Author: Lena Eggert

Beschäftigt sich zwar sowohl in der Uni als auch in ihrer Freizeit gerne und oft mit Nazis, ist aber eigentlich ein friedlicher Mensch und versorgt alle Mitmenschen genauso oft mit Weltfrieden (Bananenbrot). Hat nach Aussage verschiedener Ärzte Blutwerte wie eine Spitzensportlerin. Naja, wenn es mit dem Journalismus nicht klappen sollte, mal sehen...

ROT. GRÜN. BRAUN.

Von „Blut und Boden“, rechten Ökos und der Gefährdung des ländlichen Raumes

“Mensch lass die doch machen. Die tun doch nichts.” Diesen Satz hört Martin Raabe immer wieder von Nachbar*innen in einem kleinen Dorf in der Lüneburger Heide. Seit einigen Jahren zieht es auffällig viele kinderreiche Familien in die Gegend, die alte verlassene Höfe kaufen. Er beschreibt sie als ganz harmlos und unauffällig auf den ersten Blick, als Nachbar*innen, die er morgens beim Bäcker und abends in der Kneipe trifft. Erst, wenn die Kinder aus den Familien in die Kindergärten und Schulen kommen, fällt auf, dass hinter all dem eine ideologisch geprägte Erziehung steht. Wer sind diese Menschen, was treibt sie an und vor allem wie gefährlich sind sie?

Sich dem Phänomen dieser sogenannten völkischen Siedler*innen zu nähern, ist genauso schwer wie das Thema umfassend zu begreifen.
Ein Annäherungsversuch in drei Kapiteln.

Kapitel I: „Blut und Boden“

Die Siedlerbewegung an sich entstand bereits im Kaiserreich. Die Grundlage ihres Denkens findet sich in der „Blut und Boden”- Ideologie wieder, die bis Anfang des 20. Jahrhunderts zurückreicht: Nur eine rein deutsche Abstammung kann den Erhalt des „Volkes“ garantieren. Teil des „Volkskörpers“ ist man durch eine Blutsverbundenheit. Jeder ist von Geburt an der „Volksgemeinschaft“ verpflichtet. Anhänger*innen der „Blut und Boden“-Ideologie fürchten eine „Überfremdung“, die zum Aussterben des deutschen „Volkes“, dem sogenannten „Volkstod“ führt.

Die Idee der Siedler*innen besteht kurz gesagt darin, in dünn besiedelten Landstrichen wirtschaftlich autark und weitgehend ungestört auf „deutschem Boden“ leben zu können.

Symbolbild: völkische Familien auf dem Feld. Foto: Deutsche Fotothek‎ / CC BY-SA 3.0 DE

Kapitel II: Ökologie, Natur, rechte Ideologie

Naturverbundenheit und rechte Ideologie – geht das überhaupt? Auf den ersten Blick passen die zwei Begriffe nicht zusammen. Das liegt zum einen an mangelndem Bewusstsein für die Geschichte der Ökologie, aber auch an Defiziten in der Wahrnehmung und Einschätzung rechtsextremer Ideologie.  

Klassische “grüne” Themen wie Anti-Atomenergie lassen sich auch in der rechten Szene wiederfinden. “Aus der Perspektive der völkischen Siedler sind das allerdings keine klassisch grünen Themen”, merkt Marius Hellwig, freier Mitarbeiter der Amadeu Antonio Stiftung, an.

“Die Ursprünge des Umweltschutzes in Deutschland sind nicht links oder emanzipatorisch geprägt, sondern sehr eindeutig rechts und sehr eindeutig von völkischem Gedankengut geprägt.”

Erst in den 60er und 70er Jahren wurden diese Themen von einer linken, emanzipatorischen Basis aufgenommen. Das „Öko-Dasein“ ist in der rechten Szene also kein Trend, sondern eine über Jahrzehnte tief verankerte Ideologie. 

