{"id":965,"date":"2020-07-23T13:13:50","date_gmt":"2020-07-23T11:13:50","guid":{"rendered":"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/blutjung\/?p=965"},"modified":"2020-07-24T11:41:38","modified_gmt":"2020-07-24T09:41:38","slug":"blut-ist-rot-und-glitzert-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/blutjung\/2020\/07\/23\/blut-ist-rot-und-glitzert-nicht\/","title":{"rendered":"Blut ist rot und glitzert nicht"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Insgesamt \u00fcber sechs Jahre hat eine Frau* ihre Tage. Ohne sie w\u00e4re neues Leben gar nicht m\u00f6glich und dennoch war und ist die Menstruation stets ein Tabuthema. Nicht mal Frau* selbst kann in vielen F\u00e4llen offen dar\u00fcber sprechen.&nbsp;Wie die Aufkl\u00e4rung zum Thema Menstruation neben den eigenen Eltern und Lehrern noch vollzogen werden kann, zeigt eine Sozialp\u00e4dagogin mit ihrer Arbeit.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align: left\">Ein Vorraum einer Turnhalle. Reihum verstreut warten 17 M\u00e4dchen* eines Gymnasiums in M\u00fcnchen. Sie zappeln hin und her, tauschen sich aus und wirken gespannt. Sie sind Sch\u00fclerinnen* einer f\u00fcnften Klasse. Ihre m\u00e4nnlichen Mitsch\u00fcler* wurden bereits abgeholt. Bevor es auch f\u00fcr die M\u00e4dchen* los geht, m\u00fcssen sie noch eingeteilt werden. Sie d\u00fcrfen selbst entscheiden, in welcher Gruppe sie dabei sein wollen. Die erste Gruppe geht mit Danii Arendt mit, die zweite mit Zsuzsa Sandor. Die beiden sind Sozialp\u00e4dagoginnen und arbeiten f\u00fcr das amanda Projekt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Bei der amanda M\u00e4dchen*- und Frauen*arbeit werden Seminare zu verschiedenen Themen der Aufkl\u00e4rung gehalten. Vorrangige Aufgabe ist es hier, mit den M\u00e4dchen* ins Gespr\u00e4ch zu kommen und Erfahrungen auszutauschen. So sollen die unterschiedlichen Wege aufgezeigt und den Teilnehmerinnen* bewusst werden, dass es nicht nur den einen Lebensweg gibt.<\/p>\n<p>Zsuzsa wird im folgenden mit ihrem Vornamen erw\u00e4hnt, da sie so auch von den Sch\u00fclerinnen* angesprochen wird.<\/p>\n<p>Heute sind sie und ihre Kollegin Danii Arendt am Gymnasium in M\u00fcnchen zu Besuch, um den M\u00e4dchen* Themen der Sexualp\u00e4dagogik n\u00e4her zu bringen. Ihre Arbeit ist relevant, weil die Aufkl\u00e4rung zuhause oft l\u00fcckenhaft und nicht ausreichend an die Bed\u00fcrfnisse von Heranwachsenden angepasst ist.<\/p>\n<p>Aus einer Studie von 2015 zum Thema \u201eJugendsexualit\u00e4t\u201c der Bundeszentrale f\u00fcr gesundheitliche Aufkl\u00e4rung geht hervor, dass die h\u00e4usliche Aufkl\u00e4rung im Jahr 2014 einen Abw\u00e4rtstrend verzeichnet. Abgel\u00f6st wird diese Rolle beispielsweise von Schule und Internet. Jedoch wird zudem deutlich, dass die Aufkl\u00e4rung durch die eigenen Eltern immer noch als relevant zu beurteilen ist und dass M\u00fctter und V\u00e4ter somit weiterhin als wichtige Vertrauenspersonen fungieren.&nbsp;<\/p>\n<p>Zsuzsa nimmt neun der M\u00e4dchen* mit in die erste der verf\u00fcgbaren Turnhallen. Sie zieht einen Rollrucksack hinter sich her und weist den Sch\u00fclerinnen* den Weg.<\/p>\n<p>Seit \u00fcber zehn Jahren arbeitet sie bei amanda.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><span style=\"color:#b0d5e2\" class=\"tadv-color\">\u201eDer Wunsch auf dem Gebiet der Frauen*- und M\u00e4dchen*arbeit zu arbeiten, kam aus meiner pers\u00f6nlichen Geschichte. Die st\u00e4ndige Benachteiligung, die ich als M\u00e4dchen und junge&nbsp;Frau erfahren habe, brachte mich dazu, dass ich unbedingt f\u00fcr M\u00e4dchen* und junge Frauen* da sein wollte, die Unterst\u00fctzung auf ihrem Weg f\u00fcr ein selbstbestimmtes Leben brauchen\u201c, erz\u00e4hlt sie im Gespr\u00e4ch.