50,48],"class_list":["post-1236","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-lebenskonzepte","tag-ausland","tag-auswanderer","tag-familie","tag-heimat"],"acf":[],"pbg_featured_image_src":{"full":["https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/360_F_87683977_SLlewjeLrmfEsRV1vNl0eMLjOaCrGETY.jpg",540,360,false],"thumbnail":["https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/360_F_87683977_SLlewjeLrmfEsRV1vNl0eMLjOaCrGETY-150x150.jpg",150,150,true],"medium":["https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/360_F_87683977_SLlewjeLrmfEsRV1vNl0eMLjOaCrGETY-300x200.jpg",300,200,true],"medium_large":["https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/360_F_87683977_SLlewjeLrmfEsRV1vNl0eMLjOaCrGETY.jpg",540,360,false],"large":["https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/360_F_87683977_SLlewjeLrmfEsRV1vNl0eMLjOaCrGETY.jpg",540,360,false],"1536x1536":["https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/360_F_87683977_SLlewjeLrmfEsRV1vNl0eMLjOaCrGETY.jpg",540,360,false],"2048x2048":["https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/360_F_87683977_SLlewjeLrmfEsRV1vNl0eMLjOaCrGETY.jpg",540,360,false],"quadro-sq-thumb":["https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/360_F_87683977_SLlewjeLrmfEsRV1vNl0eMLjOaCrGETY.jpg",540,360,false],"quadro-med-thumb":["https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/360_F_87683977_SLlewjeLrmfEsRV1vNl0eMLjOaCrGETY.jpg",540,360,false],"quadro-full-thumb":["https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/360_F_87683977_SLlewjeLrmfEsRV1vNl0eMLjOaCrGETY.jpg",540,360,false]},"pbg_author_info":{"display_name":"Radina Dimova","author_link":"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/author\/dimova01\/","author_img":"<img alt='Radina Dimova' src='https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/e15f66390d511bd7c2a42dc4f550c50e75e6540704021c2baa4a32b46c876f69?s=128&#038;d=mm&#038;r=g' srcset='https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/e15f66390d511bd7c2a42dc4f550c50e75e6540704021c2baa4a32b46c876f69?s=256&#038;d=mm&#038;r=g 2x' class='avatar avatar-128 photo' height='128' width='128' loading='lazy' decoding='async'\/>"},"pbg_comment_info":" No Comments","pbg_excerpt":"\u201eDer Mensch hat immer eine Heimat und w\u00e4r es nur der Ort, wo er gestern war und heute nicht mehr ist.\" (Alexander von Villers)","uagb_featured_image_src":{"full":["https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/360_F_87683977_SLlewjeLrmfEsRV1vNl0eMLjOaCrGETY.jpg",540,360,false],"thumbnail":["https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/360_F_87683977_SLlewjeLrmfEsRV1vNl0eMLjOaCrGETY-150x150.jpg",150,150,true],"medium":["https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/360_F_87683977_SLlewjeLrmfEsRV1vNl0eMLjOaCrGETY-300x200.jpg",300,200,true],"medium_large":["https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/360_F_87683977_SLlewjeLrmfEsRV1vNl0eMLjOaCrGETY.jpg",540,360,false],"large":["https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/360_F_87683977_SLlewjeLrmfEsRV1vNl0eMLjOaCrGETY.jpg",540,360,false],"1536x1536":["https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/360_F_87683977_SLlewjeLrmfEsRV1vNl0eMLjOaCrGETY.jpg",540,360,false],"2048x2048":["https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/360_F_87683977_SLlewjeLrmfEsRV1vNl0eMLjOaCrGETY.jpg",540,360,false],"quadro-sq-thumb":["https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/360_F_87683977_SLlewjeLrmfEsRV1vNl0eMLjOaCrGETY.jpg",540,360,false],"quadro-med-thumb":["https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/360_F_87683977_SLlewjeLrmfEsRV1vNl0eMLjOaCrGETY.jpg",540,360,false],"quadro-full-thumb":["https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2021\/07\/360_F_87683977_SLlewjeLrmfEsRV1vNl0eMLjOaCrGETY.jpg",540,360,false]},"uagb_author_info":{"display_name":"Radina Dimova","author_link":"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/author\/dimova01\/"},"uagb_comment_info":0,"uagb_excerpt":"\u201eDer Mensch hat immer eine Heimat und w\u00e4r es nur der Ort, wo er gestern war und heute nicht mehr ist.\" (Alexander von Villers)","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1236","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-json\/wp\/v2\/users\/421"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1236"}],"version-history":[{"count":42,"href":"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1236\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4291,"href":"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1236\/revisions\/4291"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2417"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1236"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1236"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/unnahbar\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1236"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}