Es formierte sich über Jahre eine Szene, die heute als „völkische Siedler“ bezeichnet wird. Eine eindeutige Definition gibt es nicht, da die Gruppe derjenigen, die als völkische Siedlerinnen bezeichnet werden, nicht genau festgelegt werden kann. Marius Hellwig sieht in dem Begriff keine Selbstbeschreibung. “Niemand sagt von sich ‘Ich bin ein völkischer Siedler’. Es ist immer der Blick von Journalist*innen oder Expert*innen auf diese Gruppe”, ergänzt Hellwig. Zudem verlaufen die Grenzen zu anderen rechtsextremen Phänomenen diffus.

völkisch = (in der Ideologie des NS) ein Volk als vermeintliche Rasse betreffend; zum Volk als vermeintliche Rasse gehörend (Quelle: duden.de)

Im Gegensatz zu anderen Akteuren innerhalb der rechten Szene, sind völkische Siedler*innen nicht immer direkt auf den ersten Blick erkennbar. “Es ist Sinn ihrer Strategie, nach außen nicht als Rechtsextreme in Erscheinung zu treten. Das macht es auch so schwierig zu sagen, die Person gehört der Szene an, die Person gehört der Szene nicht an”, schildert Marius Hellwig.

Schon lange ist das Erscheinungsbild der Rechtsextremisten nicht mehr vom Bild des klassischen Neonazis aus den 90er Jahren mit Glatzen, Springerstiefeln und Bomberjacken geprägt. Während Anhänger*innen der Identitären Bewegung, quasi der Jugendorganisation der Neuen Rechten, sich hip, urban und modern geben, können völkische Siedler*innen als Gegenstück dazu gesehen werden.

Die Neue Rechte versucht sich von der Alten Rechten, die sich auf den Nationalsozialismus beruft, abzugrenzen. Die Neue Rechte bezieht sich auf die Theorie des Ethnopluralismus. Es geht hier weniger um Rasse, als um die kulturelle “Reinhaltung” von Staaten.

„Wir haben hier ein eher altertümliches Erscheinungsbild, was gerade in ländlichen Gebieten nicht sonderlich auffällt, weil die Assoziation in erster Linie erstmal „Hippies“ oder „Aussteiger“ ist“, beschreibt Ruben Obenhaus, Projektleiter der Mobilen Beratung Niedersachsen, die völkischen Familien. “Das klassische Bild wären Frauen mit langen Haaren und Zöpfen, Kleidern oder langen Röcken und Blusen. Männer oft in Zimmermannskleidung”, ergänzt Marius Hellwig.  Zudem nennt er neben dem altertümlichen Aussehen zwei weitere Kriterien, die es einfacher machen, die völkischen Siedler*innen einzuordnen. Dazu zählt zuallererst, dass die Personen im ländlichen Raum im Einklang mit der Natur leben, beispielsweise als Landwirte. Hinzu kommen Aspekte wie eine traditionelle Lebensweise, die moderne Einflüsse ablehnt. Die Familien sind oft sehr kinderreich. Kinder mit germanischen Namen sind keine Seltenheit. 

Auffälliger sind Symbole wie der Irminsul, der Lebensbaum, oder alte Runen, die häufig am Eingang von völkischen Höfen aufgestellt sind. Auch diese beziehen sich auf den germanischen, heidnischen Glauben und symbolisieren Stärke und Wildheit von Germanen.

“Wichtig ist, dass man erst in der Kombination mit einer völkisch-rechtsextremen Weltanschauung davon reden kann, dass es sich um völkische Siedler handelt”, betont Marius Hellwig. Was bedeutet das? Für die völkischen Siedler*innen stehen das “deutsche Volk” und die “Volksgemeinschaft” an oberster Stelle. Alle politischen Ziele sind dem Wohl des “Volkes” untergeordnet. “Entscheidend daran ist die Frage, was die deutsche ‘Volksgemeinschaft’ ist. Sie wird mit rassistischen Kriterien,  mit dem angeblichen ‘Blut’ begründet”, macht Hellwig deutlich. Menschen, die nicht weiß, nicht heterosexuell sind, Jüdinnen und Juden, Muslime, emanzipierte Frauen und politisch Andersdenkende, entsprechen nicht dem Willen dieses “Volkes” und werden deshalb ausgeschlossen. 