<\/span><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Jedes M\u00e4dchen* sucht sich einen Platz auf einer Turnbank. Zwischen ihnen gen\u00fcgend Raum, weil die Corona-Hygiene-Bestimmungen das so verlangen. Mit&nbsp;amanda&nbsp;hatten die Sch\u00fclerinnen* wohl schon einmal zu tun. Und auch wirkt es so, als w\u00fcssten sie ganz genau, worum es heute gehen soll. Auf eine&nbsp;Nachfrage&nbsp;dazu grinsen sie, es antwortet jedoch keins der M\u00e4dchen*. Bevor es eine Vorstellungsrunde gibt, erz\u00e4hlt Zsuzsa den jungen Frauen* noch von einer Schweigepflicht, sie erkl\u00e4rt, was das genau bedeutet.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dferdem ist es ihr wichtig, dass die M\u00e4dchen* wissen, dass sie immer fragen k\u00f6nnen. Und dass auch vermeintliche Tabuw\u00f6rter ausgesprochen werden d\u00fcrfen: \u201eIn vielen Elternh\u00e4usern wird immer noch nicht ausf\u00fchrlich \u00fcber Menstruation gesprochen. Die M\u00e4dchen* verbinden letztendlich immer Schmerzen damit oder, dass Blut und Ausfl\u00fcsse ekelhaft sind. Wir m\u00fcssen schon sehr dran arbeiten, dass wir gegen diese Vorurteile ankommen k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Und das muss nat\u00fcrlich auch nicht vor allen \u00f6ffentlich passieren. Auch au\u00dferhalb der Gruppe, in Pausen oder nach dem Seminar sind sie stets f\u00fcr Fragen bereit.<\/p>\n<p>Auf ihrer Agenda stehen also immer die Bed\u00fcrfnisse der Sch\u00fclerinnen*, die m\u00f6glichen \u00c4ngste und auf die Fragen der M\u00e4dchen* Antworten zu haben. \u201eUns ist es wichtig, dass nicht nur die biologische Sexualp\u00e4dagogik stattfindet, sondern auch andere Aspekte besprochen werden\u201c, sagt sie weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Dominik Kling, ebenfalls Kollege von Zsuzsa und Danii Arendt, arbeitet f\u00fcr die Jungenarbeit goja, sozusagen das Pendant zu amanda. Auch bei ihrer Arbeit spielt das Thema des weiblichen Zyklus und der Menstruation eine bedeutende Rolle. Die beiden Projekte kooperieren zusammen. Wenn sie also an Schulen zu Besuch sind, dann gemeinsam, aber in den meisten F\u00e4llen getrennt voneinander.<\/p>\n<p>F\u00fcr ihn ist es wichtig, dass Eltern Themen dieser Art \u00fcberhaupt zur Sprache bringen: \u201eIch glaube, dass Eltern das Angebot leisten m\u00fcssen zu sagen: Okay, ich bin potentieller Ansprechpartner. Also, dass sie signalisieren: Hey ich bin f\u00fcr dich da, ich erkl\u00e4r\u2019 dir das so gut ich kann\u201c. Wenn sie es n\u00e4mlich nicht thematisieren, fragen sich Jugendliche, ob sie diese Themen selbst auch verheimlichen m\u00fcssen, sagt er.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-large is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><span style=\"color:#b0d5e2\" class=\"tadv-color\">&#8222;Ich glaube es ist wichtig, dass Eltern signalisieren: Hey, ich bin f\u00fcr dich da, ich erkl\u00e4r&#8216; dir das so gut ich kann.&#8220;<\/span><\/p><cite>Dominik Kling<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Um ihr Programm heute zu er\u00f6ffnen, beginnt Zsuzsa mit dem Thema Pubert\u00e4t.<\/p>\n<p>Sie versucht die Sch\u00fclerinnen* auf eine Art zu leiten, sodass sie selbst auf die Antworten kommen. Die M\u00e4dchen* sind sch\u00fcchtern. Aber das ist bei diesem Thema normal: \u201eErstmal sind die M\u00e4dels* sehr gschamig, also eher sehr schweigsam und sie finden es irgendwie komisch, dass da jetzt diese Frau da ist und \u00fcber irgendwelche Tabu- und Schamthemen redet.\u201c<\/p>\n<p>Dominik Kling erkl\u00e4rt den m\u00f6glichen Grund f\u00fcr das Verhalten der Sch\u00fcler: \u201eWir haben oftmals eine Schambehaftung beim Thema Sexualit\u00e4t und allem, was mit weiblicher Sexualit\u00e4t zu tun hat. Es f\u00e4ngt damit an, dass ein Junge* seinen Penis sieht, und ein M\u00e4dchen* die Scheide aber nicht. Das wird in einer Form besch\u00e4mt, als dass es nichts im Alltag zu suchen h\u00e4tte, dass es keinen Platz daf\u00fcr g\u00e4be.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Nach und nach schaffen es dennoch ein paar Stichworte und Einf\u00e4lle zum Thema Pubert\u00e4t auf Moderationskarten in die Mitte des Turnbankkreises. \u201eMan bekommt seine Tage\u201c, hilft Zsuzsa nach einer Weile. \u201eWelche W\u00f6rter kennt ihr noch?\u201c, wirft sie dann in den Raum. Begriffe wie Menstruation, Periode, Tante Rosa oder Erdbeerwoche sammeln sie und die jungen Frauen* gemeinsam. Der Begriff \u201eRegel\u201c ist eher unbekannt.<\/p>\n<p>Aus einer Studie der BZgA aus dem Jahr 2006 wird ersichtlich, dass der Prozentsatz derjenigen M\u00e4dchen*, die ihre Menarche mit 11-12 Jahren erfahren haben, weiter angestiegen ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-large is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><span style=\"color:#b0d5e2\" class=\"tadv-color\">Aus einer Studie der BZgA wird ersichtlich, dass der Prozentsatz derjenigen M\u00e4dchen*, die ihre Menarche mit 11-12 Jahren erfahren, weiter angestiegen ist.<\/span><\/p><p><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Zudem ist mit Verweis auf die Ergebnisse des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys von 2007 zu sagen, dass es ethische Unterschiede in Bezug auf den Einsatz der ersten Regelblutung gibt. So haben beispielsweise t\u00fcrkische M\u00e4dchen* der zweiten und dritten Generation, die in den Niederlanden oder Deutschland leben, fr\u00fcher als einheimische M\u00e4dchen* ihre Menarche.<\/p>\n<p>Der K\u00f6rper ver\u00e4ndert sich, weil er sich \u00fcber viele Jahre auf eine Schwangerschaft vorbereitet.<\/p>\n<p>Bei dem Thema Schwangerschaft und Babys werden die Sch\u00fclerinnen* pl\u00f6tzlich interessierter.&nbsp; Ein M\u00e4dchen* mit hellbraunem Haar und einer Brille mit d\u00fcnnem Metallrahmen, das links von Zsuzsa sitzt, bekommt gro\u00dfe Augen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWoher kommt denn das Blut?\u201c, fragt Zsuzsa weiter. Im n\u00e4chsten Moment z\u00fcckt sie das Paomi einer Geb\u00e4rmutter.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile\" style=\"grid-template-columns:36% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"809\" src=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/blutjung\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2020\/07\/IMG_6780-1-1024x809.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2051\" srcset=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/blutjung\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2020\/07\/IMG_6780-1-1024x809.jpeg 1024w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/blutjung\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2020\/07\/IMG_6780-1-300x237.jpeg 300w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/blutjung\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2020\/07\/IMG_6780-1-768x607.jpeg 768w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/blutjung\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2020\/07\/IMG_6780-1-1536x1214.jpeg 1536w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/blutjung\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2020\/07\/IMG_6780-1-2048x1618.jpeg 