Zeitstrahl

Umweltbewegung Deutschland

Mit der  deutsche Umweltbewegung werden meistens unmittelbar die 70er und 80er  Jahre in Verbindung gebracht. Tatsache ist jedoch, dass dort bereits die zweite Umweltbewegung in Deutschland begann. Einen Überblick über die erste Bewegung gibt es hier:

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Kapitel III: Die braune Sippe auf dem Land

Zur Verbreitung der völkischen Siedler heute gibt es keine Statistiken. Marius Hellwig hat dafür folgende Erklärung: “Das hängt damit zusammen, dass alle Menschen, die sich mit dem Phänomen beschäftigen, größtenteils den norddeutschen Raum im Blick haben. Für den Süden Deutschlands verfügen wir nicht in dem Maße über tiefergehende Recherchen. Wir haben sehr wenig Wissen darüber.” Zwar ist Hellwig und seinen Kolleg*innen bewusst, dass bei Veranstaltungen in Norddeutschland auch Autos aus dem ganzen Bundesgebiet kommen. Recherchen der Amadeu Antonio Stiftung haben ergeben, dass sich aber Siedlungen vor allem in Bayern, Hessen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Schleswig-Holstein finden lassen.  

Ein Blick in den Norden: Das Bundesland Niedersachsen nimmt im negativen Sinn eine Vorreiterrolle ein, da hier völkische Familien siedeln, die bereits seit den 1920er Jahren in den rechtsextremen und nationalsozialistischen Strukturen der „Blut und Boden“-Ideologie leben. Ihr Gedankengut geben sie von Generation zu Generation weiter. Derartige alteingesessene Familien werden auch “völkische Sippen”  genannt.  

Hier lebt Martin Raabe in einem kleinen Dorf in der Lüneburger Heide im Landkreis Uelzen. 1987 ist er zum ersten Mal mit dem Problem der völkischen Siedler*innen konfrontiert worden. Ursache war eine ganzseitige Anzeige zum Tod von Rudolf Heß im Uelzener Anzeiger. Unterschrieben wurde sie von 30 Familien mit Namen und Wohnort. Das war auffällig. Damals ist nicht viel passiert. Einen kleinen Aufschrei soll es gegeben haben. Mehr nicht. Erst Jahre später haben Martin Raabe und andere Anwohner*innen sich gefragt, was eigentlich auf den Höfen passiert.

Rudolf Heß war ehemaliger Stellvertreter Adolf Hitlers. Seit Beginn der völkischen Bewegung agierte er als überzeugter Nationalsozialist und Mitglied völkischer Vereinigungen wie der „Artamanen“.

„Uns sind merkwürdige Feste aufgefallen, die oft auch ziemlich heimlich abgelaufen sind. Größere Veranstaltungen, wo viele Menschen aus vielen Teilen Deutschlands angereist sind. Das waren Sommersonnenwendefeste. Wir haben uns dann bei Fachleuten informiert bis hin zum Verfassungsschutz, was das eigentlich ist”, erinnert sich Raabe. Letztendlich hat sich herausgestellt, dass der Kreis Uelzen ein bevorzugter Raum für völkische Siedler*innen ist.

Völkische Siedler*innen verhalten sich zunächst unauffällig, bieten Nachbarschaftshilfe an und versuchen Akzeptanz im Ort zu erreichen. Doch genau darin liegt die Gefahr. Martin Raabe sieht hier eine Graswurzelarbeit: Die Familien sickern von unten in die Dorfgemeinschaft ein, um beispielsweise an Stammtischen Deutungshoheit zu gewinnen. „Sie gehen in die Feuerwehren und breiten da ihre Meinung aus. Sie versuchen, in den Kindergärten als Elternvertreter oder auch an den Schulen mit zu beeinflussen, was dort geschieht”, beschreibt Raabe das Vorgehen. Er erinnert sich an einen völkischen Lehrer, der an einem Gymnasium in der Nähe von Lüchow in der Oberstufe Geschichte unterrichtet: “Wir haben durch Druck erreicht, dass er von diesen Leistungskursen für die Oberstufe entbunden worden ist. Eine seiner Schülerinnen ist meine Enkelin.” 

Eine andere Situation hat sich in einem Kindergarten in der Gegend zugetragen: “Der Vater eines Kindergartenkindes ist aufgetaucht und hat gefordert, dass die Leitung ein farbiges Kind aus dem Kindergarten entfernt, das Kind sei seiner Tochter nicht zumutbar. Der Mann ist Polizist und AfD-Mitglied und in völkischen Kreisen bekannt.”