2048w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/blutjung\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2020\/07\/IMG_6780-1-1400x1106.jpeg 1400w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/blutjung\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2020\/07\/IMG_6780-1-1250x988.jpeg 1250w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/blutjung\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2020\/07\/IMG_6780-1-400x316.jpeg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p class=\"has-large-font-size\"><span style=\"color:#b0d5e2\" class=\"tadv-color\">Paomis hei\u00dfen ausgesprochen &#8222;part of mine&#8220;. Sie sehen aus und f\u00fchlen sich an wie Stofftiere. Aber in Form von K\u00f6rperteilen. Sie dienen damit zur Veranschaulichung und Erkl\u00e4rung von Eigenschaften und Abl\u00e4ufen des menschlichen K\u00f6rpers.&nbsp;<\/span><\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p>Zsuzsa h\u00e4lt es in der Luft vor ihren Unterbauch, um zu zeigen, wo sich das Organ im Menschen befindet.&nbsp;Daraufhin werden die weiblichen \u00e4u\u00dferen Geschlechtsorgane ausf\u00fchrlich erkl\u00e4rt. Auch hier hat Zsuzsa passende Paomis dabei. Normalerweise liegen die im roten Zimmer. Dort finden f\u00fcr gew\u00f6hnlich die Projekte zum Thema statt. Weil das rote Zimmer wesentlich kleiner als eine Schulturnhalle ist, und ein Sicherheitsabstand zueinander dort nicht gew\u00e4hrleistet werden kann, ziehen Zsuzsa und ihre Kollegin Danii Arendt nun vorerst mobil mit ihrem roten Zimmer von Schule zu Schule und halten ihre Projekte vor Ort.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed-youtube wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Das rote Zimmer\" width=\"960\" height=\"540\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/bD-77bxxYLM?feature=oembed&#038;wmode=opaque&#038;enablejsapi=1&#038;playerapiid=ytplayer\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><figcaption>Sozialp\u00e4dagogin Zsuzsa Sandor gibt einen Einblick in das rote Zimmer<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed-wordpress wp-block-embed is-type-wp-embed is-provider-blutjung\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\nhttps:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/blutjung\/2020\/07\/22\/nicht-die-regel\/\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>Im vergangenen Jahr besuchten rund 324 M\u00e4dchen* in insgesamt 27 Seminaren die Ausstellung des roten Zimmers. Urspr\u00fcnglich diente das Zimmer nur zu besonderen Anl\u00e4ssen, wie dem internationalen Frauentag. Weil das Interesse immer weiter gestiegen ist, wurde die Ausstellung durch die Einrichtung eines gesamten Zimmers auch anderen Gruppen, wie beispielsweise Schulklassen, zug\u00e4nglich gemacht.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"767\" src=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/blutjung\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2020\/07\/IMG_6746-1024x767.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1000\" srcset=\"https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/blutjung\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2020\/07\/IMG_6746-1024x767.jpeg 1024w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/blutjung\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2020\/07\/IMG_6746-300x225.jpeg 300w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/blutjung\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2020\/07\/IMG_6746-768x576.jpeg 768w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/blutjung\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2020\/07\/IMG_6746-1536x1151.jpeg 1536w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/blutjung\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2020\/07\/IMG_6746-2048x1535.jpeg 2048w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/blutjung\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2020\/07\/IMG_6746-1400x1049.jpeg 1400w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/blutjung\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2020\/07\/IMG_6746-1250x937.jpeg 1250w, https:\/\/wp.zim.uni-passau.de\/blutjung\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2020\/07\/IMG_6746-400x300.jpeg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Zsuzsa Sandor, Sozialp\u00e4dagogin des amanda Projekts im roten Zimmer in M\u00fcnchen<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Dann stellt sich Zsuzsa in die Mitte und sch\u00fcttelt ein leichtes, orangefarbenes Tuch und l\u00e4sst es wie eine Decke auf den Boden sinken. Auf diesem beginnt sie, mit dem Paomi der Geb\u00e4rmutter und weiteren T\u00fcchern ein Bild zu legen. \u201eOhne Schleimh\u00e4ute k\u00f6nnten wir eigentlich so gut wie nichts tun. Beispielsweise nicht sprechen oder schlucken. Und auch in der Geb\u00e4rmutter haben wir eine Schleimhaut\u201c, erkl\u00e4rt sie. Weil sich die im Zuge eines Zyklus immer weiter aufbaut, um eine eingenistete Eizelle und somit das Baby zu sch\u00fctzen, muss sich diese auch wieder abbauen, wenn es zu keiner Schwangerschaft kommt. Die M\u00e4dchen* verstehen, was Zsuzsa meint. \u201eSie wird also aufgebaut und muss wieder abgeblutet werden\u201c, hierf\u00fcr platziert sie ein rotes Tuch in der Mitte der Paomi-Geb\u00e4rmutter. Dass es blutet und schmerzt, weil sich die Geb\u00e4rmutter zusammenzieht, um die Schleimhaut zu l\u00f6sen und dabei \u00c4derchen verletzt werden, macht f\u00fcr die Sch\u00fclerinnen* greifbar, wie der K\u00f6rper funktioniert. Erstaunte Blicke sind im Raum zu finden. Ein blondes M\u00e4dchen* beispielsweise formt ihre Lippen zu einem O. Ihre Augen werden gro\u00df, als sie versteht, was im K\u00f6rper vor sich geht. Danach wird noch ausf\u00fchrlich \u00fcber den Prozess des Schwangerwerdens und Gef\u00fchle gesprochen, die man in einem Zyklus sp\u00fcren kann.<\/p>\n<p>\u201eMein Ziel ist es, dass die M\u00e4dchen* ihren eigenen K\u00f6rper und den Zyklus besser kennenlernen und ihre W\u00fcnsche, Bed\u00fcrfnisse und Erfahrungen wahr- und ernstnehmen. Somit sollen sie in verschiedenen Situationen in der Lage sein, die eigene Meinung zu vertreten und auch spontan \u201enein\u201c sagen zu k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>Im Anschluss daran holt Zsuzsa eine Tasche hervor. Auf einem weiteren Tuch breitet sie s\u00e4mtliche Hygieneprodukte aus.&nbsp;Nach und nach finden einige Tampons, Binden, Slipeinlagen, Menstruationsunterw\u00e4sche und&nbsp;-tassen ihren Platz auf dem Tuch. Als Zsuzsa alles ausgebreitet hat, fragt sie: \u201eWas benutzt man, wenn man seine Tage hat?\u201c. Die Sch\u00fclerin* mit den hellbraunen Haaren und der Brille mit Metallgestell meldet sich und wei\u00df, dass es beispielsweise Binden gibt. Den Rest der Produkte stellt Zsuzsa den M\u00e4dchen* vor. Danach zeigt sie, wie sie zu benutzen sind. Daf\u00fcr f\u00fchrt sie als erstes einen Tampon in die Scheide des Paomis ein. Aus der rechten Ecke h\u00f6rt man ein \u201eAh\u201c von einem der M\u00e4dchen*. Da die Menstruationstassen um einiges gr\u00f6\u00dfer sind, zeigt Zsuzsa auch hier, dass man sie zusammenfalten muss und trotz der Gr\u00f6\u00dfe gut im K\u00f6rper Platz finden und nicht wehtun. Das M\u00e4dchen* mit der Brille kann sich das kaum vorstellen: \u201eIch habe irgendwie ein bisschen Angst vor den Tassen, ich fange mit der Binde an und warte dann, ob das gut funktioniert.