Raabe erlebt immer wieder, wie die Menschen in seinem Dorf in derartigen Situationen wegschauen:

„Viele wollen diese Auseinandersetzung gar nicht, sondern wollen ihre Ruhe haben. Das ist eine Form der Reaktion, die nicht neu ist. Die war schon 1930 so und hat ja immer wieder solche Bewegungen ermöglicht“,

merkt der ehemalige Pastor an.   

Die freie Kameradschaftsszene bezeichnet autonom organisierte Neonazi-Gruppen, die nicht in Vereinen organisiert und daher schwierig zu greifen sind. Sie begreifen sich als Teil des “nationalen Widerstandes”.

Verschiedene Strömungen innerhalb der rechten Szene können heute nicht mehr einzeln betrachtet werden. Das beobachtet auch Hartmut Gutsche, Leiter eines der fünf Regionalzentren für demokratische Kultur in Mecklenburg-Vorpommern: „Man kann sich einzelne Segmente angucken, aber die haben sehr viel miteinander zu tun. Es sind Netzwerke von Menschen, die vielfältig verbunden sind.“ Er ist überzeugt, dass Siedler*innen über einzelne soziale Kontakte auch mit der Kameradschaftsszene und der NPD zu tun haben.

Ruben Obenhaus beobachtet in Niedersachsen eine große ideologische Schnittmenge von der NPD zu völkischen Siedler*innen und darüber hinaus zur Identitären Bewegung und der AfD. Auch personell gibt es Bewegung zwischen den vier Ecken des Beziehungsnetzes. Obenhaus sieht hier großes Gefahrenpotential: „Wir sehen immer wieder, dass an diesen Orten Treffen stattfinden, sich dort vernetzt wird und gefeiert wird.“ Er bezeichnet sie als „rechtsextreme Rückzugsorte“, an denen sich immer wieder verschiedene Strömungen der rechtsextremen deutschen Struktur versammeln. Was in großen Städten wie Hamburg oder Bremen schnell auffallen würde, ist hier auf dem Land unglaublich einfach.

Das Netzwerk der Neuen Rechten unter der Lupe.

Die Rückzugsorte zeigen einmal mehr, wie vernetzt die völkischen Siedler*innen untereinander sind und wie weit die Verbindungen in  Teile der rechten Szene reichen. Martin Raabe beobachtet nicht selten, dass Prominenz aus den Reihen der AfD den Höfen in seinem Dorf einen Besuch abstattet. Die Verbindungen reichen hier sogar soweit, dass Siedler*innen teilweise in den Büros von AfD-Abgeordneten arbeiten. 

Auch wenn die AfD in beispielsweise Mecklenburg-Vorpommern, sich klar versucht von den völkischen Siedler*innen, abzugrenzen, wird die ganze Bewegung politisch vom Wirken der AfD gefördert und gestützt. „Die AfD hat einen Sprachgebrauch in die Politik gebracht, der vor zehn Jahren noch nicht denkbar gewesen ist,“ merkt Martin Raabe an und denkt dabei an Ausdrücke wie „Volkstod“ oder „Umvolkung“.

Was ist nun die konkrete Gefahr, die von den völkischen Familien ausgeht?

Zunächst ist es wichtig, klarzumachen, dass völkische Siedler*innen nicht einfach ein  ökologisches Aussteigerprojekt sind. Es handelt sich um eine langfristige Strategie, die in der rechten Szene breite Unterstützung findet. “Die Strategie ist, dafür zu sorgen, dass man eigenständig, unabhängig von staatlichen Strukturen und Einflussnahmen  eine Basis bildet. Dass man dort mit Gleichgesinnten zusammenwohnt, eigene Strukturen aufbaut und kindderreiche Familien zusammenbringt”, beschreibt Marius Hellwig die Intention der Siedler*innen. Das Ziel dahinter ist, auf eine Zukunft hinzuarbeiten, in der die gesamtgesellschaftlichen Machtverhältnisse es zulassen, als rechtsextreme Szene wieder politischen Einfluss gewinnen zu können. In der Praxis versuchen sie auch, in kommunale Parlamente und letztendlich in die Städte zu gehen.

All das passiert unauffällig und macht sie so gefährlich. Hellwig verdeutlicht die Strategie an einem Beispiel besonders: In Niedersachsen im Landkreis Uelzen leben einige völkische Siedler*innen unter dem Slogan:

“Wir sind vielleicht die letzten von gestern, aber wir werden auch die ersten von morgen sein.”