\u201c<\/p>\n<p>Dann meldet sich ein weiteres M\u00e4dchen*, sie hat dunkelbraunes langes Haar, dunkle Augen und auf den Lippen ein L\u00e4cheln: \u201eWas macht man, wenn man das erste Mal seine Tage bekommt, aufs Klo gehen muss und der Lehrer &#8222;nein&#8220; sagt?\u201c<\/p>\n<p>Darauf antwortet Zsuzsa: \u201eDann sagt man es einfach!\u201c. Und einige der M\u00e4dchen* nicken zustimmend.<\/p>\n<p>Zu der Reaktion von Schulen kann Zsuzsa erz\u00e4hlen: \u201eDie Schulen sind uns sehr dankbar, dass wir die Themen, die im Lehrplan stehen, mit den M\u00e4dchen* bearbeiten und vertiefen. Es gibt Schulen, die sich traditionell jedes Jahr bei uns melden und wir h\u00f6ren immer wieder, dass unsere Arbeit von zufriedenen M\u00e4dchen*beauftragten, Lehrkr\u00e4ften oder der Schulsozialarbeit weiterempfohlen wird.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-large is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><span style=\"color:#b0d5e2\" class=\"tadv-color\">&#8222;Die Schulen sind uns sehr dankbar, dass wir die Themen, die im Lehrplan stehen, mit den M\u00e4dchen* bearbeiten und vertiefen.&#8220;<\/span><\/p><cite>Zsuzsa Sandor<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Mehtap Mosavi ist Biologielehrerin am Gymnasium in M\u00fcnchen und sie sieht die Einladung von externen Referenten als Erg\u00e4nzung zum Unterrichtsstoff an: \u201eSie sind eine gro\u00dfe Unterst\u00fctzung, k\u00f6nnen den Unterricht aber nicht ersetzen.\u201c&nbsp;Nach ihren Erfahrungen trauen sich die Sch\u00fcler*innen Fragen zu stellen, wenn es sich nicht um die Lehrer*innen handelt.<\/p>\n<p>Dass es nicht so einfach f\u00fcr die M\u00e4dchen* sein kann, sich an Lehrer zu wenden, f\u00e4llt auf den ersten Blick m\u00f6glicherweise nicht auf.<\/p>\n<p>Dominik Kling hat folgende Erkl\u00e4rung: \u201eWenn ich wei\u00df, dass das mein Biolehrer ist, der mich auch bewertet, stell ich dann Fragen? Den sehe ich jeden Tag. Wir Sozialp\u00e4dagogen sind vielleicht zwei Stunden oder mal einen ganzen Tag lange vor Ort und dann kommen wir nie wieder.\u201c&nbsp;Zudem m\u00fcssen Lehrer seiner Meinung nach speziell geschult sein, nicht aufgrund der Informationen, aber aufgrund der Menge an umzusetzenden Lerninhalten und der Schambehaftung des Themas: \u201eDie Lehrkraft muss ja die eigene Scham \u00fcberwinden, um die Themen dann schamfrei den Jugendlichen vermitteln zu k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch habe mich nie gesch\u00e4mt das Thema so sachlich zu unterrichten, wie der Lehrplan es fordert. Es werden auch immer wieder Fortbildungen zum Thema Familien- und Sexualerziehung angeboten, die wir Lehrer besuchen k\u00f6nnen\u201c, erkl\u00e4rt Mehtap Mosavi. Zudem empfindet sie nicht, dass die Gesellschaft das Thema der Menstruation tabuisiert und f\u00fchrt hier die Umsetzung in Werbungen an. &nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-large is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><span style=\"color:#b0d5e2\" class=\"tadv-color\">&#8222;Ich denke nicht, dass die Gesellschaft das Thema Menstruation tabuisiert, dies sieht man beispielsweise an der Werbung.&#8220;<\/span><\/p><cite>Mehtap Mosavi<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Abschlie\u00dfend sammelt Zsuzsa mit den jungen Frauen* noch Ideen zur Linderung bei aufkommenden Schmerzen. Tanzen, ein warmes Bad, eine kuschelige Decke oder auch die Apotheke und den Kinder- oder Frauenarzt sprechen sie an.