Das “gestern” ist ganz klar ein Rückbezug zum Nationalsozialismus. Das “morgen” zeigt deutlich, dass die Entwicklung noch nicht vorbei ist und noch einige Schritte gegangen werden, bis sie wieder Einfluss haben werden. “Deshalb ist es wichtig, dass die Ansiedlungsprojekte als eine politische, strategische Aktionsform der rechtsextremen Szene wahrgenommen und auch ernstgenommen werden”, verdeutlicht Marius Hellwig die von den Sieder*innen ausgehende Gefahr. 

Gerade Menschen, die im ländlichen Raum leben und beispielsweise nicht weiß sind, so Hellwig, erfahren eine konkrete Bedrohung, die nicht zwangsläufig physisch sein muss: “Es ist für sie eine täglich Belastung, zu wissen, dass Menschen in der Nachbarschaft leben, die ganz eindeutig sagen: ‘Du gehörst nicht zur Dorfgemeinschaft und hast keine Daseinsberechtigung im ‘deutschen Volk’’.”

Martin Raabe ist sich dieser Gefahr auch bewusst. Es ist ihm wichtig, dass das Bewusstsein aller gestärkt wird. Völkische Siedler*innen existieren nicht einfach neben der rechtsextremen Szene. Es muss klar gesehen werden, dass der Ökologie- und Siedlungsgedanke bis heute fest in der rechten Szene verankert ist.

Die Gruppe „beherzt“ in Aktion. Foto: Martin Raabe

Doch was tun, wenn es deutliche Anzeichen für eine völkische Besiedlung im Dorf gibt?

Im Landkreis Uelzen organisieren sich mittlerweile 320 Anwohner*innen in der Gruppe „beherzt“, um sich auszutauschen und in Dialog zu treten. Sie haben sich auf ein Symbol verständigt. Es ist ein Kreuz, ähnlich wie früher die Kreuze zu Gorleben, in Gelb und Magenta mit der Aufschrift: “Kreuze ohne Haken, fUEr Vielfalt”. UE steht für das Autokennzeichen des Landkreises. Martin Raabe als Sprecher der Gruppe ist stolz. “Von diesen Kreuzen stehen inzwischen etwa 150 Stück auf Höfen, an Häusern und Firmen, damit deutlich gemacht wir, dass das völkische Denken, diese “Blut und Boden”-Ideologie, hier nichts zu suchen hat.”


Podcast

„Blut und Boden“-Ideologie: Aufklärung und Widerstand im ländlichen Raum

Wie Aufklärung und Widerstand im Kontext völkischer Landnahme stattfinden kann, erfährst du in einer Folge „Blutrauschen“.


Persönlich hat Raabe keine Angst vor seinen rechtsextremen Nachbarn. Als Gesicht der Gruppe „beherzt“ im Raum Uelzen/ Lüchow-Dannenberg gibt er denen eine Stimme, die nicht den Mut für eine Auseinandersetzung haben. „Diese Angst ist nicht unberechtigt,“ findet Raabe, „Ich persönlich bekomme sehr unschöne Anrufe oder böse Mails. Eines unserer Kreuze ist in einer Nacht zu einem Hakenkreuz umgebaut worden, andere sind mit Kot beschmiert worden.“

Martin Raabe weiß, dass man die Siedler*innen nicht einfach vertreiben kann. Deswegen möchte er andere bestärken und aufklären, damit sie das, was sie beobachten und erleben, besser einordnen und deuten können. “Denn hier zieht keiner, der einen Hof hat, freiwillig weg“, ist er sich sicher.

Es ist stark davon auszugehen, dass die Verbreitung völkischer Siedlungsprojekte zunehmen wird. “Wenn man sich die letzten Jahre anschaut, kann man erkennen, dass es einen extremen Anstieg gegeben hat”, sagt  Marius Hellwig mit Blick in die Zukunft. Er hofft, dass das Thema präsenter in der öffentlichen Wahrnehmung diskutiert und problematisiert wird, weil es ernst genommen werden muss. 

Das ist auch dringend notwendig, denn mischt man symbolisch das Rot der „Blut und Boden“-Ideologie mit dem Grün der Natur, entsteht schnell ein braunes Gemisch, das sich langsam in dünn besiedelten Landstrichen ausbreitet und unterschwellig zur Gefahr wird, die das ganze Land einnehmen kann.