<\/p>\n<p>\u201eIch hab es echt gut verstanden, jetzt wei\u00df ich endlich mal, wie das genau funktioniert. Ist ja echt krass, wie das alles geht\u201c, sagt eines der M\u00e4dchen*.<\/p>\n<p>Das Projekt des roten Zimmers tr\u00e4gt f\u00fcr die amandas Fr\u00fcchte: \u201eDie R\u00fcckmeldungen sind \u00fcberwiegend positiv. Oft bedanken sich die M\u00e4dchen* bei uns, loben unsere Erkl\u00e4rweise, das Material und finden unsere R\u00e4umlichkeiten sehr gem\u00fctlich und sch\u00f6n.\u201c<\/p>\n<p>F\u00fcr Zsuzsa k\u00f6nnte neben dem Umgang, welchen wir von zuhause aus \u00fcber das Thema Menstruation mitbekommen, auch die \u00fcber Werbung vermittelte Einstellung ein Grund f\u00fcr den Tabucharakter sein: \u201eBlaues, statt rotes Blut, Sicherheit und Sauberkeit. So als ob wir sonst nicht sicher und sauber w\u00e4ren, wo auch immer wir sind. Dass das normales Blut ist und wir alle einmal neun Monate in einer Geb\u00e4rmutter gelebt haben, ich glaube das muss irgendwie in die K\u00f6pfe rein.\u201c<\/p>\n<p>Eine Welle an Enttabuisierung bricht auf eine Art auch durch das Praktizieren des freien Menstruierens ein. Frauen verzichten hierbei meistens komplett auf Hygieneprodukte und lernen mit der Zeit ihren Blutfluss zu sp\u00fcren. Viele von ihnen sehen dies auch als &#8222;Period Pride&#8220; an. Flora menstruiert frei und offenbart im Podcast spannende Einblicke dazu.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed-spotify wp-block-embed is-type-rich is-provider-spotify wp-embed-aspect-21-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Spotify Embed: Eine Frau, die ihr Blut frei laufen l\u00e4sst\" width=\"100%\" height=\"232\" allowtransparency=\"true\" frameborder=\"0\" allow=\"encrypted-media\" src=\"https:\/\/open.spotify.com\/embed-podcast\/episode\/4N9mmGxFtzCnysGs2ukxKH\"><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Weiterf\u00fchrende Links:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.bzga.de\/infomaterialien\/sexualaufklaerung\/sexualaufklaerung\/jugendsexualitaet-2015\/\">https:\/\/www.bzga.de\/infomaterialien\/sexualaufklaerung\/sexualaufklaerung\/jugendsexualitaet-2015\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/edoc.rki.de\/bitstream\/handle\/176904\/423\/293fQNZFAlEs.pdf?sequence=1&amp;isAllowed=y\">https:\/\/edoc.rki.de\/bitstream\/handle\/176904\/423\/293fQNZFAlEs.pdf?sequence=1&amp;isAllowed=y<\/a><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-uagb-info-box uagb-infobox__outer-wrap uagb-block-e0fd9915\"><div class=\"uagb-infobox__content-wrap uagb-infobox uagb-infobox-has-icon uagb-infobox-icon-above-title uagb-infobox-image-valign-top uagb-infobox-enable-border-radius \"><div class=\"uagb-ifb-left-right-wrap\"><div class=\"uagb-ifb-content\"><div class=\"uagb-ifb-image-icon-content uagb-ifb-imgicon-wrap\"><div class=\"uagb-ifb-icon-wrap\"><span class=\"uagb-ifb-icon\"><\/span><\/div><\/div><div class=\"uagb-ifb-title-wrap\"><h3 class=\"uagb-ifb-title\">*<\/h3><\/div><div class=\"uagb-ifb-separator-parent\"><div class=\"uagb-ifb-separator\"><\/div><\/div><div class=\"uagb-ifb-text-wrap\"><p class=\"uagb-ifb-desc\">Das Gender-Sternchen (*) dient im Text als Verweis auf den Konstruktionscharakter &#8222;Geschlecht&#8220;. Hiermit werden alle Personen angesprochen, die sich beispielsweise als &#8222;Frau&#8220; definieren.<\/p><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div>\n<script language='javascript' type='text\/javascript'>function getWR360PopupSkin(){return 'light_clean';}<\/script>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Es f\u00e4ngt damit an, dass ein Junge* seinen Penis sieht, ein M\u00e4dchen* die Scheide aber 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